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Er setzt auf Hackschnitzel statt auf Öl und Gas - Holz kommt aus der Region

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Von: Lisa Fischer

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In seinem jungen Unternehmen produziert Andreas Link Hackschnitzel. Mit dem Rohstoff kann geheizt werden.
In seinem jungen Unternehmen produziert Andreas Link Hackschnitzel. Mit dem Rohstoff kann geheizt werden. © Weber

Alternativen zu Öl und Gas, um damit zu heizen, werden immer beliebter. Nicht erst seit Beginn des Ukraine-Kriegs, weiß Andreas Link aus Aich. Der 28-Jährige hat vor drei Jahren seinen Job gekündigt und sich selbstständig gemacht – mit einem Unternehmen, das Hackschnitzel herstellt und vertreibt.

Aich – „Man merkt schon, dass die Nachfrage in den letzten Monaten gestiegen ist“, sagt Andreas Link. Innerhalb von zwei Jahren habe sich in seinem Unternehmen die Absatzmenge an Kubikmetern Hackschnitzel verdoppelt. Doch eine höhere Nachfrage sei schon vor Beginn des Ukraine-Kriegs spürbar gewesen. „Während Corona und auch davor, durch die Kfw-Förderung für den Einbau von Hackschnitzel-Anlagen“, erklärt Link.

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Hackschnitzel sind CO2-neutral

Das Heizen mit Hackschnitzel ist CO2-neutral, erklärt der Jung-Unternehmer. „Beim Verbrennen entsteht CO2, das die Bäume zuvor beim Wachsen aus der Luft genommen haben.“ Würde man das Holz im Wald einfach liegenlassen, anstatt es zu Hackschnitzel zu verarbeiten, würde von den Bäumen ebenfalls beim Verrotten CO2 ausgestoßen werden, erklärt der Aicher. „Und durch die Hackschnitzel hat man wenigstens Wärme davon.“

Dass der nachwachsende Rohstoff einmal sein Hauptgeschäft sein würde, sei gar nicht geplant gewesen. Die Selbstständigkeit schon. „Er hatte schon immer den Traum von einem Lohnunternehmen“, sagt Vater Robert Link. Aufgewachsen auf dem familiären Landwirtschaftsbetrieb in Aich, lernte sein Sohn schon früh den Umgang mit landwirtschaftlichen Geräten kennen. „Die Arbeit mit Maschinen hat mir schon immer Spaß gemacht“, erzählt der 28-Jährige.

Mit dem Greifarm wird das Holz vom Stapel genommen und in den Häcksler geschoben. Dieser spuckt die Hackschnitzel in einen Anhänger.
Mit dem Greifarm wird das Holz vom Stapel genommen und in den Häcksler geschoben. Dieser spuckt die Hackschnitzel in einen Anhänger. © Weber

Bei der Baywa machte er seine Ausbildung zum Landmaschinen-Mechaniker. „Danach habe ich beim Stadtbauhof Germering gearbeitet“, sagt Link. Dort habe ihm das Mulchen an Straßen so gut gefallen, dass er parallel begann, sich selbstständig zu machen. „Mein Anfangsziel war, dass ich eine Firma gründe, für Holzrücke-Arbeiten und Silage-Transporte“, erzählt Link. 2016 legte er sich seinen ersten Rückewagen dafür zu.

„Durch das Holzrücken ist er an viel Material gekommen“, erzählt der Vater. Die Idee zum Geschäft mit Hackschnitzel wurde immer größer. 2018 legte der 28-Jährige neben dem Beruf die Prüfung zum Fuhrunternehmer ab. Ein paar Monate später machte sich Andreas Link mit seinem Unternehmen für Forst- und Agrardienstleistungen selbstständig.

Heute ist so viel Arbeit da, dass Link mittlerweile zwei Mitarbeiter eingestellt hat. „Es gibt aber auch einen Ehrenamtlichen: meinen Vater“, sagt Link und lacht. Die Aufträge kommen nicht von ungefähr, weiß Robert Link: „Er ist einer der wenigen im Landkreis, der das Holz verwaltet und häckselt.“ Das Material kommt zum Beispiel von der Waldbesitzervereinigung Fürstenfeldbruck, aber auch aus Nachbarlandkreisen, wie Starnberg, und von privaten Waldbesitzern.

Ein Anruf, dass Holz abgeholt werden kann, und Link fährt mit seinen Mitarbeitern und den schweren Maschinen los. Mit den Fahrzeugen geht es in den Wald hinein, bis zur Stelle, wo das Holz liegt. Dann wird mit einem speziellen Greifarm Stamm für Stamm vom Stapel hochgehoben und in den Häcksler geschoben.

Ganze Bäume landen im Häcksler

„Alles, was nicht als Nutzholz verwertet werden kann, landet im Häcksler. Einschließlich der Baumkrone“, sagt der Chef. So könne jedes Restholz verwertet werden. Oberhalb des Greifarms kommen Millisekunden später feinste Hackschnitzel aus einem langen metallenen Hals heraus. Dieser spuckt die kleinen Holzteile in einen Traktor-Anhänger.

Verwendet werden können private und kommunale Kunden die Hackschnitzel jedoch nicht nur zum Heizen. „Man kann damit auch Beete bedecken, anstatt Rindenmulch“, erklärt Link. Aber auch bei Festen, wie zuletzt beim Aicher Burschenfest, kommt der nachwachsende Rohstoff zum Einsatz: als Bodenbedeckung auf dem Festplatz vor Zelten, Toilettenwagen oder Ähnlichem.

Zu tun gibt es bei dem Aicher Unternehmen immer. „Ich sehe aktuell keinen Engpass beim Hackschnitzel und auch die nächsten Jahre nicht“, sagt Link. Viele Wälder müssten aufgeräumt und gepflegt werden, weshalb es weiter Kapazität gebe. Und nebenbei sorgen weitere Dienstleistungen der Firma für Arbeit, wie Silage-Transporte, Baggerarbeiten oder der sogenannte Lichtraumprofilschnitt und Mulchen entlang von Straßenrändern. Und im Winter? „Da fahren wir als Winterdienst raus“, sagt Andreas Link.

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