+
Hagen Ullmann und Katrin Bielski verkörpern die Hauptfiguren des Theaterstücks mit jeder Mimik und Bewegung. 

Theater in Fürstenfeldbruck

Neue Bühne holt Fontane-Klassiker in die Moderne

  • schließen

 Einen der größten Romane der Neuen Deutschen Literatur nimmt sich die Neue Bühne Bruck in ihrer aktuellen Inszenierung vor.

Fürstenfeldbruck – Pünktlich zum 200. Geburtstag Theodor Fontanes zeigt sie „Effi Briest“ in einer modernen Bearbeitung von Sandra Schüddelkopf und Alexandra Henkel. Reduziert auf zwei Erzähler und drei Figuren, wird aus dem Roman ein rasantes 75-Minuten-Stück.

„Nichts bekommt einem so gut wie eine Hochzeit – die eigene natürlich ausgenommen“, sinniert Effis Vater (Walter Cordier) mit erstaunlichem Gleichmut. „Mir gegenüber hast du immer bestritten, dass sich die Frau in einer Zwangslage befindet“, entgegnet Effis Mutter (Ellen Kießling-Kretz) überrascht. Ihre Tochter befindet sich auf Hochzeitsreise mit dem mehr als doppelt so alten Baron von Instetten.

Effi ist zu diesem Zeitpunkt noch ein übermütiges, lebenshungriges Geschöpf, das sich nach Abwechslung und gesellschaftlichem Aufstieg sehnt. Doch nach den Flitterwochen findet sie sich im provinziellen Handelsort Kessin in Hinterpommern wieder – in einem Haus, in dem es zu spuken scheint, umgeben von „mittelmäßigen Menschen von zweifelhafter Liebenswürdigkeit“ und vom Ehemann zunehmend allein gelassen. Es kommt zu einer folgenschweren Affäre mit dem lebenslustigen Major Crampas, die beiden letztendlich zum Verhängnis wird.

Regisseur Ralph Hüttig siedelt das Geschehen in einem modern-trashigen Bühnenbild an, aus dem die seltsam deplatziert wirkenden Figuren umso stärker hervortreten. Instetten beschreitet die Szenen auf einem roten Teppich, jeder Zoll Herablassung und Unzugänglichkeit. Hagen Ullmann verkörpert die Rolle grandios, vom hocherhobenen Haupt bis zu den hinter dem Rücken verschränkten Händen. Die steife Hemdbrust trägt er zwar nicht, aber er spielt sie.

An der Seite dieses selbstgefälligen Langweilers hat Effi (Katrin Bielski) mit ihrer überschäumenden Jugendlichkeit keine Chance auf Glück. Fast widerstrebend fällt sie auf den schmierigen Crampas – ebenfalls dargestellt von einem wie verwandelt wirkenden Hagen Ullmann – herein. Bielskis Ausstrahlung macht aus Effi Briest eine tragische Heldin, die zwar alles verliert, ihre Würde aber behält. Das Publikum der ausverkauften Premiere war zu Recht hingerissen. 

Die nächste Vorstellung

von „Effi Briest“ an der Neuen Bühne Bruck auf dem Klostereareal findet am Samstag, 21. Dezember, ab 20 Uhr statt. Die für den 22. Dezember geplante Aufführung muss entfallen. Im Januar sind weitere Aufführungen geplant. Karten zum Preis von 15, ermäßigt sieben Euro, können über die Internetseite www.buehne-bruck.de reserviert werden.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Wegen Corona: Weihwasser muss aus einigen Kirchen verschwinden
Die Angst vor dem Coronavirus macht auch vor den Kirchen nicht halt. Die Deutsche Bischofskonferenz hat jetzt Empfehlungen ausgegeben, wie die Bistümer mit der …
Wegen Corona: Weihwasser muss aus einigen Kirchen verschwinden
Blaulicht-Ticker: Auto stößt gegen Zaun und kippt um
Rund um die Uhr sind Polizei und Feuerwehr im Landkreis Fürstenfeldbruck einsatzbereit. Wohin sie unterwegs sind und warum, erfahren Sie im Blaulicht-Ticker.
Blaulicht-Ticker: Auto stößt gegen Zaun und kippt um
Wer wird Herrscher über die Brucker Lande? Sieben Bewerber für das Amt des Landrats
Sieben Kandidaten bewerben sich bei der Kommunalwahl um das Amt des Landrats – darunter der Amtsinhaber. Und der möchte Herrscher über die Brucker Lande bleiben – nicht …
Wer wird Herrscher über die Brucker Lande? Sieben Bewerber für das Amt des Landrats
Wieder etliche Einsätze: Sturm Bianca fordert die Feuerwehr
Jede Woche ein neuer Sturm: Nach Sabine, Victoria und Yulia hat in der Nacht auf Freitag Tief Bianca im Landkreis gewütet. 30 Mal musste die Feuerwehr ausrücken. Zum …
Wieder etliche Einsätze: Sturm Bianca fordert die Feuerwehr

Kommentare