Das Coronavirus hat die Lunge von Goran Simic angegriffen. Er lag zwei Wochen lang im künstlichen Koma und wurde beatmet. Auf den Tag genau ein Jahr, nachdem er aufgewacht ist, hat er sich gegen Covid 19 impfen lassen.
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Das Coronavirus hat die Lunge von Goran Simic angegriffen. Er lag zwei Wochen lang im künstlichen Koma und wurde beatmet. Auf den Tag genau ein Jahr, nachdem er aufgewacht ist, hat er sich gegen Covid 19 impfen lassen.

Betroffener erzählt

Nach zwei Wochen im Koma und überstandener Corona-Infektion: Die Angst bleibt

  • Tobias Gehre
    vonTobias Gehre
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Als Anästhesiepfleger hat Goran Simic bereits unzählige Male geholfen, Menschen zu retten. Vor gut einem Jahr musste er selbst gegen Corona um sein Leben kämpfen.

Fürstenfeldbruck – Der Brucker hatte sich mit dem Coronavirus infiziert und lag zwei Wochen im Koma. Jetzt spricht der 34-Jährige über seine Erkrankung, die Ängste und seine Zuversicht.

Alles ist neu in diesen Tagen Anfang März 2020. Das Coronavirus breitet sich in Deutschland aus. Die Intensivstationen füllen sich. Auch für Goran Simic ändert sich der Alltag radikal. Von der Anästhesie, wo der damals 33-Jährige als Pfleger arbeitet, wechselt er auf die Intensivstation. Dort wird jede helfende Hand benötigt. Simic geht gewohnt professionell an die neue Aufgabe heran – Hygiene und Infektionsschutz gehören seit Jahren für ihn zum Alltag. „Angst, selbst schwer zu erkranken, hatte ich nicht“, sagt Simic. Doch irgendwie schafft es das Virus in seinen Körper – vermutlich über einen älteren Patienten, der zuvor irrtümlich negativ getestet worden war und später an Covid starb.

Über die Zeit im Koma will Goran Simic nicht sprechen

„Man atmet, aber es kommt keine Luft an. Da bekommt man Panik“, erzählt Goran Simic.

Zwei Tage nach dem Kontakt zu dem Mann zeigen sich bei dem Brucker die ersten Symptome. „Ich hatte heiße Füße, erhöhte Temperatur, fühlte mich schlapp“, erinnert sich der Pfleger. Er bleibt zu Hause, isoliert sich selbst im Schlafzimmer. „Dann ging es richtig los“, sagt Simic. Er bekommt unglaubliche Kopfschmerzen, leidet plötzlich an Tinnitus. Goran Simic muss ins Krankenhaus. Dort wird eine beidseitige Lungenentzündung diagnostiziert. Doch auch da hat der Anästhesiepfleger noch keine Angst. „Das wird schon wieder“, denkt er sich. Schließlich ist er an sich topfit, raucht nicht und geht regelmäßig zum Joggen. Doch er unterschätzt das Virus.

Auf der Covid-Station bekommt Simic Atemnot. Es fällt ihm schwer, das Erlebte in Worte zu fassen. „Man atmet, aber es kommt keine Luft an. Da bekommt man Panik.“ Den Medizinern bleibt keine Wahl. Sie versetzen ihn ins künstliche Koma, beatmen ihren Kollegen. Es ist die wohl schlimmste Zeit. Denn auch im Koma bekomme man etwas mit, sagt Simic. Sprechen will er darüber aber nicht.

Nach zwei Wochen im Koma wacht Goran Simic wieder auf

Rund zwei Wochen später wacht Goran Simic wieder auf – nicht in Fürstenfeldbruck, sondern in Augsburg. Dorthin wurde er zwischenzeitlich verlegt. Den Umschwung in seinem Krankheitsverlauf bringt ein so genanntes Rekonvaleszenzplasma – eine Substanz mit Antikörpern aus dem Blut Genesener.

In der anschließenden Reha erholt sich Goran Simic körperlich recht schnell, wenngleich ihn bis heute noch Probleme plagen. Doch die seelischen Wunden bleiben – vor allem die Angst, das Erlebte noch einmal durchmachen zu müssen.

Deshalb war für den 34-Jährigen auch klar, sich gegen das Virus impfen zu lassen. Am Ostersonntag, genau ein Jahr, nachdem er aus dem Koma erwacht ist, bekommt Simic den erlösenden Pieks im Brucker Impfzentrum.

In die Zukunft blickt der Brucker optimistisch. Ende April will er wieder arbeiten – aber nicht mehr auf der Intensivstation sondern als Hygienefachkraft. Obwohl er dann an den Ort zurück kehrt, an dem sein Albtraum begann, freut sich Simic auf seine neue Aufgabe. Denn seine Motivation ist die gleiche wie vor Corona: „Ich will anderen helfen.“

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