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Im Frühjahr feierte Leder Franzl sein 100-jähriges Bestehen. Nicht mal ein halbes Jahr darauf muss Franz Gröbl sein Geschäft schließen.

Wegen der Konkurrenz im Internet

Nach 100 Jahren: Das nächste Traditionsgeschäft gibt auf

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Und wieder schließt ein Traditionsgeschäft. Bei Leder Franzl läuft bereits der Räumungsverkauf. In sechs Wochen will Inhaber Helmut Gröbl seinen Laden zusperren.

FürstenfeldbruckDie Gründe sind ähnlich wie bei anderen Geschäftsaufgaben – die Konkurrenz durch das Internet und die schwindende Attraktivität der Brucker Innenstadt machen dem Fachgeschäft für Koffer, Taschen und Accessoires die Umsätze kaputt. „Wenn sich etwas nicht mehr rentiert, muss man aufhören“, sagt Inhaber Franz Gröbl.

Das Kaufverhalten der Kunden habe sich geändert, Wertigkeit stehe nicht mehr so sehr im Vordergrund. „Früher hat man zur Handtasche auch noch die passende Geldbörse und ein Schlüsseletui gekauft“, sagt Gröbl. „Das ist heute nicht mehr so.“ Hinzu kommt, dass der Schwund an Geschäften in der Umgebung Leder Franzl den Zulauf abgräbt. Familien kämen nicht mehr am Samstag Vormittag zum Shoppen in die Innenstadt. „Da ist man ja in einer halben Stunde durch.“

Heuer wurde noch das 100-jährige Bestehen gefeiert

Erst in diesem Frühjahr hat Leder Franzl sein 100-jähriges Bestehen gefeiert. 1919 in München-Ramersdorf gegründet, hatte der Familienbetrieb zu seinen besten Zeiten vier Filialen. Gröbl war seit 1991 Leiter des Ein- und Verkaufs. Sechs Jahre später kaufte er das Unternehmen und zog 2002 mit der letzten verbliebenen Filiale in die Schöngeisinger Straße nach Bruck – in die ehemaligen Räumlichkeiten von Leder Walter.

Ursprünglich auf zwei Gebäude verteilt, verlagerte er das gesamte Sortiment schließlich in die Viehmarktstraße. „Das da draußen soll angeblich eine Fußgängerzone sein“, sagt Gröbl und blickt auf das Kopfsteinpflaster vor seinen Schaufenstern. Die Gestaltung findet er weder optisch gelungen noch praktisch für seine Kundinnen. Denn der Belag ist weder für Stöckelschuhe noch für Rollatoren sonderlich gut geeignet. Hübsch gemacht werde der Bereich ebenfalls nicht. „Es gibt keine Blumenkübel, und die Kehrmaschine kehrt nur die Zigarettenkippen in die Ritzen des Kopfsteinpflasters.“

Was er nach der Schließung machen wird, weiß der Inhaber noch nicht

Mit seinen 56 Jahren ist Gröbl für den Ruhestand noch viel zu jung. Was er machen wird, wenn er spätestens am 20. September sein Geschäft geschlossen hat, weiß er noch nicht. „Ich werde mir etwas suchen müssen.“ Vorläufig ist mit Räumung und Abwicklung genug zu tun. Seine drei langjährigen Mitarbeiterinnen – zwei Mini-Jobberinnen und eine Teilzeitkraft – sind ebenfalls traurig über das Ende des Ladens. Gröbl hatte sie noch von Leder Walter übernommen.

Leder Franzl ist nicht das erste Traditionsgeschäft, das in Fürstenfeldbruck schließen muss. Lange kämpfte der Brucker Porzellanladen Pfefferl gegen Onlinehandel, Discounter und steigende Kosten. Doch auch das Geschäft am Fuchsbogen musste seine Türen schließen. Ähnlich erging es auch der Parfümerie Central. Nach 46 Jahren war auch dort Schluss.

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