Die zweite und dritte Generation: Im Oktober 2020 feierte das Familienunternehmen Berchtold Pelz-Leder sein 75-jähriges Bestehen. Es gibt eine Jubiläumskollektion, aber die große Feier mussten Edeltraud Lastner und ihr Sohn Wolfgang, der den Betrieb 1994 übernahm, in Zeiten der Pandemie ausfallen lassen. Fotos: Schmöller (2)/privat
+
Die zweite und dritte Generation: Im Oktober 2020 feierte das Familienunternehmen Berchtold Pelz-Leder sein 75-jähriges Bestehen. Es gibt eine Jubiläumskollektion, aber die große Feier mussten Edeltraud Lastner und ihr Sohn Wolfgang, der den Betrieb 1994 übernahm, in Zeiten der Pandemie ausfallen lassen.

Fürstenfeldbruck

75 Jahre Pelzhandwerk mit Höhen und Tiefen

Regelmäßig gewinnt das Traditionshaus Berchtold für seine Kollektionen Designpreise. Dabei machen neu gefertigte Jacken und Mäntel nur etwa die Hälfte der Tätigkeit des Brucker Kürschner-Betriebes aus. Wie sich die Pelz- und Leder-Branche gewandelt hat, erzählen die Inhaber zum 75-jährigen Jubiläum.

Fürstenfeldbruck – Angefangen hat alles 1945. Mit zehn Spulen Faden und einer Pelzmaschine, die noch heute im Laden in der Augsburger Straße steht. Kürschnermeister Josef Berchtold hatte sich nach Kriegsende mit seiner eigenen Hasenzucht quasi selbstständig gemacht. „Wir waren Selbstversorger“, erzählt Tochter Edeltraud Lastner heute. „Wir haben unsere Hasen geschlachtet, und das Fell hat mein Vater dann verarbeitet.“

So sah es früher aus im Pelzgeschäft, das Edeltraud Lastners Vater Josef Berchtold 1945 gegründet hatte.

Als einzige Tochter ist sie in die väterlichen Fußspuren getreten: Sie habe die Arbeit in der Firma geliebt, vor allem den Kontakt zu den Kunden. Handwerklich habe sie viel vom Vater gelernt. „Für mich war immer klar, dass ich das auch einmal machen würde“, sagt Edeltraud Lastner. Und das obwohl das Kürschnerwesen in den 1960er-Jahren noch eine Männerdomäne gewesen sei.

Das hat der jungen Frau nichts ausgemacht: „Wir waren zwei Damen, und das war toll“, erinnert sie sich. 1964 hat sie als Kammerbeste mit hoher Auszeichnung die Meisterprüfung abgeschlossen und ist in den Betrieb eingestiegen.

Ein Status-Symbol

Pelze und Lederwaren waren zu diesen Zeiten ein Statussymbol: Wer einen echten Pelz hatte, war stolz darauf: „Den Kunden war wichtig: Wie lang hält der Mantel?“ Heute sei das anders, sagen Edeltraud und Sohn Wolfgang Lastner: Es komme auf regelmäßig wechselnde modische Trends an und die Funktionalität der Produkte. Aber echter Pelz hätte als Naturprodukt wieder einen guten Ruf, schließlich sei er im Gegensatz zu Funktionsjacken oder Kunstpelzen aus Erdöl sehr viel ökologischer.

„Die Anti-Pelzwelle in den 1980er-Jahren war eine schwierige Zeit“, erinnern sich die beiden. Echte Pelze seien verpönt gewesen. Dass wegen des Pelzhandwerks aber nur wenige Tiere sterben müssten, weil der Großteil der Rohmaterialien aus der Schädlingsbekämpfung stamme, sei den wenigsten bekannt. „Das hat sich mittlerweile ein wenig geändert“, sagt Wolfgang Lastner. Und doch müssten sie sich immer wieder für ihre Arbeit rechtfertigen.

Mit Leib und Seele

Eigentlich wollte er den Familienbetrieb gar nicht übernehmen, sondern etwas Technisches machen. Als aber der Großvater darüber nachdachte, die Firma zu verkaufen, habe er seine Meinung geändert. „Aber schnell jetzt“, habe ihn seine Mutter motiviert, und so machte auch Wolfgang Lastner seinen Meister und übernahm 1995 den Betrieb, der heute drei feste Kürschner und zwei Schneidermeister beschäftigt – mit Leib und Seele, das merkt man ihm an, wenn er über sein Handwerk spricht.

Vieles habe sich mittlerweile verändert: Heute seien nur etwa 50 Prozent ihrer Arbeit neu designte Verkaufsware. Die Hälfte ihrer Tätigkeit seien Umarbeiten von älteren Stücken zu aktuell modischen Mänteln oder Jacken – wie der 40 Jahre alte Persianer, den eben eine Kundin vorbeigebracht habe.

Aus den wertvollen Stücken können die Kürschner eine neue Jacke oder auch nur einen Pelzbesatz und ein originelles Accessoire machen. Ihm falle immer etwas ein, sagt Wolfgang Lastner. „Geht nicht, gibt‘s nicht für mich“, schließlich ginge es häufig auch um eine emotionale Bindung der Kunden zu einem Kleidungsstück. Wohl auch deshalb ist der Kürschnermeister so erfolgreich: Auf Design- und Modellwettbewerben gewinnt er regelmäßig Preise, erst zuletzt ist er beim Internationalen Designwettbewerb des Zentralverbands in München für mehrere Modelle ausgezeichnet worden. (Verena Schmöller)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare