Weiter allein in seinem Kino: der Geschäftsführer des Scala in Fürstenfeldbruck, Markus Schmölz. 	foto: gehre
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Weiter allein in seinem Kino: der Geschäftsführer des Scala in Fürstenfeldbruck, Markus Schmölz.

Landkreis Fürstenfeldbruck

Alles zu unsicher: Kultur bleibt trotz teilweiser Öffnungsmöglichkeit im Lockdown

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  • Kathrin Böhmer
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Geht es nach dem Corona-Stufenplan können Theater, Konzerthäuser und Kinos am Montag nach langer Zeit im Lockdown wieder öffnen. Die Inzidenz im Landkreis dürfte dann aber noch immer über 50 liegen. Deshalb bräuchte jeder Besucher einen negativen Schnelltest. Die Kultureinrichtungen im Landkreis sehen sich damit überfordert. Sie bleiben geschlossen.

Fürstenfeldbruck – Leicht gesagt, aber kaum umsetzbar – so fasst Norbert Leinweber, Leiter des Veranstaltungsforums Fürstenfeld die Regelung zusammen. Denn ihn treiben viele Fragen um: Wie sicher sind die Selbsttests und Schnelltests? Wie kann der Kartenkontrolleur verifizieren, dass der Test nicht gefälscht ist? Wer haftet, wenn trotz negativem Test ein Superspreader im Saal das Virus verteilt? „Die Verantwortung wird an die Häuser delegiert, und die sind überfordert.“ Um die Tests durchzuführen, müsste medizinisches Personal her, oder seine Angestellten geschult werden. Und es sei nicht geklärt, wer die Tests bezahle. Eine von Stadträten beantragte Schnellteststation wäre eine Option. Doch auch dann könne man nicht sicher sein, dass die Besucher kommen. Leinweber fürchtet eher, dass Gäste bereits gekaufte Karten zurückgeben. „Die Veranstaltungen sollen doch ein Genuss sein.“

Loslegen könnte man jederzeit

Leinweber hat entschieden, Fürstenfeld nächste Woche nicht zu öffnen, sondern erst bei einer konstanten Inzidenz unter 50. Bis dahin will er Pilotprojekte in Berlin und München beobachten, bei denen Besucher vor den Vorstellungen getestet werden. Dann könne man reagieren. Bis zur nächsten geplanten Veranstaltung am 10. April ist noch Zeit. Loslegen könne man sofort, sagt Leinweber. Doch wie so häufig fehlen noch genaue Vorgaben. Dass die Menschen im Baumarkt einfach einkaufen können, für einen Konzertbesuch aber einen Corona-Test brauchen, kann er nicht ganz nachvollziehen. „Die Kultur wird wieder einmal benachteiligt.“

Schnelltests „nicht praktikabel“

Auch das Scala bleibt geschlossen. „Sobald die Inzidenz 14 Tage unter 50 ist, machen wir auf“, sagt Kinobetreiber Markus Schmölz. „Schnelltest sind für die Freizeitgestaltung nicht praktikabel.“ Für eine fünfköpfige Familie sei Test, Eintrittskarte und Popcorn doch recht teuer. Doch gerade die Familien brauche das Kino, damit sich die Öffnung rentiere. Der Stufenplan komme den Filmtheatern nicht zugute, sagt Schmölz. Aber: „Wir sind in den Startlöchern und können von heute auf morgen aufsperren, wenn es geht.“

Gleiches gilt für das Lichtspielhaus. „Im März machen wir definitiv nicht auf“, sagt Betreiber Markus Eisele. Man wolle vermeiden, nur wenige Tage später wieder zusperren zu müssen. Der frühestmögliche Termin wäre der 1. April. „Aber da glaube ich nicht dran“, sagt Eisele. Zumal auch noch nicht geklärt sei, wie der Testnachweis funktioniere. Verteufeln will Eisele das Testen nicht. „Wenn es sich eingespielt hat und die Fragen geklärt sind, ist das sicher eine gute Idee.“ Doch zunächst gelte es, die nächste Konferenz der Ministerpräsidenten und Konzepte abzuwarten. Die Osterfeiertage würde er aber schon gerne mitnehmen.

