Nur im allerkleinsten Kreis finden Trauungen statt.

Fürstenfeldbruck

Manche heiraten jetzt extra früher

  • Ingrid Zeilinger
    vonIngrid Zeilinger
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Eine Hochzeit ist oft eine große Feier mit Familie und Freunden. Doch derzeit geht nicht mehr als eine kurze Trauung im Standesamt. Einige verschieben den schönsten Tag des Lebens daher. Andere ziehen ihn dagegen vor – und das aus einem bestimmten Grund.

FürstenfeldbruckWie alle städtische Einrichtungen ist auch das Standesamt im Alten Rathaus derzeit für Publikumsverkehr geschlossen. Der Grund: die Coronakrise. Nur wer eine Geburts- oder Sterbeurkunde benötigt, kommt nach vorheriger Terminvereinbarung ins Haus. Gleiches gilt für die Heiratswilligen. Denn getraut wird weiterhin – allerdings nur in kleinstem Kreis.

„Manche Paare verschieben ihre Hochzeit“, berichtet Petra Oswald, Leiterin des Standesamtes. „Andere wollen aber auch ihre Termine vorziehen.“ Sie fürchten, dass Trauungen irgendwann gar nicht mehr möglich sind. So wurden am vergangenen Freitag insgesamt sieben Ehen geschlossen – mehr als üblich. „Dieses Wochenende wird es ähnlich sein“, schätzt Oswald.

Bereits in der Woche vor den scharfen Beschränkungen hatte man auf die Corona-Vorgaben reagiert. So durften nur noch zehn Personen ins Trauzimmer, plus Standesbeamten. Mehr Platz bot der Raum nicht, wenn man den Sicherheitsabstand einhielt. „In den meisten Fällen waren es weniger“, sagt Oswald. So habe man schöne Trauungen gefeiert, auch der hauseigene Pianist spielte noch und weitere Gäste konnten draußen warten.

Durch das Kontaktverbot haben sich die Bedingungen verschärft. Nun wird im allerengsten Kreis getraut: Standesbeamte, Brautpaar, höchstens noch die Trauzeugen und – falls nötig – ein Dolmetscher. Auch der übliche Empfang am Fuße der Treppe vor dem Brunnen ist tabu. „Es ist schade, dass die Gäste nicht dabei sein können“, sagt Oswald. „Wir werden versuchen, die Trauung so zu gestalten, dass sie für das Brautpaar angemessen ist. Aber es wird schon eine andere Stimmung sein.“ Musik vom Band ist möglich, und der Standesbeamte kann als Fotograf einspringen – für ein späteres Erinnerungsfoto von der Eheschließung.

Trotz aller Bemühungen glaubt Oswald schon, dass sich am Flair etwas ändert. „Es wird sicher nicht so emotional sein.“ Doch für Menschen, die aus triftigem Grund nicht warten können und wollen, werde man trotzdem alles versuchen, um einen würdigen Rahmen zu bieten. Und zwischen den Ja-Worten werden die Räume von einer Reinigungskraft desinfiziert.

Neben den Trauungen müssen die Standesbeamten weiterhin Geburten- und Sterbefälle beurkunden. Das kann nicht warten. „Wir versuchen weitgehend, andere Termine zu verschieben“, berichtet Oswald. Denn auch wenn die Türen verschlossen sind, rufen viele Bürger an. „Sie sind verunsichert und fragen nach.“ Also bleibt viel Arbeit für die Standesbeamten, die in Schichten arbeiten und sich abwechseln. Damit der schönste Tag des Lebens zumindest im kleinsten Kreis ein solcher wird. Mit Ringen, weißem Kleid und dem Standesbeamten als Fotografen.

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