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Noch liegen sie im Dunst, bald schon sollen sie ganz weg sein: Viele Bäume im Rothschwaiger Wald müssen für eine Erweiterung der Kiesgrube bei Puch gefällt werden. 

Fürstenfeldbruck

Kiesabbau auf einer Fläche von über 17 Fußball-Feldern: Wald muss weichen

  • Ingrid Zeilinger
    vonIngrid Zeilinger
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  • Thomas Benedikt
    Thomas Benedikt
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Die Kiesgrube soll in den nächsten Jahren nach Süden erweitert werden. Dafür müssen im Rothschwaiger Wald viele Bäume fallen. Die Stadträte sind gegen den Kiesabbau in großem Umfang. Doch sie werden nichts dagegen tun können.

Fürstenfeldbruck – Das Problem: Die rund 17,6 Hektar große Abbaufläche der Firma Kiesgrubenrekultivierung Oberbayern ist im Regionalplan München eingezeichnet – und damit genau für den Kiesabbau gedacht. Nun hat das Unternehmen eine Genehmigung mit einer Umweltverträglichkeitsprüfung beantragt. Über 15 Jahre soll auf der Fläche von Osten nach Westen Kies gewonnen werden. Dafür muss man den Wald roden. Nach der Rekultivierung soll mit Mischwald aufgeforstet werden.

Die Stadt war aufgefordert, im Rahmen der Prüfung eine Stellungnahme abzugeben. „Das ist eine Pro-Forma-Anhörung“, meinte OB Erich Raff im Ausschuss für Umwelt, Verkehr und Tiefbau. Sprich: Egal, was die Stadt einwendet, abgebaut wird trotzdem. Mit dem Vorschlag, deshalb gleich auf eine Stellungnahme zu verzichten, waren die Ratsmitglieder jedoch nicht einverstanden. Zwar meinte Christian Götz (BBV), eine Info über die ablehnende Haltung des Stadtrats im Rathausreport sei öffentlichkeitswirksamer. Aber die Räte wollen zumindest ihren Unmut kundtun und ein politisches Zeichen setzen, wie es Jan Halbauer (Grüne) ausdrückte. „Der Kiesabbau macht uns alle nicht glücklich.“

Es ist ein Mischwald geworden

Thomas Brückner, Grünen-Stadtrat und Mitglied im Bund Naturschutz, berichtete, dass im Laufe der Jahrzehnte aus dem Stanglwald ein Mischwald gewachsen ist. Die Zahl der strukturarmen Nadelgehölze nehme ab, es gebe immer mehr Laubbäume. „Es wurden zehn wertvolle Fledermausarten gefunden, die Zauneidechse müsste umgesiedelt werden.“ Der Waldboden sei über Jahrtausende gewachsen. Nach der Rekultivierung würde es 50 Jahre dauern, bis der Wald eine Qualität besitze, die dem heutigen Niveau entspreche.

Brückner fürchtet auch Protest bei den Bürgern. „Die Leute laufen 30 Jahre an einer Kiesgrube vorbei.“ In dem Areal verläuft auch noch der Rothschwaiger Walderlebnispfad. Doch dieser soll ohnehin verlegt werden. Die vom Kiesabbau betroffenen Stationen seien bereits abgebaut, heißt es von der Verwaltung.

Kiesabbau deckt den Bedarf nicht

Georg Stockinger, selbst ehemaliger Kiesgruben-Besitzer, erinnerte daran, dass die Kiesgrube eigentlich nach Osten hin zur Stadtgrenze erweitert werden sollen. Das hatte der Stadtrat 2008/9 abgelehnt und sich für die Variante nach Süden in den Forst entschieden. Aus diesem Grund sei der Regionalplan geändert worden. „Für irgendeine Sache müssen wir uns entscheiden.“ Denn der Kiesabbau im Landkreis Bruck decke bei weitem nicht den Bedarf. Ein größeres Problem sei eher die nicht genehmigte riesige Lagerhalde für Bauschutt. Raff kommentierte: „Sonst hätten wir ein tiefes Loch an der B 471 gehabt.“

Die Politiker befragten auch den Umweltbeirat: Markus Höckenrainer riet, den Verfüllzeitraum festzulegen. „Sonst haben wir Jahrzehnte eine Kieswüste.“ Zudem solle man darauf drängen, dass statt 30 Prozent nur zehn bis 15 Prozent an Bauschutt verfüllt werden darf – auch zum Schutz des Trinkwassers. Der Beirat hätte als Träger öffentlicher Belange gerne eine Stellungnahme abgegeben, sei jedoch übersehen worden.

Und jetzt wird die Zeit knapp. Denn die Stellungnahme muss bis zum 4. August vorliegen. Dennoch will man es versuchen: Der Beirat sowie die Stadtplanung und einige Stadträte wollen bis zur nächsten Sitzung des Umweltauschusses am Donnerstag, 23. Juli, eine Stellungnahme ausarbeiten. Dann wird nochmal darüber beraten.

Möglichst schnell aufforsten

Die Erweiterung der Kiesgrube in Richtung Süden war ebenfalls Thema im Planungs- und Bauausschuss. Das Gremium billigte den Bebauungsplan für das Areal – inklusive der großflächigen Baumrodung, die für den Kiesabbau nötig ist. Allerdings nur mit großen Bauchschmerzen. Denn, so waren sich die Ausschuss-Mitglieder eigentlich fraktionsübergreifend einig: „Es ist nicht mehr zeitgemäß und nicht mehr zu vermitteln“, sagte Andreas Lohde (CSU). Rechtlich habe man keine Handhabe gegen das Vorhaben, erklärte Florian Zweckl von der Stadt- und Bauleitplanung. „Wir sind auf die gute Zusammenarbeit mit dem Betreiber angewiesen“, sagte auch Christian Stangl (Grüne). Auf diesem Weg wolle die Stadt aber durchsetzen, dass die für den Kiesabbau genutzte Fläche pro Zeitabschnitt möglichst klein gehalten werden soll. Der Kiesgruben-Betreiber soll angehalten werden, erst mit dem Abbau in einem neuen Bereich zu beginnen, wenn die alten Areale rekultiviert werden. Inwieweit das in der Praxis möglich ist, soll die Stadtverwaltung auf Antrag des Ausschusses jetzt in Zusammenarbeit mit der Firma prüfen.

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