Chefsache: Bienen sind nicht nur das Hobby von Sykam-Geschäftsführer Karl-Heinz Jansen. Die Insekten, die in mehreren Bienenstöcken auf dem Firmengelände leben, dienen auch wissenschaftlichen Zwecken.	fotos: Peter Weber
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Chefsache: Bienen sind nicht nur das Hobby von Sykam-Geschäftsführer Karl-Heinz Jansen. Die Insekten, die in mehreren Bienenstöcken auf dem Firmengelände leben, dienen auch wissenschaftlichen Zwecken.

Fürstenfeldbruck

Mitten im Gewerbegebiet: Dieser Betrieb blüht wahrlich auf

  • Ingrid Zeilinger
    VonIngrid Zeilinger
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Steinwüsten, kahle Wände und eintönige Bauten sind typisch für ein Gewerbegebiet. Doch die Firma Sykam geht einen anderen Weg. Auf dem Firmengelände ist ein Biotop entstanden. Nun wird das Unternehmen zum ersten blühenden Betrieb im Landkreis.

Fürstenfeldbruck – Im Teich plätschert das Wasser, Bienen summen rund um ihren Stock. Auf dem hellgrünen Rasen im ersten Stock dreht ein Mähroboter seine Runden. Ein gewöhnlicher Garten – möchte man denken. Doch weit gefehlt. Denn man steht mitten im Gewerbegebiet Hasenheide. Hier hat die Firma Sykam ein kleines Biotop geschaffen.

Das Firmengebäude wurde vor rund sieben Jahren gebaut – ohne unnötige Flächenversiegelung. Ein Niedrigenergiehaus mit gerade mal 1600  Euro Heizkosten im Jahr. Erster und zweiter Stock sind mit Rasen und Kräutern begrünt. Wasser sammelt sich in einer Zisterne und dient im Sommer der Kühlung und Berieselung. „Wir leben von der Chemie, aber wir haben keine Chemie in der Natur“, sagt Geschäftsführer Karl-Heinz Jansen.

Arbeiten im Grünen

Leben, Arbeiten, und das im Grünen: Das war dem Gründer des für Umweltmanagement zertifizierten Unternehmens (siehe Kasten) wichtig. Und die Mitarbeiterbindung, die ganz anders sei als in normalen Betrieben. „Die Kollegen setzten sich in der Mittagspause oben ins Grüne.“ Etwas, das sie zu schätzen wissen.

Zwei Jahre saß Jansen auch im Umweltbeirat der Stadt und bot Führungen an. Irgendwann stieß er auf die Seite des Blühparks Bayern. Er bewarb sein Unternehmen – und wurde genommen. Bei einer Begehung im Sommer 2020 riet eine Landschaftsgärtnerin zu einem Biotop, mehr Obst und Trockenrasen. „Ich habe mir gedacht, wenn wir das schon anfangen, machen wir es ordentlich“, erzählt der 68-Jährige. Also wurde die Liste abgearbeitet. „Wir wollten auf kleinster Fläche ein Modell aufbauen, wie man es machen könnte.“ Auf der Streuobstwiese wachsen Äpfel, Birnen und Wildblumen. Die humusarme Trockenwiese ist noch im Wachstum und soll später den Insekten ideale Lebensbedingungen bieten. Neben dem kleinen Teich summen Wildbienen umher – Jansens Hobby. „Für mich ist es beruhigend, mich hinzusetzen und ihnen zuzuschauen.“ Mit 100 roten Mauerbienen und 100 gehörnten Mauerbienen hat es begonnen. Inzwischen ist der Wildbienenbestand auf rund 5000 angewachsen. Ihre Kokons halten im Kühlhaus Winterschlaf. Im Frühjahr in einer Schönwetterperiode werden sie wieder ausgesetzt.

Auch auf dem Dach im ersten Stock schwirren die gelb-schwarzen Nutztiere. Aber nicht, um Sykam-Honig zu produzieren. Sie dienen wissenschaftlichen Zwecken. Mit der Uni Gießen und einem Startup der TU Garching laufen Studien für ein Umweltkataster. „Wir benutzen die Bienen als Pollensammler“, erklärt Jansen. Wenn sie in den Stock zurückfliegen, nimmt man ihnen über Pollenfänger die Pollen weg. Über die Analyse erhalten die Wissenschaftler innerhalb von drei bis vier Wochen Rückschlüsse über die Biodiversität einer Region von rund 20 Quadratkilometern. So kann man Veränderungen in der Natur bestimmen. Sykam will so einen automatischen Pollenfänger und -Konservierer entwickeln.

Bienen sind Chefsache

Seine Bienen bezeichnet Jansen als „bestdigitalisiert“. Ihr Gewicht wird mit einer Stockwaage ermittelt, erklärt Biologe Jörg Stockhaus, der sich um die Insekten kümmert. „Die Daten werden an den Server übermittelt. So weiß man jederzeit, ob es den Tieren gut geht und ob sie Futter brauchen. Die Tiere sind Chefsache bei Sykam, um die Grünpflege kümmert sich ein Gärtner. Das lässt sich der Betrieb rund 2500 Euro im Jahr kosten. Der Lohn ist ein Arbeitsplatz mitten in der Natur, umgeben von Gewerbebauten.

Dass das mittelständische Unternehmen nun als erstes im Landkreis als blühender Betrieb ausgezeichnet wird, freut Karl-Heinz Jansen. Immerhin hat er 35 000 Euro hinein gesteckt. „Doch so viel ist gar nicht nötig“, sagt er. Er hofft, bei Brucker Firmen Nachahmer zu finden. „Es ist vor allem interessant für Betriebe, die im Bereich von öffentlichen Ausschreibungen agieren.“ Denn Umweltschutz bringe hier Bonuspunkte. Das ist neben dem Blick ins Grüne ein weiterer schöner Nebenaspekt.

Geräte für Wissenschaftliche Analyse und Medizin sind die Kerngeschäfte der Firma Sykam

Vor 35 Jahren begann die Firma Sykam mit der Produktion von Analysegeräten für die Cromatografie. Mit diesen wurde die Qualität von Grund- und Trinkwasser ermittelt. Später kam die Aminosäure-Analyse hinzu. Inzwischen ist Sykam der weltweit größte Hersteller von Aminosäure-Analysatoren, berichtet Geschäftsführer Karl-Heinz Jansen. Gebraucht wird dies zum Beispiel im Bereich der parenteralen Ernährung – also per Katheter direkt in die Blutbahn.

Vor zehn Jahren stieg das Unternehmen zudem in den Bereich Radiopharmazie ein. Hier werden Trägermaterialien für die Trennung von radioaktiven Isotopen hergestellt, die therapeutisch zur Behandlung von Krebserkrankungen eingesetzt werden. Es werden dazu auch Systeme zur Herstellung der Therapeutika (Synthesizer) produziert.

Die Anwendungstechnik und Entwicklung übernehmen die 13 Mitarbeiter in Fürstenfeldbruck, die Produktion läuft in Eresing (Kreis Landsberg) mit 34 Angestellten. Dazu kommen vier Mitarbeiter im nordrhein-westfälischen Düren.

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