Die Stadt Fürstenfeldbruck erteilt Luftreinigern für Klassenzimmer vorerst eine Absage. (Symbolbild)
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Die Stadt Fürstenfeldbruck erteilt Luftreinigern für Klassenzimmer vorerst eine Absage. (Symbolbild)

Für den Unterricht ungeeignet

Fürstenfeldbruck: Luftreiniger für Klassenzimmer fallen durch

  • Ingrid Zeilinger
    vonIngrid Zeilinger
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In den vergangenen Tagen hat die Stadt probeweise Luftreiniger in Klassenzimmern aufgestellt. Das Ergebnis ist ernüchternd: Kein Gerät ist für den Unterricht geeignet.

Fürstenfeldbruck – In einem Dringlichkeitsantrag hatte die SPD-Fraktion gefordert, die Klassenzimmer mit Luftreinigungsgeräten auszustatten. Diese ziehen die Aerosole aus der Luft und sollen so das Infektionsrisiko mit Covid 19 senken. Das Lüften ersetzen sie freilich nicht, denn es findet kein Austausch statt.

Die Stadt hatte Kontakt zu mehreren Anbietern aufgenommen und die Geräte einem Tauglichkeitstest in den Schulen unterzogen. Dabei ging es vor allem um die Lärmentwicklung, die Geruchsentwicklung, die Sicherheit vor Vandalismus und eine mögliche Unfallgefahr. Nach den Rückmeldungen aus den Schulen berichtete Georg Huber, Sachgebietsleiter Immobilienmanagement, im Stadtrat. „Kleinere mobile Geräte sind aufgrund des Lärms komplett durchgefallen.“ UVC-Geräte hätten eine leichte Geruchsentwicklung verursacht, zudem sei die Auswirkung auf die Gesundheit unklar – sprich auch diese Reiniger sind nicht zu empfehlen.

Bleiben die großen Luftreiniger. „Diese sind einigermaßen von der Lautstärke her für den Unterricht zu ertragen.“ Hubers Fazit: „Es hat sich kein Gerät herauskristallisiert, das im Unterricht dauerhaft einsetzbar ist.“ Zumal auch beim Lockdown keine Ausnahme für Schulen gemacht worden sei, die Raumluftreiniger besitzen würden. „Selbst wenn wir welche kaufen, besteht keine Gewähr, dass der Unterricht dauerhaft durchgeführt werden kann. Das Ergebnis decke sich mit Versuchen aus Olching und Oberschleißheim (Kreis München), sagte OB Erich Raff. „Bei Volllast ist es zu laut.“ Es sei absurd, dass Kommunen die Tests selbstständig machen müssten, fand Vize-Bürgermeister Christian Stangl. Hier sei der Bund in der Pflicht.

Antragssteller Mirko Pötzsch (SPD) wollte sich damit nicht zufrieden geben. Luftreiniger seien nicht das Nonplusultra aber ein wichtiger Bestandteil. „Vielleicht wäre uns der Lockdown erspart geblieben.“ Auch danach sei das Coronavirus nicht weg. Stoßlüften alleine löse das Problem nicht. Alexa Zierl (ÖDP) forderte mehr Engagement. „Es geht um unsere Kinder.“ Neubiberg habe 150 000 Euro für die Geräte bereitgestellt. Hier könne man nach Erfahrungen fragen.

Markus Droth (FW) hielt Abstand, Testen und FFP2-Masken für den sinnvolleren Weg. Er regte an, diese an weiterführende Schulen kostenfrei auszugeben. Er hatte einen Eilantrag gestellt, dass die Stadt mindestens 5000 FFP2-Masken anschaffen und in diesen Tagen an die Bürger verteilen sollte. Doch die Mehrheit des Stadtrats lehnte es ab, den Punkt noch kurzfristig auf die Tagesordnung zu nehmen. FFP2-Masken dürften maximal zwei Stunden getragen werden, entgegnete Pötzsch. Das sei nur für den Weg ins Klassenzimmer geeignet, nicht aber für den Unterricht.

Andreas Lohde (CSU) warnte davor, dass Luftreiniger eine Scheinsicherheit im Klassenzimmer vermitteln würden. Die Räume könne man mit der Hälfte der Schüler bestücken. Doch auf den Gängen, im Treppenhaus und im Pausenhof würden sie sich begegnen. Er riet dazu, das Thema im Blick zu behalten. „Vielleicht werden die Lüfter ja noch leiser.“

Thomas Brückner (Grüne) erkundigte sich, ob im Sitzungssaal im Rathaus künftig ein Luftreiniger eingebaut wird. Laut OB Erich Raff ist das nicht geplant. Nach dem Umbau können die Ausschüsse dort wieder tagen. Der Stadtrat wird wohl bis Jahresende im Veranstaltungsforum bleiben.

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