Fürstenfeldbruck

Neujahrsempfang: OB fordert Rückkehr zu mehr Sachlichkeit

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Der Neujahrsempfang ist ein Anlass für die Stadt, verdiente Bürger auszuzeichnen. Die Veranstaltung dient auch dem politischen Aus- und Rückblick durch den OB. Und der gab sich kritisch gegenüber seinen Stadtratskollegen.

Fürstenfeldbruck – Die Aufforderung, am 15. März zur Wahl zu gehen, durfte beim diesjährigen Neujahrsempfang von Oberbürgermeister Erich Raff (CSU) nicht fehlen. „Nur so können Sie als Bürger, ich will nicht sagen, über das Wohl und Wehe der Stadt Einfluss nehmen, aber zumindest auf die Zusammensetzung des Stadtrates“, sagte der Rathauschef am Donnerstagabend vor 247 geladenen Gästen im Stadtsaal.

Weniger erbaulich muteten Raffs Aussagen über den Umgang mit und zwischen Lokalpolitikern an. „Was ist bloß los in unserem Land, sind unsere demokratischen Werte gefährdet?“, zitierte er aus einer Zeitschrift für Bürgermeister. „Massive verbale und körperliche Übergriffe auf unsere Volksvertreter sind leider keine Seltenheit mehr.“ Auch im Brucker Stadtrat sei der Umgangston rauer geworden. Wie solle es auch anders sein, seien doch die Volksvertreter nur ein Spiegelbild der Gesellschaft. Raff mahnte, zu mehr Sachlichkeit zurückzukehren. „Redet miteinander, da man nur so Konflikte lösen und zumindest zu einem Kompromiss kommen kann.“

Den nicht mehr kandidierenden Stadträten dankte Raff für ihre konstruktive Zusammenarbeit. In den Dank schloss er auch die freiwilligen Helfer und Ehrenamtlichen in den Vereinen mit ein. Besonders ging er auf das Projekt „Aktion PiT – Togohilfe“ von Margit Kopp ein, die im vergangenen Jahr mit ihrem „Afrika-Laden“ von Maisach nach Bruck gezogen ist.

Zum Thema Fliegerhorst

Ebenso wie die Aufforderung, zur Wahl zu gehen, durfte bei Raffs politischem Aus- und Rückblick auch eine Aussage über den Fliegerhorst nicht fehlen. Dass Fursty nun erst 2026 komplett geräumt werde, könne man mit einem weinenden, aber auch einem lachenden Auge sehen. So bleibe die Verbundenheit der Soldaten mit ihrer Garnisonsstadt noch länger bestehen, wovon das heimische Gewerbe und auch die karitativen Einrichtungen profitierten.

Raff erinnerte an den Erlös beim Verkauf der „besten Erbsensuppe der Welt“ durch die Offizierschule auf dem Christkindlmarkt. Mit der Hälfte der dort für Spenden erlösten 21 000 Euro würden soziale Einrichtungen der Stadt unterstützt. Zudem habe man ein paar Jahre mehr Zeit für die Planung der Nachnutzungen auf dem Fliegerhorst. „Trotzdem dürfen wir jetzt nicht Halt machen, sondern müssen gemeinsam mit den Nachbarkommunen und dem Landkreis überlegen, wie es weitergehen könnte.“

Die Zahl der Einpendler sei immer noch geringer als die der Auspendler, stellte Raff fest. „Die Ansiedlung von Gewerbe bleibt also nach wie vor eine große Herausforderung.“. Als erfreulich bezeichnete der OB die mit 3,2 Prozent geringe Arbeitslosenzahl. „Das kommt einer Vollbeschäftigung gleich.“ Allerdings würden nach wie vor Fachkräfte fehlen.

Zum Abschluss ehrten Raff und Stadtrat Franz Neuhierl verdiente Bürger. Neuhierl wurde dann selbst noch zum Geehrten: Der OB verlieh ihm die silberne Bürgermedaille für 30 Jahre als Stadtrat, davon sechs als 3. Bürgermeister, sieben Jahre als Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler und maßgeblicher Mitgestalter der Partnerschaft mit dem französischen Livry-Gargan.

Ehrung verdienter Bürger

bei ihrem Neujahrsempfang zeichnet die Stadt stets Bürger aus, die sich um das Gemeinwohl verdient gemacht haben. OB Erich Raff und Stadtrat Franz Neuhierl ehrten heuer: Wolfgang Schwarzfischer für 40 Jahre beim BRK; Robert Galles für 25 Jahre beim THW; Matthias Droth für 20 Jahre als Kassier bei der Heimatgilde „Die Brucker“; Friedrich Aneder, der sich als Kurator des archäologischen Museums des Historischen Verein bei der Konzeption und Vorbereitung der archäologischen Ausstellung engagierte; Christine Dietzinger für ihr Engagement im Lese- und Theaterclub des Vereins Turmgeflüster; Grit Hutter für ihr Engagement als Jugendleiterin der Stadtkapelle und die Betreuung von Jugendblasorchester und Jungbläsern; Nikolaus Gnam, der über zehn Jahre den Skiclub FFB führte und stellvertretender Vorsitzender des Sportbeirats ist; Ulrich Würstle, der in seiner Gärtnerei alle zwei Jahre das „Abenteuer Kindergärtnerei“ veranstaltet; Cordula Ernst, die mit ihrer Steuerkanzlei Mitglied im Umweltpakt Bayern ist; Erhard Baumann für über 18-jährige Mitgliedschaft im Stadtrat, davon über zwei Legislaturperioden als BBV-Fraktionsvorsitzender und als regelmäßiger Vertreter des OB im Zweckverband zur Wasserversorgung der Gruppe Landsberied.

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