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Mobile Luftfilter nur für schlecht belüftbare Schulzimmer - aber sukzessive feste Anlagen

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Von: Thomas Steinhardt

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Empfohlene Lösung: Mobile Luftfilter wie dieser an der Grundschule Neubiberg sollten, so der Gutachter, in allen Klassenzimmern der kreiseigenen Schulen stehen. s. hoppe/dpa
Der Landkreis will Luftfilter kaufen. © Sven Hoppe

Alle nicht oder nur schlecht belüftbaren Klassenzimmer in den Schulen des Landkreises sollen mit mobilen Luftfiltern ausgestattet werden. Das beschloss der Kreistag mehrheitlich. Bei künftigen Sanierungen oder Neubauten sollen außerdem feste Lüftungsanlagen installiert werden.

Fürstenfeldbruck Weil die Zeit drängt, kam der Kreistag nach zuletzt heftigem Insistieren der SPD quasi zu einer Art außerordentlichen Sitzung zusammen. Coronabedingt fand sie in der (riesigen) Amperhalle in Emmering statt.

Feste Anlagen kommen

Die SPD wollte alle 900 Räume in den Gymnasien, Realschulen, Berufschulen oder Förderzentren mit mobilen Luftfiltergeräten ausstatten. Das aber wurde am Ende mit 43:14 Stimmen in einem namentlichen Votum abgelehnt. Die Grünen wollten zusätzlich zu den schlecht belüftbaren Räumen noch die Räume priorisieren, die von denjenigen Kindern benutzt werden, die sich noch nicht impfen lassen können. Das wurde mit 30:27 Stimmen abgelehnt. Gegen den Vorschlag der Kreisverwaltung (Ausstattung der schlecht belüftbaren Räume) votierten am Ende nur sieben Kreisräte. Dass künftig überall feste Anlagen eingebaut werden sollen, die die Luft austauschen und nicht nur filtern, darüber herrschte Einigkeit. Das soll sukzessive geschehen, dauert also.

Der Landkreis wird nun also den Kauf von 160 mobilen Geräten ausschreiben, die Kosten werden auf etwa eine Million Euro taxiert. Wann die Geräte wirklich vorhanden sein werden, ist unklar. Vor dem Jahreswechsel werden sie eher nicht in den Klassenräumen stehen. Als ziemlich zweifelhaft darf darüber hinaus gelten, ob am Markt überhaupt noch Geräte vorhanden sind. Die Stadt Bruck etwa hatte zuletzt deutlich weniger Geräte bekommen als sie geordert hatte.

Quarantäne mit Augenmaß: Das sagt der Leiter des Gesundheitsamts

Seit dem Ende der Sommerferien sind in den Schulen des Landkreis 37 Schüler positiv auf Corona getestet worden. Das berichtete Gesundheitsamtsleiter Dr. Lorenz Weigl jetzt im Kreistag auf Bitte von Kreis-Schulreferent Christian Stangl (Grüne).

In 17 Fällen musste nur der betroffene Schüler in Quarantäne, 19 Mal wurden auch Kontaktpersonen in die Isolation geschickt. Drei Mal musste eine ganze Klasse daheim bleiben.

Wie Weigl erklärte, wird bei einem Infektionsfall eine Risikoabwägung vorgenommen. In einem dieser drei Fälle waren in einer Klasse zwei Kinder positiv. Im zweiten waren die Schüler über Stunden ohne Luftfilter zusammen und hielten Schutzmaßnahmen nicht ein. Im dritten Fall hatte es Sportunterricht im Innenraum gegeben.

Zur Sinnhaftigkeit von Luftfiltern gefragt, sagte Weigl, dass letztlich keiner wisse, wie effektiv die Geräte seien. Die Fachstellen legten sich da nicht fest. Es werde lediglich angenommen, dass sie das Risiko einer Infektion minimieren. Insgesamt seien Luftfilter in einem Infektionsfall nur ein risikomindender Teil einer ganzen Kaskade von Quarantäne-Beurteilungskriterien.

Von maßgeblicher Bedeutung sei die Frage, ob ein Corona-Erstinfizierter Symptome aufwies, wie groß der betreffende Raum ist und was darin gemacht wurde. Singen etwa erhöht das Risiko maximal. Insgesamt sei klar: Filter ersetzen das Lüften nicht – und Luftfilter sind nicht der entscheidende Faktor für die Quarantäne-Frage. Auch Masken seien risikomindernd.

Oftmal sei es schwierig, herauszufinden, wo eine Infektion stattgefunden hat, sagte Lorenz Weigl in diesem Zusammenhang. „Wir wissen ja nicht, ob es auf dem Spielplatz war, in der Pause, auf dem Heimweg, im Hort, beim Mittagessen und so weiter.“

Insgesamt würden Quarantäne-Entscheidungen mit Augenmaß durchgeführt, das zeigten ja auch die Zahlen. Aus den Ausführungen zu den Luftfiltern schloss Landrat Karmasin: Die Geräte seien also nur „nice to have“.

Alle seien sich einig, dass man weder Kosten noch Mühen scheuen werde, um für die Sicherheit der Kinder und Jugendlichen zu sorgen, hatte Landrat Thomas Karmasin zuvor betont. Allerdings sei die Wirkung der mobilen Geräte nicht wirklich bewiesen – und mögliche Quarantäne-Verhängung verhinderten sie auch nicht.

Christoph Maier (SPD) indes warb für den Kauf der mobilen Geräte. Er war vom infektionsschützenden Effekt überzeugt und hielt die Geräte sehr wohl für relevant in der Quarantäne-Frage.

Die Reaktion der Spitzenverbände

Martin Runge (Grüne) kritisierte die Vorlage der Verwaltung, die wieder inhaltliche Lücken aufweise und erinnerte an die Reaktion der kommunalen Spitzenverbände auf die Forderung des Ministerpräsidenten nach Ausstattung aller Klassen mit mobilen Filtern. Von nicht erfüllbaren Vorgaben sei die Rede gewesen. Er wollte zusätzlich zu den schlecht belüftbaren Räumen die Zimmer der Fünf- und Sechst-Klässler mit Filtern bestücken, unterlag damit aber.

Oder eine Brotzeit?

Für den Vorschlag der Verwaltung sprachen sich indes Vertreter der CSU, FW, AfD und auch der FDP aus, wobei deren Kreisrat Klaus Wollenberg den späten Zeitpunkt der Entscheidung kritisierte. „Wir könnten schon viel weiter sein.“ Johann Wörle (CSU) betonte unter anderem, dass man froh sein müsse, wenn man die 158 Geräte überhaupt bekomme und Johann Thurner (FW) erinnerte an den Lärmpegel der Geräte, der nicht zu unterschätzen sei.

Christoph Maier unternahm am Ende noch einmal einen Vorstoß für die Filter, die auch ein wichtiges Signal die Schüler wären. Karmasin entgegnete: Wenn es nur um ein Signal gehe, dann zahle er den Schülern lieber eine Brotzeit. „Das wäre billiger und hätte wenigstens einen Effekt.“

Dem Kreistag war eine Sitzung vorangegangen, in der das Thema vertagt wurde.

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