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Fürstenfelder-Chef Gerhard Kohlfürst kämpft mit Wunderboxen gegen das Wegwerfen von Essen. Hier überreicht er eine an Kundin Tanja Dinse. 

Fürstenfelder

Rettung von Lebensmitteln: Übrig gebliebenes Essen kommt in die Wunderbox

Handeln im Sinne der Umwelt und der Nachhaltigkeit ist vor allem in der Gastronomie nicht immer einfach. Es wird viel eingekauft, kalkuliert und am Ende auch viel weggeworfen. Dass das nicht unbedingt sein muss, beweist nun das Restaurant Fürstenfelder mit Geschäftsführer Gerhard Kohlfürst.

Fürstenfeldbruck –  Übriggebliebenes vom Mittagsbuffet wird hier in den so genannten Wunderboxen für wenig Geld verkauft.

Seit dem Umbau vor zwei Jahren legt das biozertifizierte Restaurant besonders viel Wert auf Nachhaltigkeit und regionale Produkte aus der Umgebung. Dass vor allem in der Gastronomie noch genießbares Essen oft entsorgt werden muss, war Kohlfürst schon immer ein Dorn im Auge. „Unsere Gäste erwarten beim Mittags- oder Brunch-Buffet natürlich eine gewisse Auswahl und sehen es nicht gerne, wenn manches nicht mehr nachgefüllt wird“, so der Geschäftsführer. „Mir tut das dann natürlich immer leid, wenn etwas übrig bleibt, aber es lässt sich nicht vermeiden.“

Appetit aufs Fürstenfelder mit der App: Hier dreht sich alles ums Essen

Als ihm im vergangenen Sommer ein Mitarbeiter von der Handy-App „Too Good To Go“ erzählte, war für ihn sofort klar, dass das eine Möglichkeit ist, solches Essen doch noch zu verwenden. Bei der App dreht sich alles um Essen, das „zu gut ist, um weggeschmissen zu werden“. Restaurants, Bäckereien oder andere Lebensmittelläden können sich registrieren und dort am Ende des Tages die übrig gebliebenen Speisen loswerden, anstatt sie wegzuwerfen. Die Kunden wiederum freuen sich über gutes Essen zu niedrigen Preisen und tragen gleichzeitig dazu bei, die Gastronomie auf dem Weg zur Nachhaltigkeit zu unterstützen.

Seit Juni kooperiert das Fürstenfelder bereits mit der App und bietet jeden Tag insgesamt fünf Wunderboxen aus kompostierbarem Material zum Preis von 4,50 Euro an. Von Montag bis Freitag wird die Box mit den Resten des Mittagsbuffets befüllt und am Sonntag mit den übrigen Speisen des Brunch-Buffets.

Fürstenfelder auch vegetarisch 

Was genau in den Boxen drin ist, könne sich die Kunden weder aussuchen, noch wissen sie, was es gibt. „Da soll natürlich schon noch ein Unterschied zwischen den Boxabholern und den Gästen sein, die normal bei uns zum Mittagsbuffet kommen“, erklärt der Geschäftsführer. Allerdings wird stets darauf geachtet, die Box abwechslungsreich mit Gemüse, Fleisch und Salaten zu füllen. „Wenn uns vorher jemand anruft und um eine vegetarische Box bittet, machen wir das natürlich auch“, fügt Kohlfürst hinzu.

Seit der Geburtsstunde der Wunderbox gab es kaum einen Tag, an dem nicht alle fünf Lunchpakete abgeholt wurden. „Ich war anfangs unsicher, da ich nicht dachte, dass in Fürstenfeldbruck viele Leute eine solche App besitzen“, gibt Kohlfürst zu. „Doch es hat sich schnell rumgesprochen und es läuft wirklich super.“

Anzahl der Boxen im Fürstenfelder limitiert

Mehr als fünf Boxen täglich bietet das Restaurant allerdings nicht an, denn ansonsten müsste wieder extra produziert werden. „Das ist nicht Sinn der Sache und bei fünf Stück können wir garantieren, dass immer genug übrig bleibt und die Boxen auch gut gefüllt werden“, so Kohlfürst. Höchstens nach einer großen Veranstaltung bietet das Restaurant auch mal mehrere Boxen an.

Wie man an eine solche Wunderbox kommt, ist im Grunde ganz einfach. Ab dem Vorabend hat der Kunde die Chance, sich eine Box für den nächsten Tag zu sichern und bezahlt anschließend direkt über die App. Die Box kann dann zwischen 14.30 und 17 Uhr abgeholt werden. Einfach vorbeikommen ohne die App funktioniert nicht. Auch an diesem Tag sind bereits alle Boxen vergeben und werden im Laufe des Nachmittags abgeholt.

Fürstenfelder-Box ist praktisch nach einem langen Arbeitstag

„Unsere Kunden sind ganz verschieden, von älteren Leuten, über junge Mütter bis hin zu Jugendlichen ist da alles dabei“, erzählt Kohlfürst. Eine der Kunden ist Tanja Dinse aus Fürstenfeldbruck. „Das ist das erste Mal, dass ich die App nutze, aber ich bin begeistert von der Idee“, schwärmt Dinse. „Nach einem langen Arbeitstag habe ich einfach keine Lust mehr zu kochen und da ist das dann natürlich praktisch.“

Christa Roth freut sich an diesem Tag über gleich zwei Wunderboxen für sich und ihren Mann. „Ich habe die ganze Woche gekocht und wollte jetzt mal einen Tag Pause haben“, verrät die Bruckerin. „Wir waren hier schon oft zum Essen, daher weiß ich, dass es auch schmeckt.“

Durch ihre langjährige Arbeit bei der Brucker Tafel weiß Roth nur zu gut, wie schwer es ist, Lebensmittel weitergeben zu dürfen. „Ich hoffe wirklich, dieses Prinzip setzt sich durch, denn die Idee ist gigantisch.“ (NATHALIE HRADETZKY)

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