Die Hauptwache des Fliegerhorst in Fürstenfeldbruck.
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Die Hauptwache des Fliegerhorst in Fürstenfeldbruck. (Archivfoto)

Fürstenfeldbruck

Löschschaum in Fursty: PFC-Verdacht am Fliegerhorst bestätigt

  • VonStefan Reich
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Eine neue Untersuchung hat eine vermutete PFC-Belastung auf dem Fliegerhorst bestätigt. Eine größere Sanierung ist wohl nötig. Ob die Ergebnisse auch Folgen jenseits des Areals haben, ist offen.

Fürstenfeldbruck – Das neueste Altlasten-Gutachten für den Fliegerhorst Fürstenfeldbruck hat bestätigt, was frühere Untersuchungen schon nahegelegt haben. Auf dem ehemaligen Brucker Nato-Flugplatz gibt es ein Problem mit Per- und Polyflourierten Chemikalien, kurz PFC. Diese Stoffe sind Bestandteil von Löschschäumen. Einige stehen im Verdacht, in bestimmten Konzentrationen krebserregend zu sein. Wie schon bei Untersuchungen im vorletzten Jahr, haben sich auch bei der jüngsten Untersuchung im Fliegerhorst Konzentrationen von PFC gefunden, die teils über geltenden Schwellenwerten lagen.

Untersuchung am nördlichen Teil des Fliegerhorsts

Das aktuelle Gutachten war von einen Nürnberger Büro für die Bundesimmobilienagentur (BImA) erstellt worden. Untersucht wurde der nördliche, militärisch nicht mehr genutzte Teil des Fliegerhorstes, konkret der Boden rund um die Startbahn, die Feuerwachen und das Feuerlösch-Übungsbecken. Zudem wurde Grundwasser beprobt. Es handelte sich um eine sogenannte orientierende Untersuchung im Rahmen des Bundeswehr-Altlastenprogramms.

Vorausgegangen war eine Erfassung möglicher Kontaminationsflächen und eine Erstbewertung. Der nächste Schritt soll eine Detailuntersuchung mit konkreter Gefährdungsabschätzung sein. Dann wird ein Sanierungsplan erarbeitet. „Es ist wohl davon auszugehen, dass Maßnahmen notwendig sind“, teilt das Landratsamt als für Gefahrenabwehr zuständige Behörde mit. „Gefahr im Verzug besteht nicht.“

PFC sind sehr stabile chemische Verbindungen, die sich in Umwelt und lebenden Organismen kaum abbauen. Im Boden sind sie sehr mobil. Einmal im Erdreich, können sie über lange Zeit nach und nach ins Grundwasser ausgewaschen werden. An anderen ehemaligen Flugplätzen gibt es deshalb beispielsweise Verzehrverbote für Fische aus angrenzenden Gewässern. Landwirte oder Kleingärtner dürfen teils kein Grundwasser zum Gießen verwenden.

Schwellenwerte überschritten

Vor zwei Jahren waren auch außerhalb des Fliegerhorstes PFC festgestellt worden. Dabei wurden auch Schwellenwerte überschritten, aber nicht in einem Ausmaß, das konkrete Konsequenzen nach sich gezogen hätte. Ob die jüngste Untersuchung Folgen jenseits des Fliegerhorstes habe, könne man erst sagen, „wenn die fachtechnische Beurteilung des Gutachtens durch die Fachbehörde erfolgt ist“, heißt es vom Landratsamt. Dafür zuständig sei das Wasserwirtschaftsamt.

Nach derzeitigem Erkenntnisstand ist davon auszugehen, dass PFC vom Fliegerhorst aus über das Grundwasser in die Umgebung gelangen. Der unterirdische Grundwasserstrom erreicht den Fliegerhorst von Südwesten und fließt nach Nordosten ab. Der Abstrombereich – in ihm sind die PFC-Konzentrationen deutlich höher als im Anstrom – liegt in etwa zwischen dem Flüsschen Maisach und der B 471. PFC in der Maisach sind nachgewiesen bis Günding im Kreis Dachau.

Umfangreiche Sanierungen

Im Landkreis Fürstenfeldbruck ist jenseits des Fliegerhorstes vor allem Olchinger Gebiet betroffen. Erhöhte Werte wurden 2019 etwa im Bereich von Weihern in Gernlinden festgestellt. Der jetzt untersuchte nördliche Teil des Fliegerhorstes liegt größtenteils auf Maisacher Flur. Für Maisachs Bürgermeister Hans Seidl (CSU) lieferte das neue Gutachten „nichts, was nicht zu erwarten gewesen wäre“. Er erwartet, dass umfangreichere Sanierungen nötig werden. „Für zukünftige Nutzungen ist wichtig, dass das zeitnah passiert“, sagt Seidl. Er gehe aber davon aus, dass die Bundesrepublik sich darum kümmere. „Unsere bisherigen Erfahrungen, etwa beim bereits vom Fliegerhorst abgetrennten Bereich der Südumfahrung, waren da durchweg positiv.“ Dennoch sei jeder Käufer von Flächen in dem Bereich „gut beraten, das Thema Sanierung umfänglich in die Verträge aufzunehmen.“ PFC im Boden seien „eine Generationenbelastung“.

Viel Forschungsbedarf

Martin Höckenreiner geht davon aus, dass sich der Wissensstand, und damit der Sanierungsbedarf, auch später noch ändern kann. Höckenreiner ist Bodenschutz-Sachverständiger und Mitglied im Umweltbeirat der Stadt Fürstenfeldbruck. „Beim Thema PFC besteht noch viel Forschungsbedarf. Neueste Ergebnisse deuten darauf hin, dass Grenz- und Schwellenwerte in Zukunft verschärft werden könnten“, sagt er. Die Betroffenheit für die Stadt Fürstenfeldbruck könne man erst abschätzen, wenn auch für den südlichen Teil des Fliegerhorstes auf Brucker Flur entsprechende Untersuchungen vorlägen. Diese hat die Bundeswehr für nächstes Jahr angekündigt.

Für die Stadt wäre eine schnelle Altlastenuntersuchung des Südteils hilfreich. Aktuell steht ein städtebaulicher Wettbewerb an, der Nutzungskonzepte für die Zeit nach dem Bundeswehrabzug liefern soll. Und Sanierungskonzepte richten sich bisweilen nach zukünftigen Nutzungen, Nutzungen wiederum möglicherweise nach Belastung und Sanierungsaufwand. „Bei Sanierung geht es auch um Verhältnismäßigkeit“, sagt Höckenreiner.

Vereinfacht gesagt kann es in einen künftigen Industriegbiet reichen, Boden mit einem Parkplatz zu versiegeln, damit PFC nicht vom Regen ins Grundwasser ausgewaschen werden. Die Wirksamkeit müsse dann aber langfristig beobachtet werden, sagt Höckenreiner. Für ein Wohngebiet mit Spielplätzen müsste belasteter Boden wohl entfernt werden. Das gewählte Untersuchungskonzept findet Höckenreiner gut. Das Untersuchungsraster müsse aber mit zusätzlichen Messstellen noch deutlich verfeinert werden.

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