Menschen sitzen an einem Tisch zusammen und trinken Kaffee. Es handelt sich um ein Schwarz-Weiß-Foto.
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Eine Kaffee-Runde aus vergangenen Zeiten: Feine Damen saßen zusammen mit den Brameshuber-Söhnen Georg und Josef am Gartentisch. Die Aufnahme stammt aus den 1920er- oder 1930er-Jahren.

Neue Tagblatt-Serie

So spannend sind Brucks Hinterhöfe: Das Biergarten-Idyll hinterm Brameshuber

Einst saßen die Brucker hinter dem Traditionscafé Brameshuber und dem Hendlhaus in grünen Biergärten. Doch von Wirtshausflair ist heute im Hinterhof der Hauptstraße 11 bis 15 nicht mehr viel zu spüren.

  • Das Tagblatt stellt in einer neuen Serie Hinterhöfe in Fürstenfeldbruck vor.
  • Ein Blick auf das Flächen-Kataster der Stadt vom März 1809 zeigt, dass die Hinterhof-Struktur entlang der Hauptstraße durchaus geplant war.
  • Den Auftakt macht der Hinterhof hinter dem Traditionscafé Brameshuber.

Fürstenfeldbruck – Wer durch den schmalen Gang zwischen den Gebäuden an der Hauptstraße 11 und 13 auf den Hinterhof kommt, steht vor einem viergeschossigen, weiß-orangenen Flachbau. Davor verläuft ein schmaler, gepflasterter Streifen mit Fahrradständern. Fünf dürre Ahornbäume wachsen dort, ein Kletter ragt aus grauem Schotter. Ein wenig Grün bieten die Blumentöpfe, die die schmale Terrasse des italienischen Restaurants abgrenzen.

Es ist nur schwer vorstellbar, dass vor einigen Jahren zahlreiche Fürstenfeldbrucker dort Zuflucht vor dem Verkehrslärm der Hauptstraße suchten und es sich in zwei großzügigen und grünen Biergärten gemütlich machen konnten. Horst Jirgl war mehr als 20 Jahre der Wirt des Hendlhauses an der Hauptstraße 11. „Wir hatten einen wunderschönen Terrassengarten hinter dem Haus“, erinnert er sich. In der Mitte stand ein kleiner Obstbaum und es gab einen Springbrunnen. „Der Biergarten war durch Gitter eingezäunt, an denen sich Bohnen hochgerankt haben.“ Daneben seien 17 Parkplätze für seine Gäste gewesen.

Die Biergärten sind weg. Heute stehen im Hinterhof des Hendlhauses und Brameshuber Wohnhäuser im gehobenen Stil.

Jirgl bedauert, dass es den Hinterhof so nicht mehr gibt: „Es war eine tolle Sache, dass man dort ruhig im Grünen sitzen konnte, denn an der Hauptstraße ist wirklich viel Verkehr“, erzählt er. „Bei schönem Wetter war es knackevoll.“

Die Leute kamen von München in den Biergarten

Nebenan lockte der Biergarten der Konditorei Brameshuber. „Vor 50 Jahren hat er sich über den ganzen Hinterhof erstreckt“, erinnert sich der einstige Besitzer Rudolf Ehrl. „Er war wundervoll angelegt mit Pflanzen, die Brameshuber selbst aus den Bergen mitgebracht hat. Die Leute sind von München herausgefahren, weil er so einmalig war.“

Auch der Brucker Architekt Adolf Voll genoss die Ruhe im Garten des Café Brameshuber.

Ehrl übernahm die Konditorei im Jahr 1997. Damals war der Biergarten allerdings schon verkleinert worden. Dennoch sei er ein grünes Idyll gewesen, sagt Harry Faul, der ihn und das dazugehörige Café ab 2001 betrieb. 2,50 Meter breite und dicht bewachsene Weinlauben hätten den Biergarten durchzogen. „Das war einzigartig. Es war dort viel kühler als unter einem Sonnenschirm“, erinnert sich Faul.

Ein Idyll zwischen Weinlauben war der Biergarten im Hinterhof des Brameshuber. Hier suchten viele Brucker Zuflucht vor der Hektik der Hauptstraße.

Links vom Biergarten sei damals ein kleines „Hexenhäuschen“ gestanden, das allerdings zu seiner Zeit als Abstellkammer genutzt wurde. Stühle, Sonnenschirme und Gerümpel hätten dort Platz gefunden. Es war eines von mehreren Anbauten, die früher wohl als Scheunen dienten. Außerdem gab es am westlichen Ende des Hinterhofs eine Kegelbahn. Diese existierte allerdings schon nicht mehr, als Faul das Café übernahm.

Letztendlich mussten alle Anbauten und die beiden Biergärten den 34 Eigentumswohnungen weichen, die 2012 entstanden. Horst Jirgl gab damals deshalb sein Lokal auf und betreibt nun das Hendlhaus in Germering. Das Restaurant wurde saniert und zur heutigen Martha Pizzarei. Harry Faul hatte sein Café wegen Baumängeln schon früher geschlossen und führt nun das Maisacher Bräustüberl. In den denkmalgeschützten Brameshuber ist ein Italiener eingezogen.

Von Andreas Schwarzbauer

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