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Pianist Dinis Schemann (Foto oben) machte am Samstag den Auftakt zum Klaviersommer 2020 im Stadtsaal.

Fürstenfeld

Klavierkonzert mit Gänsehaut-Momenten

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Für den Klaviersommer in Corona-Zeiten haben sich die Veranstalter ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Dieser soll sicherer sein als ein Einkauf oder eine Urlaubsreise. Für die 100 Besucher bedeutete das ein generalstabsmäßiges Hygienekonzept – und trotzdem ein besonderes Ambiente.

Fürstenfeldbruck – Die coronabedingte Kultur-Flaute ist zu Ende. Nach über drei Monaten Zwangsschließung fand im Stadtsaal das erste Konzert des Klaviersommers 2020 statt. Bevor aber Pianist Dinis Schemann vor den 100 erlaubten Zuhörern spielen durfte und für starke Emotionen sorgte (siehe Kasten), musste das Team des Veranstaltungsforums vorsorgen.

Die Umsetzung klappte reibungslos. Ein Besuch im Stadtsaal soll sicherer sein als der tägliche Einkauf oder eine Urlaubsreise – so der Anspruch von Geschäftsführer Norbert Leinweber und seinen Mitarbeitern. Die entsprechenden Maßnahmen begannen schon draußen vor der Tür mit einem abgeteilten Zugang und Abstandsmarkierungen am Boden.

Sicherheitsdienst am Eingang

Am Eingang ins Foyer wachten Sicherheitskräfte darüber, dass die Besucher nur einzeln beziehungsweise paarweise das Gebäude betraten und ohne Umweg im Saal verschwanden. Während des gesamten Aufenthalts herrschte Maskenpflicht. Die Bar blieb geschlossen, die Garderobe ebenfalls. Jacken durften in den Saal mitgenommen werden. Der präsentierte sich in ungewohnter, aber nicht unattraktiver Aufmachung mit luftig angeordneten Sitzreihen, jeweils drei freien Stühlen zwischen den Besuchern und einem rechtwinklig aufgebauten Podest mit weiteren Plätzen.

Maximal 100 Personen

Da der Konzertflügel im Parkett vor der Bühne aufgebaut worden war, entstand fast so etwas wie Wohnzimmer-Atmosphäre. Im Hinblick auf die Besucherzahl hatte sich das Veranstaltungsforum vergeblich um eine Sondergenehmigung für 150 Personen bemüht. Die Vorgabe von maximal 100 Personen in Innenräumen erwies sich als unverrückbar – „dabei ist das eine Zahl, die weder die Größe des Saals noch die Ausstattung berücksichtigt“, bedauert Pressesprecherin Marita Kuhn.

Sie meint damit vor allem die leistungsstarke Lüftung, die die Luftmenge im Saal viereinhalb Mal in der Stunde vollständig erneuert. Damit trotz der Beschränkungen ein paar mehr Menschen den Klaviersommer erleben können, erklärten sich alle drei Pianisten – neben Dinis Schemann sind das Anna Tsybuleva (10. Juli) und Olga Scheps (24. Juli) – bereit, ihr Konzert zweimal zu spielen, jeweils um 17 und 20 Uhr. „Die Künstler sind alle sehr kooperativ“, so Kuhn. „Man merkt, dass alle Beteiligten endlich wieder ihrer Berufung nachgehen möchten.“

Musik für die Seele

Es ist ein emotionaler Moment, als Dinis Schemann den Saal betritt. „Es ist ein ganz besonderer Tag heute“, sagte der Pianist. Ein bisschen bebt seine Stimme. Er spricht von einer doppelten Premiere – zum ersten Mal seit März tritt er wieder vor Publikum auf, zum ersten Mal überhaupt spielt er zwei Konzerte an einem Tag. Er scherzt darüber, wie merkwürdig es ist, in den dünn besetzten Saal zu schauen und zu wissen, dass er ausverkauft ist. Bevor Schemann sich an den Flügel setzt, die Schultern lockert, den Kopf senkt und die Hände auf die Tasten hebt, sagt er noch einen Satz, den einige im Publikum mit einem sehnsüchtigen Ja quittieren. „Musik kann die Welt nicht heilen, aber Musik kann die Seele heilen.“ Die Werke, die der portugiesisch-stämmige Star-Pianist für sein einstündiges Konzert ausgesucht hatte, wurden diesem Anspruch recht: Mozarts Sonate in A-Dur (KV 331), eine seiner bekanntesten – schlicht, fast volksliedartig und doch elegant und raffiniert, gekrönt von einem Rondo, das als „Türkischer Marsch“ berühmt wurde. Und Beethovens Sonate Nr. 15 in D-Dur, auch bekannt als „Pastorale“ - helle, freundliche Klanglandschaften, geschaffen in einer persönlichen Krise des Komponisten, der zunehmend sein Gehör verlor. Das Publikum war von der vollendeten Interpretation begeistert und forderte gleich zwei Zugaben.

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