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Die Kassenzettel nerven Bäcker und Metzger.

Fürstenfeldbruck

Kampf gegen Bon-Pflicht geht weiter

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Egal ob Bäcker, Metzger oder Friseur – überall herrscht derzeit Zettelwirtschaft. Selbst beim einfachen Breznkauf muss seit Anfang des Jahres ein Kassenbon ausgedruckt werden. Der Chef der Bäckerinnung, Werner Nau, kämpft dagegen an – mit hochkarätiger Unterstützung.

Fürstenfeldbruck – Bei manchen Bäckern läuft die Kassenzettel-Schlange direkt aus dem Drucker in den Papierkorb. In Moosinning (Landkreis Erding) hat sich ein Bäcker den Spaß gemacht und Kassenbons aus Zuckermasse auf seine Krapfen geklebt. Fest steht, dass seit dem 1. Januar eine neue Kassensicherungsverordnung in Kraft getreten ist. Für jeden noch so kleinen Einkauf muss jetzt ein Kassenzettel ausgedruckt werden. Da macht Fürstenfeldbrucks Bäckerinnungs-Obermeister Werner Nau nicht mit.

„Ich bin dabei geblieben, nur auf Nachfrage des Kunden einen Kassenbon auszudrucken“, sagt Nau. Ein Bußgeld muss er dabei nicht fürchten. Es könnte nur sein, dass er deshalb häufiger vom Finanzamt kontrolliert wird.

Nau geht noch einen Schritt weiter. Der Bäckermeister, der selbst vier Filialen im Landkreis (und eine in Geltendorf) betreibt, hat sich jetzt mit dem Landtagsabgeordneten Benjamin Miskowitsch (CSU) und der Bundestagsabgeordneten Katrin Staffler (CSU) zusammengetan. Gemeinsam wollen sie eine Bagatellgrenze für Kassenzettel durchsetzen.

„Wenn man erst ab einem Einkaufswert von fünf bis zehn Euro einen Kassenbon ausstellen muss, wäre uns schon viel geholfen“, meint Nau. Im Schnitt geben die Kunden in seinen Geschäften zwischen drei und fünf Euro aus.

Außerdem könne jeder Kunde ohnehin auf dem Display der Kassen seinen Einkauf samt Betrag sehen. Also eine Art digitaler Kassenzettel. In anderen EU-Ländern ist das bereits gang und gäbe. Dort können Kunden die Displays mit ihren Handys einfach abfotografieren oder den Kassenbon per E-Mail erhalten.

Engelbert Jais, Obermeister der Metzgerinnung Fürstenfeldbruck, hat auch schon vor der Einführung der neuen Verordnung bei jedem Einkauf den Kassenzettel ausgedruckt. „Die Kunden bekommen ihn in der Regel gleich in die Tüte“, erklärt Jais. „Der Bauarbeiter, der sich nur schnell eine Leberkässemmel holt, lässt ihn aber nach wie vor einfach liegen.“

Was den Metzgermeister jedoch mehr ärgert, ist die teure Umrüstung der Kassen mit einer technischen Sicherheitseinrichtung (TSE). Damit wird jeder Buchungsschritt an der jeweiligen Kasse aufgezeichnet. Ein Kontrolleur kann so an jedem Gerät einzeln die Daten abrufen. Damit sei eine Bon-Pflicht ohnehin unnötig, meint Jais.

Bis September haben die Betriebe Zeit, die Umstellung durchzuführen. Im Fall von Engelbert Jais bedeutet das, 17 Kassen umzurüsten. „Pro Kasse kostet mich das etwa 600 Euro. Bei kleineren Betrieben wird bei dem Preis die Luft schon dünn.“

Für Engelbert Jais ist die neue Verordnung existenzgefährdend für die ganze Branche. Immer mehr Vorschriften und schleichende Kostensteigerungen würden den Nachwuchs abhalten, das Handwerk zu erlernen, so der Obermeister.

Vor zwölf Jahren gab es noch 24 Metzger-Betriebe im Brucker Landkreis, jetzt seien es noch 17. „Bald gibt es keine Vielfalt mehr, sondern nur noch industriell gefertigte Produkte.“

Das sagt ein Hersteller von Thermo-Druckern

Die Firma GeBE in Germering baut Thermodrucker für die Industrie und kennt sich daher besonders gut mit dem Thermodruckverfahren aus. Der Entwicklungsleiter Klaus Baldig erklärt die wichtigsten Fakten. Kassenzettel aus Thermopapier sind in fast jedem Geschäft im Einsatz. Sie sind kostengünstig – es wird keine Tinte oder Toner benötig – und platzsparend. Die Geräte müssen selten gewartet werden. Beim Thermodruck wird mit Hitze und Druck auf einem beschichteten Papier das Bild erzeugt. Ein Inhaltsstoff der Beschichtung ist dabei besonders in Verruf geraten und ist seit Anfang des Jahres verboten: Bisphenol A (BPA). BPA steht im Verdacht Diabetes, Fettleibigkeit und Unfruchtbarkeit zu begünstigen. Inzwischen wird häufig das Ersatzprodukt Bisphenol S eingesetzt. Wie dieser Stoff die Gesundheit beeinträchtigt, ist aber noch nicht ausreichend untersucht worden. In beiden Fällen empfiehlt das Umweltbundesamt, die Zettel im normalen Restmüll zu entsorgen. Nur Thermopapier, dass komplett auf solche Zusatzstoffe verzichtet, kann recycelt werden. Das umweltfreundlichere Papier ist im Moment aber noch ein Drittel teurer als das Herkömmliche. Der Vorteil ist aber: Der Thermodrucker muss nicht umgerüstet werden. Ginge es nach Baldig, sollte es eine Preis-Bagatellgrenze geben, ab der ein Kassenzettel ausgedruckt werden muss. Damit wäre der Umwelt am meisten geholfen.

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