In unzählige Rollen aus dem Buch „Der ewige Spießer“ schlüpfen Kerstin Kreft und Alexander Schmiedel bei ihrer Premieren-Lesung. Foto: weber
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In unzählige Rollen aus dem Buch „Der ewige Spießer“ schlüpfen Kerstin Kreft und Alexander Schmiedel bei ihrer Premieren-Lesung.

„Der ewige Spießer“

Neue Bühne Bruck: Premiere hätte mehr Publikum verdient

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Mit einer szenischen Lesung aus Ödön von Horváths zeitlosem Roman „Der ewige Spießer“ hat die Neue Bühne Bruck (NBB) die Saison eingeleitet und die mehr als halbjährige Corona-Zwangspause beendet.

Fürstenfeldbruck – Kerstin Krefft und Alexander Schmiedel lieferten auf der Bühne eine Marathon-Leistung ab. Sie hätte deutlich mehr Zuschauer verdient gehabt, als zur Premiere den Weg in die NBB fanden.

„Der ewige Spießer“ ist ein Buch der kleinen Leute, der scheiternden Existenzen, die sich irgendwie durchwurschteln in einer Welt, in der man sich Menschlichkeit kaum noch leisten zu können glaubt. Man schreibt das Jahr 1929, die Weltwirtschaftskrise tobt, radikale Ideologien greifen um sich. Im Mittelpunkt der satirischen, nur lose miteinander verknüpften Szenen stehen Autoverkäufer Alfons Kobler, seine ehemalige Geliebte Anna Pollinger und der arbeitslose Josef Reithofer.

Kobler hat sich einen Haufen Geld mehr oder weniger ergaunert, reist damit nach Barcelona und will sich eine reiche Frau angeln. Das misslingt. Welche Überraschung – wer nur in der Mission Eigennutz unterwegs ist, dem wird auch in der Außenwelt nur Eigennutz begegnen. Anna Pollinger gerät auf ihrer Suche nach Liebe immer wieder an die falschen Männer, rutscht in die Prostitution und kann irgendwann kaum noch glauben, dass ihr jemand ehrlich helfen möchte. „Dass einem ein Mensch mit einem Rettungsring nachlaufen tät’, das gibt’s doch gar nicht.“

Doch, gibt’s – ein Funken Hoffnung in einer düsteren Welt. Krefft und Schmiedel schlüpfen – stimmlich wunderbar wandelbar – in die verschiedenen Rollen und bewegen sich synchron zwischen Stühlen und Barhockern. Zugegeben, einer Lesung zu folgen, verlangt vom Zuschauer mehr Konzentration als ein Theaterstück. Da eine gespielte Handlung weitgehend fehlt, gibt es umso mehr Text. Wenn der aber so gut beobachtet, ironisch, entlarvend und allgemeingültig ist wie dieser, und wenn er dann noch so glänzend vorgetragen wird wie hier, dann ist ein gelungener Theaterabend garantiert.

Warum das NBB-Publikum, das normalerweise jede Premiere bis auf den letzten Platz besetzt, dieses Mal so zurückhaltend war, ist ein Rätsel. Selbst die aufgrund der Abstandsregeln ausgedünnten Stuhlreihen blieben zu mehr als der Hälfte leer. Umso lauter klatschten die, die da waren.

Die Vorstellungen

von „Der ewige Spießer“ an der Neuen Bühne Bruck gehen am 9., 10., 16. und 17. Oktober weiter. Beginn ist jeweils um 20 Uhr. Kartenreservierung über die Internetseite www.buehne-bruck.de.

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