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Die Klosterkirche in Fürstenfeld fiel am Ende nicht so schlicht aus wie von Viscardi geplant. Wie stark Polier Johann Ettenhofer nach dem Tod des Baumeisters Einfluss auf die Gestaltung nahm, ist heute nicht mehr nachvollziehbar.

Serie über Brucks Straßennamen

Georg Ettenhofer: Der Polier vollendete das Großprojekt Fürstenfelder Klosterkirche

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Der Architekt der Fürstenfelder Klosterkirche erlebte die Fertigstellung desBaus nicht mehr. Vollendet wurde Viscardis Großprojekt von seinem Polier, dem Maurermeister Johann Georg Ettenhofer.

Fürstenfeldbruck – Er war Münchner Stadtmaurermeister und stellte die Klosterkirche Fürstenfeld fertig. Im Brucker Westen wurde eine Straße nach ihm benannt. Ob Johann Georg Ettenhofer auch hier lebte, ist nicht eindeutig geklärt.

Nachgewiesen ist, dass Ettenhofer 1699 geheiratet hat, nachdem er vom Rat der Stadt München die Genehmigung für einen dortigen Wohnsitz erhalten hatte. Ab 1700 wurde er von dem Baumeister Giovanni Antonio Viscardi (siehe Kasten) als Polier in den Bau der Klosterkirche eingebunden, wie der Historiker Lothar Altmann in dem von Werner Schiedermair herausgegebenen Buch „Kloster Fürstenfeld“ schreibt. Nach einer Bauunterbrechung während der Wirren des Spanischen Erbfolgekriegs von 1701 bis 1714 führte Ettenhofer die Arbeiten anstelle des 1713 gestorbenen Viscardi fort.

Die Ettenhoferstraße erinnert im Brucker Westen an den obersten Bauarbeiter der Klosterkirche.

Recherchen zu Ettenhofers Wohnort bleiben bis heute erfolglos

Ob er in dieser Zeit auch seinen Wohnsitz nach Bruck verlegte, könnte laut der Brucker Historikerin Birgitta Klemenz durch alte Matrikel bestätigt werden. „Oder in alten Verträgen lässt sich nachweisen, dass Kost und Logis vereinbart wurde“, sagt Klemenz. Doch selbst wenn derartige Recherchen erfolglos blieben, wäre nicht auszuschließen, dass Ettenhofer hier gelebt hat.

Denn laut Klemenz war es durchaus üblich, dass Bauarbeiter in der Nähe der Baustelle wohnten. „Sie konnten schließlich nicht einfach in die S-Bahn nach München steigen“, sagt sie. Während ein Baumeister nicht täglich vor Ort war, lässt sich also zumindest vermuten, dass Ettenhofer in seiner Zeit als Polier von 1700 bis 1701 im Umfeld von Fürstenfeld lebte.

Ettenhofer hat sich gegen namhafte Konkurrenz durchgesetzt

Unabhängig von dieser Diskussion ist der Name des Stadtmaurermeisters natürlich eng mit dem Kloster verbunden. Wie groß sein Einfluss auf die Pläne war, ist jedoch umstritten. Der 1668 in Bernried am Starnberger See geborene Ettenhofer wurde laut Altmann vom damaligen Abt Liebhard Kellerer beauftragt, die Kirchenpläne Viscardis zu aktualisieren und zu modifizieren. Er stach dabei heute namhafte Konkurrenz aus.

Auch die Brüder Cosmas Damian und Egid Quirin Asam hatten sich als Baumeister beworben. Sie galten damals aber als Neulinge. Zudem waren sie Quereinsteiger. Kellerer scheute das Risiko, vermutet Altmann. Deshalb entschied er sich für den „solide ausgebildeten, dafür aber phantasieloseren“ Ettenhofer. Cosmas Damian Asam durfte hingegen immerhin die berühmten Fresken in der Klosterkirche erstellen.

Wie Angelika Mundorff in „Kloster Fürstenfeld“ ausführt, spricht die Wahl Ettenhofers dafür, „dass an der ursprünglichen Planung Viscardis weitgehend festgehalten werden sollte, obwohl manche Details nicht mehr dem Zeitgeschmack entsprachen“. Abweichungen gab es vor allem bei der Fassadengestaltung, wie ein Stich von Michael Wening aus dem Jahr 1701 vermuten lässt. So schreibt Gabriele Dischinger in Schiedermairs Standardwerk über Fürstenfeld, der Viscardi-Entwurf bleibe „streng in der Fläche und lässt nichts von der späteren säulendominierten Westfassade ahnen, die durch Ettenhofer ausgeführt wurde“.

Ob der Baumeister diese aber auch tatsächlich selbst geplant hat, zweifelt Mundorff an. Sie schreibt, die Überplanung „könnte von Ettenhofer stammen, es ist aber auch nicht ganz auszuschließen, dass sie vom kurfürstlichen Hofbauamt vorgenommen wurde“.

Ettenhofer war am Bau vieler weiterer Kirchen beteiligt

Ettenhofer, der während der Bauunterbrechung in Fürstenfeld als Meister anerkannt wurde, war an zahlreichen kirchlichen Baumaßnahmen beteiligt. Unter anderem war er Baumeister für die Barockisierung der Klosterkirche St. Sebastian in Ebersberg, bei der Pfarrkirche St. Georg in Hohenschäftlarn und bei der Pfarrkirche Heilig Kreuz in Hofolding. Außerdem führte er neben Fürstenfeld noch weitere Bauten des verstorbenen Viscardi fort, darunter auch die heutige Dreifaltigkeitskirche in München.

Mitte der 30er-Jahre des 18. Jahrhunderts ist Ettenhofer aber kaum noch beschäftigt. 1736 und 1737 muss er um eine Ermäßigung der Steuer bitten. Ein Jahr später verzichtet er auf sein Meisterrecht, lässt sich in die Kramerzunft aufnehmen und betreibt eine Eisenkrämerei. Am 25. Januar 1741 stirbt er schließlich im Alter von 73 Jahren in München.

Der Baumeister der Klosterkirche: Giovanni Antonio Viscardi

Giovanni Antonio Viscardi war zwar kein Brucker. Der Baumeister hat aber so deutliche Spuren in der Kreisstadt hinterlassen, dass nach ihm nicht nur ein Gymnasium, sondern auch eine Straße im Brucker Westen benannt wurde. Der am 27. Dezember 1645 in San Vittore bei Roveredo im italienischsprachigen Teil Graubündens geborene Münchner Hofbaumeister hat den barocken Neubau des Klosters Fürstenfeld an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert geplant. Bei der Grundsteinlegung 1691 war Viscardi noch im Amt. Die Fertigstellung des barocken Meisterwerks der Baukunst erlebte er aber nicht mehr.

Der spanische Erbfolgekrieg verzögerte die Arbeiten an der Klosterkirche. Erst nach seinem Tod am 9. September 1713 in München konnte am Gotteshaus weitergebaut werden. Die Bauausführung übernahm sein Polier Johann Georg Ettenhofer. Die ursprünglichen Pläne Viscardis dazu wurden überarbeitet – ob noch von ihm selbst oder schon von Ettenhofer ist bis heute nicht eindeutig geklärt.

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