Mario Selss (l.) und Edgar Pammer stehen in der Werkstatt der Flugsportgruppe beim Oldtimer-Segelflieger SG 38. Diesen restauriert Selss derzeit. Die Ersatzteile werden extra angefertigt.
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Mario Selss (l.) und Edgar Pammer stehen in der Werkstatt der Flugsportgruppe beim Oldtimer-Segelflieger SG 38. Diesen restauriert Selss derzeit. Die Ersatzteile werden extra angefertigt.

70-jähriges Jubiläum

Hier lebt die Leidenschaft fürs Segelfliegen

  • Andreas Daschner
    vonAndreas Daschner
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Seit 70 Jahren sind luftige Höhen die Leidenschaft der Flugsportgemeinschaft (FSG) Fürstenfeldbruck. Zum Jubiläum wollte der Verein eigentlich auch durchstarten.

Fürstenfeldbruck – Wegen Corona muss vorerst aber im Stillen gefeiert werden. „Eigentlich wäre unser Gelände ja prädestiniert für eine schöne Feier“, sagt Schatzmeister Edgar Pammer über die Heimat der FSG im Vereinsheim an der Bahnlinie hinter Kloster Fürstenfeld. Geplant war unter anderem eine Flugzeugausstellung. „Aber dann hat uns Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht.“ Das Vereinsleben fiel im Jubiläumsjahr (siehe Kasten) deutlich stiller aus als sonst. Viele Treffen wurden abgesagt.

In der Werkstatt im Vereinsheim schrauben aufgrund der Kontaktbeschränkungen maximal zwei Mitglieder gleichzeitig an ihren Flugzeugen. Einer von ihnen ist Mario Selss, der einen Sefelflieger-Oldtimer restauriert. Mit 82 Jahren ist er immer noch aktiver Pilot – erst der zweite in der Geschichte der FSG in diesem Alter.

Ein Segelflieger aus Gründungstagen.

Die Oldtimer-Gruppe macht nur einen Teil des Vereinslebens aus. Neben den privaten Flugzeugen der Mitglieder besitzt die FSG zwei vereinseigene Flieger – darunter ein zweisitziger Motorsegler vom Typ SF25 C, der am Flugplatz in Jesenwang stationiert ist. Er wird zum Segelflug in den Alpen genutzt, wie Pammer berichtet: „Damit fliege ich oft in die Berge, mach dann den Motor aus und segle.“ Nachdem er in luftiger Höhe die berauschende Aussicht genossen hat, wirft Pammer den Motor wieder an und fliegt zurück in die Heimat. Segelfliegen sei ein schönes Hobby, erzählt der FSG-Schatzmeister. „Es macht einfach Spaß.“

Selss möchte einen Schulgleiter SG 38 wieder flugtauglich machen. Der Segelflieger, der Ende der 1930er- oder Anfang der 1940er gebaut wurde, war im Zweiten Weltkrieg mit Stroh bedeckt in einer Scheune versteckt worden. „Zehn Jahre später war der Landwirt dann erstaunt, als er das Flugzeug fand“, erzählt Selss, der selbst Oldtimertreffen organisiert – zuletzt eine der wenigen Veranstaltungen im Corona-Jahr im Herbst in Ohlstadt. Nun hat er sich des alten Fliegers angenommen. Nette Anekdote am Rande: Zum 40-jährigen Bestehen hatte die FSG ein Modell des Flugzeugs gebaut, 30 Jahre später entsteht nun das Original.

Einen Segelflieger hat die FSG in Jesenwang untergebracht.

Ganz einfach gestaltet sich die Restauration alter Segelflieger nicht. „Ein echtes Problem war, dass bestimmte Spannschlösser über Jahre nicht mehr hergestellt wurden“, berichtet Selss. Nun hat er eine Firma gefunden, die die Teile für ihn produziert – ein Glücksfall. Ansonsten fertigt der bald 83-Jährige viele Teile des Holzflugzeugs selbst. Das ist teils filigrane Arbeit. „Als ich aufgewachsen bin, gab es nur Holzflugzeuge“ erinnert sich Selss.

Allerdings müssen die Piloten für ihr Hobby immer öfter in die Ferne schweifen. Oft reisen sie bis in die schwäbische Alb, wo sie bei einem 600 Mitglieder zählenden Verein am Flugplatz Aalen-Elchingen untergekommen sind. Nötig ist dies, weil in der Region um Bruck immer weniger Flugplätze zur Verfügung stehen. „Da sieht’s in Oberbayern schlecht aus“, sagt Pammer. Das wirkt sich auch auf den Nachwuchs der knapp 40 Mitglieder zählenden FSG aus. „Wir haben kaum Flugplätze in der Nähe, wo man seinen Segelflieger aufstellen kann“, berichtet Selss. „Zum Teil müssen wir 100 Kilometer weit fahren.“ Es gebe kaum junge Leute, die das machen wollen. Dabei sind neue Mitglieder stets willkommen. „Auch Rentner, die Zeit und Lust haben, dürfen gerne in der Werkstatt mit uns basteln.“ Interessenten können sich bei Mario Selss unter Telefon (01 77) 8 12 00 93 melden.

Aus der 70-jährigen Chronik des Vereins

Erinnerung an die Gründungszeit: Mitglieder der Flugsportgemeinschaft bauen zusammen mit Amerikanern an einem Flugzeug.

Die Flugsportgemeinschaft Fürstenfeldbruck wurde 1950 im Gasthof Grassmann gegründet und ist damit einer der ältesten Segelflugvereine Deutschlands. In den Jahren 1951 und 1952 baute die FSG drei eigene Segelflieger vom Typ Mü13e Bergfalke – allerdings nicht alleine, wie Schatzmeister Edgar Pammer berichtet: „Die FSG arbeitete mit dem Fürsty Airbase Soaring Club zusammen, dem Verein der auf dem Fliegerhorst stationierten Amerikaner.“

Eines dieser Flugzeuge war für die FSG und wurde am 27. Juni 1952 vor dem Brucker Rathaus auf den Namen „Fürstenfeldbruck“ getauft. Der Jungfernflug fand noch am gleichen Tag im Rahmen einer Flugvorführung auf dem Fliegerhorst statt.

Nachdem die FSG mehr als 40 Jahre das Segelfluggelände in Dürabuch (Gemeinde Egenhofen) nutzen durfte, erfolgte wegen diverser Einschränkungen und Regulierungen im Münchner Luftraum vor einigen Jahren der Umzug auf den Brucker Fliegerhorst. Nach dessen Auflassung steht dieses Areal nicht mehr zur Verfügung, sodass die FSG-Mitglieder ihr Hobby nun als Gäste auf verschiedenen Fluggeländen ausüben.

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