Bei Neubauten verboten: Größere Kiesflächen sind laut Satzung künftig nicht mehr zulässig.
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Bei Neubauten verboten: Größere Kiesflächen sind laut Satzung künftig nicht mehr zulässig.

Fürstenfeldbruck

Mehr Grün, mehr Lebensraum: Stadt erlässt Satzung gegen Mauern und Steinwüsten

  • Andreas Daschner
    VonAndreas Daschner
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Trist-graue Schottergärten und unansehnliche Grundstücksmauern sind in Fürstenfeldbruck künftig nicht mehr möglich. Eine Gestaltungssatzung regelt, wie Eigentümer ihre Grundstücke begrünen und ihre Zäune errichten dürfen.

Fürstenfeldbruck – Drei Jahre ist es her, dass die BBV-Fraktion beantragt hatte, durch eine Satzung die Einfriedung von Grundstücken zu regeln. Grund dafür war, dass zunehmend Zäune und Mauern entstanden, die zum einen nicht in die Umgebung passten, zum anderen nicht mehr durchlässig für Kleintiere waren.

Mitte 2019 zog dann die SPD nach mit einem Antrag auf Regelungen, die reine Stein- und Schottergärten verhindern sollen. Aus reiner Bequemlichkeit – Steingärten bedürfen viel weniger Pflege als grüne Gärten – würde Insekten Lebensraum entzogen und das Artensterben befeuert, so die Begründung. Beiden Anträgen wird nun in einer Gestaltungssatzung für Freiflächen Rechnung getragen, die der Planungs- und Bauausschuss (PBA) vor kurzem verabschiedet hat.

Einige der darin festgeschriebenen Regelungen waren im PBA aber umstritten. Vor allem innerhalb der CSU-Fraktion waren sich die Stadtpolitiker nicht immer einig. „Ich fühle mich als Brucker Bürger gegängelt und bevormundet“, sagt zum Beispiel Hans Schilling. Man solle darüber nachdenken, ob man „wirklich jeden Popel vorschreiben muss“. Das sah Christian Götz (BBV) aber nicht so: „Die Satzung ist nicht als Gängelung gedacht und lässt dem Eigentümer bei der Gestaltung immer noch viele Freiräume.“

Besser als die erste Version

Schillings CSU-Kollege und Fraktionssprecher Andreas Lohde bezeichnete den nach einer ersten Debatte im Herbst überarbeiteten Entwurf hingegen als „deutlich besser als die erste Version“ – wenngleich auch er Kritikpunkte anbrachte. Einer davon war die Vorgabe, dass bei Bauvorhaben künftig ein von einem Fachplaner erstellter Freiflächengestaltungsplan vorgelegt werden muss. Dies hielt Lohde für nicht zwingend erforderlich. Laut Götz sei dies aber recht problemlos zu erfüllen, da jeder Architekt einen solchen Plan erstellen könne – also auch der Architekt, der ohnehin das Bauvorhaben plant. Zudem seien in begründeten Fällen immer Ausnahmen möglich.

Solche werde man wohl auch bei Begrünungen von Fassaden von Gewerbe- und Industriebauten recht schnell brauchen, glaubt Lohde – vor allem bei Holzfassaden, da diese anfällig für Schäden durch Feuchtigkeit seien. Ebenso umstritten war auch die Vorgabe, flach geneigte Dächer bis zu zehn Grad Neigung zu begrünen. „Das ist schon recht steil“, gab Lohde zu bedenken. Satzungen anderer Kommunen würden die Grenze schon bei fünf Grad setzen. Am Ende einigten man sich auf einen Kompromiss: acht Grad.

Pflicht zur Dachbegrünung?

Alexa Zierl (ÖDP) verwies darauf, dass die Pflicht zur Dachbegrünung wegfällt, wenn auf der Fläche stattdessen eine Solar- oder Photovoltaikanlage errichtet wird. „Das fördert den Bau von PV-Anlagen“, sagte Zierl. Lohdes Kritik, dass dies zu Kostensteigerungen für die Bauherren führe, wies Zierl mit Verweis auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zurück, wonach die Kosten für den Klimaschutz nicht nachfolgenden Generationen aufgebürdet werden dürfen.

Thomas Brückner (Grüne) zeigte sich glücklich darüber, dass die Satzung nun vorliegt. „Wenn ich durch die Stadt gehe, kommt mir das Grausen“, sagte das PBA-Mitglied mit Verweis auf die Gestaltung mancher privater Freiflächen. Aufgrund des ausgerufenen Klimanotstands müsse man ohnehin „an allen Ecken etwas tun, um die Artenvielfalt zu fördern und das Stadtklima zu schützen“.

Am Ende beschloss der PBA die Satzung mit 10:4 Stimmen. Sie soll nach zwei Jahren überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Außerdem werden Regelungen zur Vermeidung von Schottergärten und zur Gestaltung von Einfriedungen laut Beschluss auch in künftigen Bebauungsplänen aufgenommen.

Das regelt die neue Gestaltungssatzung

Die Gestaltungssatzung der Stadt Fürstenfeldbruck greift künftig bei neuen Bauanträgen. Sie regelt unter anderem folgende Punkte:

  • Nicht überbaute Flächen sind zu begrünen und mit Bäumen und Sträuchern zu bepflanzen, soweit diese Flächen nicht für andere zulässige Nutzungen – unter anderem Stellplätze sowie Arbeits- oder Spielflächen – benötigt werden. Die Satzung regelt dabei auch, welche Bäume und Sträucher gepflanzt werden dürfen.
  • Großflächige Kiesgärten mit Kiesflächen von mehr als zehn Quadratmetern und Kunstrasen sind unzulässig. Zuwege und Zufahrten sind außerdem auf ein Minimum zu beschränken und, soweit es die Nutzung zulässt, mit wasserdurchlässigen Belägen zu versehen.
  • Flachdächer und flachgeneigte Dächer bis zu acht Grad Dachneigung von Wohngebäuden und Gewerbebauten ab 20 Quadratmeter sowie von Garagen und Carports sind zu begrünen. Dies gilt nicht, wenn die Flächen für Solar- oder Photovoltaikanlagen benötigt werden. Fassaden von Gewerbebauten sind ebenso zu begrünen, wie Garagen- oder Carportwände, die zu einer öffentlichen Verkehrsfläche zeigen.
  • Einfriedungen müssen offen und ohne wandartige Wirkung gestaltet werden und dürfen nicht höher als 1,40 Meter sein. Zudem muss alle fünf Meter ein Abstand von zehn Zentimetern zum Boden eingehalten werden, damit Kleintiere die Möglichkeit haben, die Einfriedung zu durchqueren.
  • Es muss ein Freiflächengestaltungsplan eines Fachplaners zusammen mit dem Bauantrag eingereicht werden, in dem die vorgeschriebenen Punkte der Satzung überprüfbar dargestellt sind.
  • Bereits bestehende Gärten haben Bestandsschutz.

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