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Seniorin verzweifelt: Haus am Hang durch Baustelle gefährdet

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Von: Peter Loder

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Blick auf die Baustelle unterhalb ihres Grundstücks: Lieselotte Merker fürchtet um ihr Haus. 	Fotos: Weber
Blick auf die Baustelle unterhalb ihres Grundstücks: Lieselotte Merker fürchtet um ihr Haus. © Weber

Ihr Haus steht oberhalb eines Hangs, unter dem sich eine Dauerbaustelle befindet. Der Hang droht abzurutschen. Eine Lösung ist nicht in Sicht – die 82-jährige Bruckerin ist mit ihren Nerven am Ende.

Fürstenfeldbruck – Sobald es länger regnet, lebt Lieselotte Merker (82) in ständiger Angst um ihr Haus. Denn fünf Meter unterhalb des Gebäudes an der Ecke Mond-/Holzstraße gibt es seit drei Jahren eine Dauerbaustelle. Weil der Hang an der Schöngeisinger Straße abzurutschen droht, darf die Witwe laut einem Schreiben der Stadt Fürstenfeldbruck nun einen Teil ihres Grundstücks nicht mehr benutzen. Lieselotte Merker ist mit ihren Nerven am Ende.

Erst vor wenigen Wochen ist ihr Ehemann gestorben, nachdem er zunächst noch von einem Taxifahrer ins Leben zurückgeholt wurde (wir berichteten). Nun kämpft die 82-Jährige nur noch mit Hilfe ihres Münchner Rechtsanwalts um Teile ihres vom Abrutschen bedrohten Grundstücks.

Zur Vorgeschichte: 2018 hatte ein Bauunternehmer mit den Abrissarbeiten des alten, unter ihrem Areal liegenden Gebäudes begonnen. Als Lieselotte Merker mit ihrem damals noch lebenden Ehemann von einem Kurzurlaub zurückkehrte, war die Grenzmauer zu ihrem höher gelegenen Grundstück abgebrochen und eine in ihrem Besitz stehende Hecke entfernt worden. Und das „ohne unserer Einwilligung“, wie sie sagt.

Die Behörde

Sie klagte, weil mit dem Neubau ohne ausreichende Hangschutz-Maßnahmen begonnen worden sei. Jetzt schritt die Aufsichtsbehörde ein – aber nicht so, wie es sich die Seniorin vorgestellt hat: Denn laut einem dem Tagblatt vorliegenden Vollzugschreibens ist nun Merker die Nutzung ihres direkt am Hang liegenden Autostellplatzes untersagt. Nur ein paar Meter weiter schließt sich ihr Wohnhaus an.

Beim ersten Zivilrechtsstreit ist ein Gutachter zu dem Ergebnis gekommen, dass „die im Rahmen des Bauvorhabens durchführten Verbaumaßnahmen nicht ausreichend sind, um das Anwesen vor einem Abrutschen zu sichern“.

Die vom Rathaus ausgesprochene Nutzungsuntersagung sei deshalb zur Gefahrenabwendung „notwendig und geeignet“. Noch vor dem Tod ihres Mannes habe sich das Ehepaar überlegt, eine sichernde Spundwand selbst zu finanzieren. „Aber die veranschlagten 20 000 Euro waren dann doch zu viel.“

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Das Bauprojekt an der Schöngeisinger Straße hatte wegen seiner beengten Verhältnisse bei Passanten ohnehin schon Aufmerksamkeit erregt. Nach Merkers Ansicht hätte es in dieser Form erst gar nicht genehmigt werden dürfen. Ihr Rechtsanwalt, der in München ansässige Fred Simnacher, beklagt deshalb „die inaktive Rolle und das unkommunikative Verhalten“ im Brucker Rathaus. „Auf mehrere Anfragen gab es keine Reaktion.“

Laufendes Verfahren

Ebenso wie der Bauunternehmer will sich auch Stadtbaurat Johannes Drechsel gegenüber dem Tagblatt zu der Angelegenheit „wegen des laufenden Verfahrens“ nicht äußern. Deshalb bleibt unklar, ob der Bau nun behördlich eingestellt ist oder nicht. Von beiden Seiten gibt es widersprüchliche Aussagen.

Lieselotte Merker hat mittlerweile CSU-Stadtrat Andreas Lohde eingeschaltet. Der Fraktionsvorsitzende plädiert für eine „kleinmaschige Kontrolle, um den Bauwerber zu bewegen, die Sicherheitsvorschriften zu priorisieren“. Im noch laufenden Verfahren vor dem Landgericht München II muss nun der vom Gericht beauftragte Statik-Experte ein Ergänzungsgutachten erstellen. Damit wird bis Ende des Jahres gerechnet. Solange dauert der Prozess an. Und bis dahin bangt die Witwe bei jedem längeren Regenschauer um ihr Grundstück.

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