Auf: Wie ein Meterstab lässt sich der Tisch auffächern.
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Auf: Wie ein Meterstab lässt sich der Tisch auffächern.

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Schreiner haben Patent in der Tasche: Tischlein, streck dich!

  • Peter Loder
    vonPeter Loder
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Tobias Jung (43) und Denis Dostmann (45), die beiden Tischlein-streck-dich-Schreiner aus Fürstenfeldbruck, haben für die Verfeinerung ihrer bereits auf dem Markt befindlichen Idee ein weiteres, weltweit gültiges Patent in der Tasche.

Fürstenfeldbruck – Die Produktion des ohne Einlegeplatten und Klappmechanismus funktionierenden ausziehbaren Lamellen-Tisch wird nun von einem Laser gesteuert. Der Vorteil: Serienproduktion macht ihn billiger. Doch wegen corona-bedingt abgesagter Messen können die beiden Unternehmer ihr Schreinermeister-Kunstwerk keiner breiten Öffentlichkeit präsentieren.

Trotzdem: Ein Ladenhüter droht der LAIK-Tisch nicht zu werden. Die Nachfrage steigt dank Internet und Mund-zu-Mund-Propaganda von Woche zu Woche. Im Bruchteil einer Sekunde kann der im Arbeits-, Wohn- oder Esszimmer einsetzbare Wundertisch stufenlos bis auf das Doppelte seiner Grundlänge verlängert werden – und das ohne lästiges Hantieren und eingeklemmte Finger.

Bislang war das vor knapp zehn Jahren entwickelte Produkt der von Jung und Dostmann gegründeten Firma Lignum Arts ein vergleichsweise teures Luxusobjekt. Es kostete bis zu 4000 Euro, weil die für die Tischverlängerung notwendigen Lamellen mühevoll in Handarbeit erstellt und montiert werden mussten. Dann hatten die beiden Brucker Schreiner-Genies den Geistesblitz, dieses aufwändige Verfahren durch Lasertechnik zu ersetzen und so für die breite Kundenmasse erschwinglicher zu machen.

Dafür gründeten die bislang noch in der Traditionsschreinerei von Karl Danke an der Kapellenstraße untergebrachten Unternehmer extra eine neue Firma: LAIK (Lignum Arts Innovative Kollektion). Demnächst werden die neuen Geschäftsräume in der Hasenheide bezogen. Doch die Corona-Krise hat die geplante Serienproduktion ins Stocken gebracht.

Zu: Mit einem Handgriff ist er wieder zugeschoben.

Zwar werden die je nach Größe nun bereits mit Preisen zwischen 1600 und 2700 Euro angebotenen Tische schon verkauft. Doch einem breitem Publikum können sie wegen fehlender Messen und Ausstellungsveranstaltungen nicht präsentiert werden. „Wir wären von heute auf morgen startbereit, aber uns kennt keiner“, beschreibt Jung das Dilemma.

Der LAIK-Tisch hat ein weltweit einzigartiges und deshalb patentiertes Lamellendesign, das durch computergesteuerte Laserschnitte zustande kommt. Darauf gekommen sind die beiden Schreinermeister durch Zufall beim Umgang mit ihrem täglichen Arbeitsgerät: Der Tisch basiert auf dem Hantieren mit dem Zollstock, in Bayern auch gern Meterstab genannt. Wenn dieser zusammengefaltet ist und man von von der Seite leicht an ihm zieht, öffnen sich die einzelnen Abschnitte. Ganz ähnlich wie die Lamellen des LAIK-Tisches, der in drei verschiedenen Grundlängen (80, 120 und 160 Zentimeter), mehreren Farben und verschiedenen Ausführungen angeboten wird.

Ursprünglich war das Konzept für Studentenwohnungen gedacht, doch auch in den gerade boomenden Tiny-Häusern mit ihren kleinen Grundflächen wäre der Tisch ebenso flexibel einsetzbar wie in jedem normalen Haushalt.

Für die Produktion des innovativen LAIK-Tisches arbeiten Jung und Dostmann mit mehreren Firmen zusammen. In Fürstenfeldbruck werden die Platten gefräst und hergestellt, den wichtigen Laserschnitt besorgt eine Spezialfirma in München.

Um die Produktion der Tischbeine aus Aluminium kümmert sich ein Unternehmen in Baden-Württemberg. Kunststoffteile werden in Mammendorf gefertigt, lackiert wird in Eching bei München. Wenn bald der Umzug in das neue LAIK-Gebäude an der Messerschmidstraße in der Hasenheide erfolgt, wird ein weiteres Kapitel im Tischlein-streck-dich-Märchen geschrieben.

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