Sie füttert Tiere – und führt in Corona-Zeiten viele Gespräche mit Anrufern: Kerstin Fannasch, Leiterin des Vereins Pfotenhelfer.

Fürstenfeldbruck

Haustiere in Zeiten der Pandemie: Seelentröster oder Virenschleuder?

  • Tobias Gehre
    vonTobias Gehre
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Die Corona-Pandemie macht auch den Tierschützern zu schaffen. Manche Menschen haben plötzlich Angst, sich bei ihren Vierbeinern anzustecken – und wollen sie abgeben. Andere möchten sich hingegen mal schnell ein Tier gegen die Langeweile zulegen. Der Tierschutz steht vor großen Herausforderungen – die von anderen Problemen noch verschärft werden.

Fürstenfeldbruck – Als die sozialen Kontakte zu Beginn der Corona-Krise gegen Null gingen, klingelte bei Kerstin Fannasch immer öfter das Telefon. Mehr Menschen als gewöhnlich fragten bei der Leiterin des Puchheimer Vereins Pfotenhelfer nach einem vierbeinigen Begleiter. „Manche wollten sich sogar ein Tier für ein paar Monate leihen“, erzählt die 40-Jährige.

Mit viel Fingerspitzengefühl musste die Puchheimerin solchen Interessenten erklären, dass die Anschaffung eines Tieres kein Schnellschuss sein soll. Dass Katzen und Hunde viele Jahre leben, dass man Verantwortung für sie hat und dass womöglich nicht unbeträchtliche Kosten durch einen tierischen Begleiter entstehen können. „Manchmal waren es mühsame Gespräche“, sagt Kerstin Fannasch.

Die Angst nehmen

Das gilt auch für eine andere Personengruppe. Denn hin und wieder habe es auch Anfragen von Menschen gegeben, die sich von ihren Vierbeinern trennen wollten – aus Angst, sich an den Mitbewohnern zu infizieren. Tatsächlich gibt es Fälle, in denen sich Katzen bei ihren Besitzern mit dem Coronavirus angesteckt haben. Doch die Tiere zeigten keine Symptome. „Wir haben versucht, den Menschen ihre Angst zu nehmen“, sagt die Chefin der Pfotenhelfer.

Die Tierschützerin sieht aber bereits eine neue Herausforderung am Horizont. Manche Menschen hätten sich in der Krise privat von Züchtern oder auch aus ominösen Quellen Tiere zugelegt. Die 40-Jährige fürchtet, dass manche der neu angeschafften Vierbeiner nach der Corona-Zeit bei ihr und ihren Helfern landen – wenn sie als Ablenkung ausgedient haben.

Die Pfotenhelfer arbeiten mit Pflegefamilien. Das bedeutet, die momentan zehn Hunde und rund 42 Katzen, die vermittelt werden sollen, warten darauf nicht in einem Zwinger, sondern daheim bei den Unterstützern. Das dient zwar einerseits dem Tierwohl. Es macht die Vermittlung in der Corona-Krise aber auch schwieriger.

Denn Besuche von Interessenten bei den Pflegefamilien waren lange nicht möglich – und sind es auch jetzt nur in eingeschränkter Form.

Ein Happyend gab es trotz Covid 19 – genauer gesagt sieben. Zwei Hunde und fünf Katzen konnten noch vor den Beschränkungen zum Probewohnen in Familien vermittelt werden. Tier und Mensch gewöhnten sich während des Stillstands aneinander.

Weniger Helfer

Jetzt leben sie glücklich miteinander. Weniger Miteinander gibt es hingegen bei den Tierfreunden Brucker Land. Deren Vorsitzende Andrea Mittermeir muss momentan mit wesentlich weniger ehrenamtlichen Helfern zurecht kommen. Im Gegensatz zu den Pfotenhelfern haben die Tierfreunde ein zentrales Konzept: Alle Tiere – derzeit 26 Katzen, 16 Katzenbabys und einige Kaninchen – leben in der Station in Überacker. Um sie kümmern sich normalerweise die Freiwilligen. Sie füttern die Vierbeiner, machen sauber, spielen oder schmusen mit den Tieren. Doch seit Corona kommen weniger Helfer, berichtet Mittermeir.

Und noch etwas hat sich geändert. Für die Tierfreunde ist es wichtig, in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Nur so kommen genügend Spenden für die Arbeit mit ihren Schützlingen rein. Normalerweise haben die Tierfreunde dafür Infostände – etwa beim Altstadtfest in Bruck. Nach solchen Aktionen steigt für gewöhnlich das Spendenaufkommen. Doch jetzt gibt es keine Feste mehr. Und damit auch weniger Möglichkeiten für die Tierfreunde, in der Öffentlichkeit auf sich aufmerksam zu machen.

Auf Geld- und Futterspenden ist auch das Tierheim Fürstenfeldbruck angewiesen. Dessen Leiterin Ingeborg Maier verzeichnet dabei aber sogar einen Anstieg seit Beginn der Krise. „Unsere Futterspende-Boxen in den AEZ-Märkten sind oft voll“, sagt Maier. Die Tierschützerin hat auch eine Erklärung dafür: „Viele Menschen sind momentan daheim, haben viel Zeit und denken dabei auch an die Tiere im Heim. Das freut uns sehr.“

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