Die Segelfreizeit ist ein Höhepunkt für die Jugendlichen. Die Enttäuschung über die Absage war riesig. Und auch heuer geht es nicht aufs Schiff.	fotos (2): evangelische Jugend
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Die Segelfreizeit ist ein Höhepunkt für die Jugendlichen. Die Enttäuschung über die Absage war riesig. Und auch heuer geht es nicht aufs Schiff. fotos (2): evangelische Jugend

Fürstenfeldbruck

Generation Corona: So geht es der Jugend

  • Ingrid Zeilinger
    vonIngrid Zeilinger
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Von der „Generation Corona“ wird in einigen Jahren die Rede sein. Dabei geht es nicht um die Grundschüler und kleinen Kinder, sondern um die Jugendlichen. Sie leiden unter den Kontaktbeschränkungen, sagt Jugenddiakon Bob Saeger. Er will, dass die Generation Corona trotz Abstand und Maske gestärkt aus der Pandemie geht.

Fürstenfeldbruck – „Wie geht es dir?“ Mit dieser Frage beginnt Bob Saeger jedes Gespräch. Der Jugenddiakon der evangelischen Kirchen in Fürstenfeldbruck lebt von den Beziehungen zu seinen heranwachsenden Schützlingen. Bei monatlichen Treffen, um viele Aktionen zu planen, vom Austausch. Beim großen Flohmarkt auf dem Volksfestplatz, der Segelfreizeit und dem Konfirmandenunterricht. Bei Letzterem agieren die älteren Jugendlichen als Gruppenleiter und führen die nächsten Jahrgänge an die Jugendarbeit heran.

Doch gerade dieser direkte Austausch, das persönliche Gespräch, der Draht zu den Teenagern, fehlt nun. „Die meisten beißen sich durch“, sagt der 27-Jährige. Zwar gibt es noch die Engagierten, die sich nach Schule und Arbeit auch am Abend noch in eine Videokonferenz einwählen. Doch die, die an den Aktionen nur teilnehmen, bleiben weg. „Ich habe zu einigen den Kontakt verloren“, sagt Bob Saeger.

Dabei denkt er besonders an die Zwölf- bis 17-Jährigen. Die Generation Corona, wie er sie nennt. „In diesem Alter hat man die meisten sozialen Kontakte, man probiert sich aus, sucht seine Identität.“ Das sei für die Jugendlichen essenziell. Sicher hätten es auch die etwas Älteren nicht leicht, da sie ihre Freiheit und Unabhängigkeit in der jungen Erwachsenenphase nicht ausleben können. „Sie hatten diese Zeit schon etwas und können auf Erlebnisse zurückgreifen, die sie tragen.“ Und Freiheit ausleben könne man leichter nachholen als Identitätsentwicklung.

Daher versucht der 27-Jährige, die Jungen bei der Stange zu halten. Die, die ihren Konfirmandenunterricht nach hinten schieben mussten beziehungsweise ihn überwiegend online erleben. Die Osternacht mit Feuerwache ist ihnen ebenso verwehrt geblieben wie Rollenspiele, Rallyes und mehr. Schnitzeljagd über eine App hieß die kleine, im Herbst noch machbare Alternative. Der Hunger nach Gemeinschaftsaktionen ist groß, weiß der Jugenddiakon.

Die Segelfreizeit

Bei den Jugendlichen spürt er ein großes Verantwortungsbewusstsein – gerade wenn es um das Thema Hygiene geht. So sagten die Jugendlichen selbst eine Fortbildung ab, als im Herbst die Inzidenz nach oben schnellte. Überhaupt prüfe man jedes Format genau. Man entwickle Hygienekonzepte, um doch etwas möglich zu machen.

So war die Enttäuschung riesig, als die Segelfreizeit im vergangenen Jahr abgesagt werden musste. Vier Schiffe mit über 100 Teilnehmern wären zusammengekommen. Auch heuer ist daran nicht zu denken. Saeger hat eine Freizeit im Inland in der Hinterhand – wenn Corona es zulässt.

Bis dahin behilft er sich mit dem, was geht: Online-Spiele. „Da ist auch gute Stimmung“, sagt der junge Familienvater. Und sobald Lockdown und Wetter es zulassen, will er die Lagerfeuer wiederbeleben. Stockbrot, Werwolf und Gemeinschaft – das war im Herbst für die Jugendlichen ein schönes Erlebnis. „Das gemeinsame Unterwegsein, Lachen und Quatschen geht ihnen ab.“ So würden sie immer wieder nach diesen Aktionen fragen, erzählt Bob Saeger.

Seine Motivation: „Die Jugendlichen sollen auf die Zeit zurückschauen und sagen, dass die Gemeinschaft in der evangelischen Kirche in dieser Zeit ein Lichtblick war.“ Die christliche Lehre einer liebevollen Gemeinschaft, die sich gegenseitig trägt, solle spürbar sein. Und er will die Jugendlichen halten, damit auch die Generation Corona die nächste Gruppe in die evangelische Jugendarbeit integriert. Unter den Älteren bestehe der Kontakt noch. „Aber danach erwarte ich schon ein Loch, es kommen keine neuen Mitglieder nach.“

Mut schöpft er aus kleinen Dingen, wie der Christbaumaktion, bei der ganz unvirtuell die Tannenbäume eingesammelt wurden. „Ich bin froh, dass wir die nicht absagen mussten.“

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