Rund 650.000 Menschen ohne Wohnung
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Vielen Menschen droht die Obdachlosigkeit

Fürstenfeldbruck

Obdachlose und Behinderte finden hier Rat

Wohnungslose im Landkreis haben eine weitere Anlaufstelle bekommen: Die Diakonieeinrichtung Herzogsägmühle hat eine Stelle für aufsuchende Sozialarbeit in Notunterkünften eingerichtet. Außerdem wurde der Integrationsfachdienst für Menschen mit Behinderung im Arbeitsleben aufgestockt.

FürstenfeldbruckWohnungslosigkeit sei ein Problem, das durch die ganze Gesellschaft gehe, sagt Martin Holleschovsky (64). Er ist zuständig für die regionalen Angebote für Menschen in besonderen Lebenslagen bei Herzogsägmühle. „Das geht von jung bis alt, von Arbeitern bis weit in die Mittelschicht hinein.“ Ein Grund dafür sei der in der Region wegen der Nähe zur Großstadt München sehr angespannte Wohnungsmarkt. Andererseits gäbe es vor Ort den bayernweit einzigartigen Arbeitskreis „Wohnen +“, so dass die Kommunen deutlich besser zusammenarbeiten würden.

Zwei Sozialarbeiter

In einem vom Sozialministerium des Landes Bayern finanzierten Pilotprojekt sind jetzt in Fürstenfeldbruck zwei Sozialarbeiter angestellt. Diese beraten die Wohnungslosen direkt in den Notunterkünften. Britta Herreiner (57) und Christian Erdmann (44) gehen seit dem 1. März für die aufsuchende Sozialarbeit in die Notunterkünfte und Obdachlosenheime im Landkreis. Dort beraten sie die Menschen, die sonst keine Ansprechpartner haben, über ihre Möglichkeiten. Ziel ist dabei immer, die Menschen wieder in normale Wohnungen zurückzubringen. Kern des Projektes sei die Beziehungsarbeit, meint Britta Herreiner.

Das gelte für die Arbeit mit den Betroffenen, die sich allein gelassen fühlen. Aber auch bei Vermietern müsse oft Überzeugungsarbeit geleistet werden. „Es gibt da viele Vorurteile“, sagt die 57-Jährige. Oft hätten Vermieter Angst um ihre Wohnungen. Außerdem helfen die beiden aufsuchenden Sozialarbeiter auch bei Ämtergängen.

Fachdienst für Integration

Direkt im Nebenzimmer des Büros der aufsuchenden Sozialarbeit in der Hasenheide 1 befindet sich auch das neue Büro des Integrationsfachdienstes. Auch diese Einrichtung ist unter dem Dach der Herzogsägmühle.

Sylvia Reiter arbeitet bereits seit sechseinhalb Jahren im Landkreis daran, die Arbeitsstellen von Menschen mit schweren Behinderungen zu sichern. Jetzt hat die 50-Jährige Unterstützung von zwei weiteren Kolleginnen erhalten. Daher war auch der Umzug in das neue Büro nötig.

Beim von Herzogsägmühle getragenen Integrationsfachdienst handelt es sich um ein neutrales Beratungsangebot für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Ziel ist immer, Menschen mit Handicap im selben Unternehmen weiter zu beschäftigen. „Das Wort schwerbehindert ruft immer bestimmte Vorstellungen hervor“, sagt Michael Hölzl. Es gehe aber nicht nur um Menschen mit Down-Syndrom. Schwerbehinderte können auch Personen mit Bandscheibenvorfall, Schlafstörungen oder Hauterkrankungen sein. „Oder jemand, der in einem Motorradunfall einen Arm verloren hat“, erklärt der 38-Jährige.

Häufig würden Arbeitgeber nicht wissen, wie sie mit jemandem umgehen können, der nicht mehr das selbe auf die selbe Art leisten kann wie zuvor. In diesen Situationen würde der Dienst nach Möglichkeiten suchen, um den Arbeitsplatz zu sichern, ohne das Unternehmen zu belasten. Das könne eine andere Beschäftigung im Betrieb sein, es gebe aber auch staatliche Förderungen und Hilfsprogramme. Arbeitnehmer mit Schwerbehinderung klärt die Organisation über ihre Rechte auf, versucht ihnen die Angst zu nehmen, und berät sie in ihrer Strategie für Gespräche mit der Personalabteilung. (Sven Behrens)

Kontakt:

Die aufsuchende Sozialarbeit ist unter der Telefonnummer (0 81 41) 3 66 45 21 und per E-Mail an AufSozFFB@herzogsaegmuehle.de erreichbar, der Integrationsfachdienst unter (08 81) 9 25 73 40. Die Büros sind in der Hasenheide 1.

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