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Ungewisse Zukunft eines Fußballclubs

SCF: Schlusspfiff mit Pleite auf ganzer Linie

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Der SC Fürstenfeldbruck ist pleite. Die Vergangenheit hat den Verein eingeholt. Wie es mit dem einstmals glorreichen Fußballclub weitergeht, ist ungewiss. Auch sportlich droht der Zwangsabstieg.

Fürstenfeldbruck – Stille in der Kabine. Es ist Donnerstagabend. Gleich beginnt am Sportzentrum das Abschlusstraining der Bezirksliga-Fußballer. Doch an Sport denkt in diesem Moment niemand. Gerade hat Präsident Jakob Ettner die Mannschaft darüber informiert, dass der Verein endgültig pleite ist und Insolvenz anmelden muss. Die Spieler sind geschockt. „Es war mucksmäuschenstill im Raum“, sagt Trainer Michael Westermair. Dieses Mal hat der SC Fürstenfeldbruck mehr verloren als nur ein Spiel.

Jahrelang ging es bergab beim SCF. Nun haben die Verantwortlichen die Reißleine gezogen und Insolvenz beantragt – und das zwei Jahre vor dem 100. Vereinsgeburtstag. Präsident Jakob Ettner und OB Erich Raff waren beim Finanzamt vorstellig geworden. Anschließend entschloss man sich zu dem drastischen Schritt. Eine Sprecherin des Amtsgericht München bestätigte am Freitag, dass der Insolvenzantrag eingegangen ist. Jetzt ist klar: Der klamme SCF wird von der Schuldenlast erdrückt. Unklar ist, wie es weitergehen soll für den Verein und seine mehr als 400 Mitglieder.

Jakob Ettner ist Präsident des SC Fürstenfeldbruck.

Präsident Ettner sagt am Freitagnachmittag auf Nachfrage, er habe dem Amtsgericht vorgeschlagen, wer die Insolvenz verwalten solle. Letztlich werde das Gericht aber die Person selbst bestimmen. „Der Insolvenzverwalter wird sich alles genau anschauen und hoffentlich dazu kommen, dass der Verein es Wert ist, ihn am Leben zu halten.“ Zum zeitlichen Ablauf wisse er nichts.

Die Vergangenheit hat den Sportclub eingeholt. Grund für die Insolvenz sind Steuernachzahlungen in Höhe 130 000 Euro, die sich aus Einnahmen mehrerer Public-Viewing-Veranstaltungenwährend der WM 2010 und der EM 2012 sowie einem Freundschaftsspiel mit dem FC Bayern vor fünf Jahren ergeben. Von Verbindlichkeiten bis zu 300 000 Euro ist die Rede. Ein Haufen schmutzige Wäsche.

Ein Haufen schmutzige Wäsche

Einer, der umfassenden Einblick in die Geschehnisse der damaligen Verhältnisse hat und persönlich beim weiteren Verfahren möglicherweise auch angehört wird, ist Ex-Präsident Eckart Lutzeier. Für ihn ist „das ganze Insolvenzverfahren unnötig, wenn Herr Ettner mit den richtigen Leuten zum Finanzamt gegangen wäre“. Dann hätten die Beamten aus erster Hand erfahren, dass beispielsweise die angekreideten Public-Viewing-Veranstaltungen zur WM und EM über eine eigene GmbH abgerechnet worden sei – Lutzeiers GmbH nämlich. Laut Vertragsunterlagen habe er 15 000 Euro Platzmiete an den Verein überwiesen und zusätzlich 5000 Euro gespendet. „Alle Steuern wurden bezahlt, die Rechnungen sind einsehbar.“ Eintrittsgelder seien damals ohnehin nicht erhoben worden. Weshalb es gar keine Steuernachforderungen geben dürfe.

Ähnlich verhalte es sich bei dem Gastspiel des FC Bayern. Die Einnahmen seien bar abgewickelt worden. Unklarheit herrscht auch über den tatsächlichen Zuschauerzuspruch. 3000 Tickets seien damals gedruckt worden, doch nur 1500 Besucher sollen offizielle vor Ort gewesen sein. All das haben Lutzeier und seine damaligen Funktionärskollegen fein säuberlich dokumentiert. „Aber keiner – weder Herr Ettner noch das Finanzamt – hat bislang diese Unterlagen angefordert.“ Der jetzige Präsident Ettner sagt dazu am Freitag auf Nachfrage, er wisse davon nichts.

Außer Sport bleibt wenig übrig vom einstmals glorreichen SC Fürstenfeldbruck

Außer Sport und dass der Spielbetrieb weitergehen soll, bleibt wenig vom einstmals glorreichen SCF. Trainer Michael Westermair bezeichnet die Situation als eine „bittere Geschichte“. Er hat das ganze Hickhack eines Insolvenzverfahrens schon einmal miterlebt, damals beim TSV Aindling. Dort konnte die Insolvenz abgewendet werden – die Mannschaft spielt heute noch in der Landesliga. Aus dieser Erfahrung heraus versucht Westermair, den Spielern Mut zu machen. In Aindling habe es ewig gedauert und solange das Insolvenzverfahren noch nicht eröffnet sei, sei noch nichts verloren, sagt er. „Natürlich sind die Spieler verunsichert. Aber ich habe eine charakterfeste starke Mannschaft. Wir werden unseren Job weiter machen und uns auf das sportliche konzentrieren.“

Droht der Zwangsabstieg?

Sollte das Insolvenzverfahren eröffnet werden oder der Insolvenzverwalter zu dem Ergebnis kommen, dass das Verfahren mangels Vermögenswerten abgelehnt wird, steigt der SCF am Ende der laufenden Saison in die nächste Klasse ab – also von der Bezirksliga in die Kreisliga. Die bisher ausgetragenen beziehungsweise die noch bis zum Saisonende auszutragenden Partien würden dann als Freundschaftsspiele behandelt. Das gilt jedoch nicht, wenn die Entscheidung über das Insolvenzverfahren nach dem letzten Saisonspieltag, aber noch vor dem 30. Juni 2018 getroffen wird. Dann bleibt die Mannschaft auf dem erspielten Tabellenplatz.

Sportdirektor Ugur Alkan meinte zu dem Insolvenzantrag: „Es ist natürlich kein guter Zustand. Wir sind sportlich momentan so gut drauf. Ich hoffe nur, dass uns nicht alles kaputt gemacht wird. Wir wollen doch nur einfach Fußball spielen, mehr nicht.“

Die Vize-Präsidentin des SCF, die gleichzeitig als Steuerberaterin des Vereins tätige Ursula Valier, war trotz mehrfacher Anfrage des Tagblatts zu keiner Stellungnahme bereit.

Von Peter Loder, Dieter Metzler und Thomas Radlmaier

Rubriklistenbild: © Panther Media

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