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Der Sportladen im Erdgeschoss muss ausziehen. An der Maisacher Straße soll das Geschäft weitergehen.

Brucker Innenstadt

Altes Capitol steht im Weg und Jungbräu ist kein Geisterhaus

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    Andreas Daschner
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Seit Jahren bemühen sich Brucker Geschäftsleute, die Innenstadt als attraktiven Einkaufsstandort zu erhalten. Immer wieder gibt es neue Rückschläge. Doch längst nicht alle wollen aufgeben.

Fürstenfeldbruck – Die Innenstadt verändert sich laufend. Geschäfte geben auf oder – wie jetzt im Fall von Sport Becke – müssen umziehen, weil ihre angemieteten Räumlichkeiten Neubauten weichen müssen. Möglicherweise schon im nächsten Jahr wird der alte Capitol-Kino-Komplex an der Pucher Straße abgerissen.

Ludwig Weiß, der Seniorchef vom Hotel Post, und seine Familie sind Eigentümer des Areals an der Pucher Straße. Bis 1985 war dort das 1957 vom Architekten Franz Gickler erbaute Capitol-Kino untergebracht. Danach wurde das, so Weiß, „für Geschäfte komplizierte Gebäude“ mit Erdgeschoss (dort befand sich die Kinokasse) und Tiefgeschoss (Saal und Leinwand) von Sport-Becke-Chef Gerd Waibel übernommen. Der will nun zum Jahreswechsel das neue Geschäft an der äußeren Maisacher Straße bezogen werden. Dort steht seit fast einem Jahr das ehemalige Autohaus Hecht leer.

Ludwig Weiß bedauerte gegenüber dem Tagblatt das Abrissvorhaben, betonte aber gleichzeitig, dass sich nur ein Neubau in das Innenstadt-Ensemble einfügen lasse. „Das alte Capitol steht im Weg.“ Nach den Vorstellungen der Hotelier-Familie soll bereits 2019 mit den Arbeiten begonnen werden. Geplant ist auch eine Bebauung des rückwärtigen, heute als Parkplatz genutzten Grundstückteils, samt einer Passage zum so genannten Brezn-Gasserl. Eine große Tiefgarage soll die wegfallenden Parkplätze ersetzen.

Ein weiteres Sportgeschäft, das auf Eishockey- und Winterartikel spezialisiert ist, hat die Innenstadt bereits verlassen. Andi Trautner und sein „Top Point“ sind von der Kirch- in die Theodor-Heuss-Straße im Nord-Stadtteil gezogen.

Und noch ein Geschäft verlässt die City: Der von Birgitta Klemenz erst im Oktober 2017 gegründete „Wort-Raum“ an der Schöngeisinger Straße schließt. Auch die promovierte Historikerin und CSU-Stadträtin hat die Räumlichkeiten, in denen sie Kalender, französische Seife, Kerzen, Geschirr, Tischwäsche und Möbel sowie Wohnaccessoires anbietet, von der Hotelfamilie Weiß angemietet. Der Vertrag läuft noch bis Januar, doch Klemenz will schon zum Herbst raus.

Der Grund für ihre Aufgabe: „Es macht keinen Sinn. In der Innenstadt ist zu wenig los, um davon leben zu können.“ Ihr Versuch, „den Bruckern etwas zu bieten“, sei gescheitert. Den Klosterladen in Fürstenfeld wird sie allerdings weiter betreiben.

Wie es im Jungbräu weitergeht

Die Verbliebenen vom Jungbräu (v.l.): Patrick GEssner, Uwe Ehrig, Bekim Zogaj

Schließung und Umzug von zahlreichen Geschäften in der Innenstadt machen denen zu schaffen, die bleiben wollen. Nach dem Auszug des Italo-Restaurants Nabucco und der Central-Parfümerie kämpfen die verbliebenen Mieter darum, im Jungbräu-Anwesen mit ihren Angeboten weiterhin wahrgenommen zu werden. 

Leerstand, Geisterhaus: Seit der Schließung der Parfümerie im alten Jungbräu-Anwesen an der Brucker Hauptstraße schießen die Gerüchte ins Kraut. Die verbliebenen Mieter wollen das Gebäude aber wieder neu beleben. „Es wird keine Geisterimmobilie mitten in der Stadt geben“, sagt Unterhaus-Wirt Patrick Gessner. Sowohl seine Bar wie auch den Stadtbiergarten im Innenhof werde es weiterhin geben. Uwe Ehrig bleibt mit seinem derzeit ebenfalls im Innenhof angesiedelten Fotostudio auch in dem altehrwürdigen Anwesen an der Hauptstraße 25. „Die Mietverträge laufen noch bis Ende Juni 2020“, sagt der Fotograf. Die Verträge mit dem Erzbischöflichen Ordinariat, dem das Anwesen gehört, seien nicht einseitig kündbar. „Für die nächsten zwei Jahre ist alles fix.“ Die durch den Auszug des italienischen Restaurants Nabucco und der Parfümerie entstandenen Leerstände sind entweder bereits beseitigt oder sollen es noch werden.

So befindet sich in den früheren Nabucco-Räumen bereits wieder eine Gastronomie. Der neue Pächter Bekim Zogaj hat dort seinen Adria-Grill mit Balkan-, deutscher und österreichischer Küche eröffnet. „Ich werde mit Bereichen meines Fotostudios wohl nach vorne umziehen“, kündigt Ehrig außerdem an. Er sucht derzeit Untermieter, um die restlichen 270 Quadratmeter zu füllen. „Wir wollen ein sinnvolles Konzept auf die Beine stellen, um einen weiteren Leerstand in der Innenstadt zu verhindern“, sagt der Fotograf. Shops im Shop schweben ihm vor, also mehrere kleine Geschäfte. „Es gibt bereits Interessenten“, erklärt Ehrig. Namen will er aber noch keine nennen, da die Verträge noch nicht fix sind. Sein Wunsch wäre - quasi als Fortsetzung zur Parfümerie - wieder etwas im Kosmetikbereich zu finden. Ehrig sagt, dass ihn die Kirche bei den Bestrebungen zur Belebung des Gebäudes unterstütze.

Wie es nach Juni 2020 weitergeht, steht allerdings noch nicht fest. Gessner und Ehrig verweisen darauf, dass es eine Option zur Verlängerung der Mietverträge gibt. Eine Kirchensprecherin sagte dem Tagblatt auf Nachfrage, dass das Anwesen künftig im Erbbaurecht vergeben werden soll. Auf die Frage, wann genau das passiert, hält sich das Ordinariat aber bedeckt. Gessner verweist auf eine Verlängerungsoption der Mietverträge. „Es hat schon entsprechende Signale gegeben“, sagt er.

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