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Kirchen, Häuser und andere Bauwerke wurden beim Luzienhäuserl-Schwimmen gesegnet und in die Amper gelassen.

Mehr als 250 kleine Kunstwerke

So viele Luzienhäuserl wie noch nie auf der Amper

Rekord beim Brucker Luzienhäuserl-Schwimmen. Mit mehr als 250 kleinen Kunstwerken nahmen so viele Kinder wie noch nie an dem vorweihnachtlichen Brauch teil.

Hat beim Basteln Hilfe von ihrem kleinen Bruder bekommen: Stefanie Eruklu.

Fürstenfeldbruck – Jahrelang war das Ritual den Kindern der Grundschulen am Niederbronner Weg (jetzt Grundschule Mitte am Theresianumweg) und an der Philipp Weiß-Straße vorbehalten gewesen. Doch heuer durften auch die Schüler der Grundschule Nord mitmachen. In akribischer Kleinarbeit haben sie im Vorfeld Häuser, Kirchen sowie sonstige Bauwerke gebastelt und diese mit buntem Transparentpapier dekoriert.

Etliche hundert kleine und große Zuschauer ließen sich dieses beeindruckende Schauspiel an der Amperbrücke sowie entlang der Amper nicht entgehen. An beiden Uferseiten standen sie dichtgedrängt, um sich an dem Spektakel zu erfreuen.

Bevor die Kinder aber ihre liebevoll gebastelten Kunstwerke der Wasserwacht übergaben, von der sie dann in den Fluss gesetzt wurden, erinnerte Kulturreferentin Birgitta Klemenz, an die Geschichte der Heiligen Luzia von Syrakus, auf die der Brauch zurückgeht. Sie sagte außerdem: „Liebe Kinder, letztlich ist es euch zu verdanken, dass dieser vorweihnachtliche Brauch auch heute noch gepflegt wird.“ Die Erwachsenen hätten ihn bestimmt schon längst wieder vergessen. Der katholische Pfarrer Stefan Scheifele und sein evangelischer Kollege Niclas Willam-Singer, hielten eine ökumenische Andacht ab und segneten anschließend die Häuschen.

Zahlreiche kleine Kunstwerke wurden beim Luzienhäuserl-Schwimmen gesegnet

Alle Bilder vom Brucker Luzienhäuserl-Schwimmen

Moritz Pals fiel es schon etwa schwer, sich von seinem Tipi zu verabschieden.

Der Fantasie der Kinder, die die Bauwerke heranschleppten, waren keine Grenzen gesetzt. Doch etlichen kleinen Architekten fiel es sichtlich schwer, sich von ihren Werken zu verabschieden. „Ich bin schon ein bisschen traurig“, meinte etwa Moritz Pals aus der 4a der Philipp-Weiß-Schule. Knappe drei Wochen habe er daran gebastelt, und auch der Papa habe geholfen. „Doch ich kenne ja die Geschichte, warum wir das machen.“

Schon lange träumten Merle Hartmann und ihre Bruder Moritz von einem Baumhaus. Deshalb haben sie eines gefertigt.

Auch Stefanie Eruklu (8) aus der Klasse 2d der Grundschule Mitte wusste aus dem Ethik-Unterricht genau Bescheid über die Geschichte mit dem Hochwasser und der Heiligen Luzia. „Vor einem Jahr haben wir noch in der Schule das Luzienhäuschen gebastelt“, erzählte sie. Jetzt, in der zweiten Klasse hätten sie es zu Hause fertigen müssen. „Mir hat mein kleiner Bruder geholfen.“ Traurig sei sie nicht, wenn es jetzt in der Amper davon schwimme . „Dafür habe ich es ja schließlich gebaut. Ich kann mir ja ein neues basteln.“

„Ich wollte etwas ganz Besonderes bauen“, sagte die zehnjährige Merle Hartmann aus der Klasse 4c der Philipp-Weiß-Schule. Schon lange habe sie von einem richtigen großen Baumhaus geträumt. Ihr Bruder Moritz und ihr Papa haben ihr beim Basteln geholfen. „An einem Vor- und einem Nachmittag war es fertig. Es ist sehr schön geworden, und ich hätte es jetzt am liebsten gern behalten.“

Fürstenfeldbrucker Luzienhäuserl-Schwimmen: Was steckt dahinter?

Der Brauch geht auf ein Hochwasser zurück, das im 18. Jahrhundert Bruck bedrohte. Am Festtag der Heiligen Luzia setzten die Schulkinder mit Kerzen beleuchtete Nachbildungen von Häusern in die Amper. Und siehe da: Fürstenfeldbruck blieb verschont von den Fluten. Deshalb gelobten die Brucker, von nun jedes Jahr Häuserl in die Amper zu setzen.

Während der Zeit der Klosteraufhebung unterblieb der Gottesdienst, die Luzienhäuschen ließ man jedoch weiterhin im Fluss schwimmen. 1851 war aber vorerst Schluss mit dem Brauchtum. Erst Schuldirektor Georg Kachelriss ließ es nach knapp 100 Jahren 1949 mit den Buben an der Knabenschule wieder aufleben.

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