An der Neuen Bühne Bruck will man einen Versuch mit getesteten Zuschauern wagen. In den Osterferien ist ohnehin spielfrei, danach soll es losgehen. 20 Vorstellungen plant man zwischen Ostern und Pfingsten, berichtet der Vorsitzende Alexander Schmiedel. Gespielt werden die beiden Stücke, die kurz nach der Premiere wieder abgesetzt wurden. Außerdem laufen Online-Proben für eine Lesung. Auch Impro-Theater soll es geben – aber heuer kein neues Stück mehr. „Die Schauspieler testen sich auch vor den Vorstellungen.“

Schmiedel hofft, bis zu 50 Zuschauer unterzubringen. Wie es mit den Schnelltests läuft, soll in den nächsten Wochen geklärt werden – wenn absehbar ist, dass die Zahlen auch wirklich Aufführungen zulassen. Das Hygienekonzept wird entsprechend angepasst.

Veranstaltungen erst wieder im April  

Die Stadthalle Germering hat auch vor der aktuell geltenden Lockerung schon klar gestellt: Bis Ende März wird nicht geöffnet. Und dann kommen die Osterferien, in denen sowieso keine Veranstaltung geplant war. Dabei bleibt es laut Leiterin Medea Schmitt auch. Alles andere wäre zu unsicher. Die erste geplante Veranstaltung findet demnach erst am 22. April statt. Dann soll der Kabarettist HG. Butzko auftreten. Ob es soweit kommt, hängt aber von der weiteren Entwicklung ab. Und ein Problem sieht Medea Schmitt auch in den geforderten Schnelltests. Wie das geschehen soll, sei noch völlig unklar.

Das Cineplex-Kino bleibt wie berichtet auch in der kommenden Woche noch geschlossen. Die Betreiber der Kino-Gruppe Rusch werden am Montag weder in Germering noch an den übrigen sieben Standorten in der Region öffnen. Das gab Alexander Rusch von der Inhaberfamilie bekannt.

Für die Gröbenzeller Kino-Betreiberin Petra Löw ist der Stufenplan der Regierung eine Farce. „Für uns lohnt es sich doch nur, wieder aufzumachen, wenn man keine Angst haben muss, nächste Woche schon wieder zu schließen“, sagt sie. Es mache auch überhaupt keinen Sinn, irgendwelche Konzepte mit tagesaktuellen, negativen Tests für die Gröbenlichtspiele zu entwickeln. Sie spult den ersten Film erst dann wieder ab, wenn die Inzidenz wirklich langfristig unter 50 liegt – denn mit der Maskenpflicht könne man leben. Bis dahin gibt es lediglich kulinarische Angebote für die Cineasten: Immer samstags kann man sich zwischen 16.30 und 19 Uhr Nachos und Popcorn abholen.

Große Hoffnung für den Sommer

Im Gröbenzeller Veranstaltungszentrum Stockwerk bleiben die Lichter im März noch komplett aus. Auch im April ist nur eine Veranstaltung vorgesehen: ein Kasperle-Theater für Kinder. „Vielleicht müssen wir das aber auch noch verschieben“, sagt Sprecherin Stefanie Schmerber. Mit Kindern und Abstandsregeln sei es ja schwierig. Stockwerks-Betreiber Thomas Breitenfellner setzt auf den Sommer, wie schon nach dem ersten Lockdown. Heuer könnte es zudem den Vorteil geben, dass in einigen Monaten womöglich schon viele Menschen geimpft sind. Die Open-Air-Konzerte seien die realistischste Alternative, den Kulturbetrieb wieder zum Laufen zu bringen. Denn so lange es mit den Zahlen hoch und runter gehe, mache es keinen Sinn, zu planen. Immerhin müsste man Honorare für Künstler und Ausgaben für Technik durch Eintrittsgelder wieder hereinbekommen. Dazu brauche es eine gewisse Anzahl an Besuchern.

Das Puchheimer Kulturzentrum PUC hat alle Veranstaltungen bis 28. März gestrichen. Das Kulturamt arbeitet jeden Tag eifrig an einem Konzept für die Wiedereröffnung, heißt es von der Stadt. Das Problem: Was dann eigentlich irgendwann mal an die coronabedingten Regeln gelten wird, weiß heute noch niemand.  imu/kg/gar

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