Rund 25 000 Autos queren jeden Tag die Kreuzung von Schöngeisinger und Rothschwaiger Straße. Trotz Ampelanlage kommt es hier regelmäßig zu Unfällen. Das soll sich nun ändern.
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Rund 25 000 Autos queren jeden Tag die Kreuzung von Schöngeisinger und Rothschwaiger Straße. Trotz Ampelanlage kommt es hier regelmäßig zu Unfällen. Das soll sich nun ändern.

Fürstenfeldbruck

Unfallschwerpunkt soll entschärft werden - doch unklar ist, wie

  • Thomas Benedikt
    VonThomas Benedikt
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Regelmäßig kommt es an der Kreuzung von Rothschwaiger- und Schöngeisinger Straße zu Unfällen. Ein Ingenieur-Büro hat nun vier Varianten erarbeitet, wie die Stelle entschärft werden kann. Diskutiert wurde im Umwelt- und Verkehrsausschuss aber vor allem ein fünfter Vorschlag, den das Verkehrsforum erarbeitet hat.

Fürstenfeldbruck – Die Variante des Verkehrsforums, die Thomas Brückner (Grüne), dem Ausschuss präsentierte, sieht einen umfassenden Umbau des Kreuzungsbereichs vor. Um eine Mittelinsel herum soll eine Art Halb-Kreisel entstehen, auf den von vier Richtungen jeweils nur über eine Ampelschaltung eingefahren werden kann. Fußgänger und Radfahrer könnten die Kreuzung nach diesem Modell auf die sogenannte „holländische Art“ queren. Das bedeutet, dass sie jeweils im 90-Grad-Winkel zum Autoverkehr über die Fahrbahn gelangen. Das Problem des toten Winkels wäre bei dieser Lösung damit beseitigt.

Ecke Rothschwaiger- und Schöngeisinger Straße: So könnte es gehen

Der Vorschlag stieß im Ausschuss für Umwelt, Verkehr und Tiefbau auf großes Interesse. „Das hat einen gewissen Charme. Es würde sich lohnen, das durchzurechnen“, meinte Christian Götz (BBV) und sprach damit die offene Frage des Modells an: Es wurde bisher nicht auf seine Leistungsfähigkeit untersucht. Frank Trebus vom Ingenieurbüro Vössing, das die anderen Varianten für die Kreuzung erarbeitet hat, wollte dazu keine spontane Einschätzung abgeben. Weder zur Leistungsfähigkeit noch zu den Kosten. Nur so viel: „Das ist ein hoch interessanter Vorschlag.“

Doch nicht alle teilten diese Begeisterung. Martin Kellerer (CSU) plädierte für eine weniger aufwendige Variante, wie sie vom Ingenieurbüro Vössing zuvor vorgestellt worden war. Eine Steigerung der Sicherheit könne schon mit einer Veränderung der Ampelschaltung erreicht werden. Allerdings könnten auch dafür, je nachdem, ob die benötigten Leer-Rohre schon vorhanden sind, Kosten zwischen 140 000 und 265 000 Euro entstehen. Trotzdem sagte Kellerer: „Das ist kostengünstig und schnell zu realisieren.“

Ecke Rothschwaiger- und Schöngeisinger Straße: Auch an Radler denken

Man müsse aber nicht nur an den Autoverkehr denken, sondern auch an Radfahrer und Fußgänger, forderten Alexa Zierl (ÖDP) und Mirko Pötzsch (SPD). Dem entgegnete Michael Piscitelli (CSU), dass er dort kaum Fußgänger beobachte.

Die nach Ansicht des Ingenieurbüros beste Variante wäre eine Umwandlung in eine Standardkreuzung. Die eigene Spur für Rechtsabbieger, die regelmäßig zu Missverständnissen und Unfällen führt (siehe unten), würde dann wegfallen. Eine andere Möglichkeit sei ein Kreisverkehr mit einer Bypasslösung für die Rechtsabbieger auf der Schöngeisinger Straße. Für die setzte sich Markus Droth ein, auch wenn Frank Trebus meinte, dass er die eigentlich nicht für praktikabel hält, weil die Sicherheit für den Radverkehr nicht gegeben sei.

Ecke Rothschwaiger- und Schöngeisinger Straße: Drei Varianten zur Prüfung

Am Ende einigte sich das Gremium darauf, dass drei Varianten noch eingehender geprüft werden sollen: Die Standardkreuzung, eine etwas andere Modellierung des Kreisverkehrs und der Vorschlag des Verkehrsforums. Außerdem sollen Lösungen erarbeitet werden, wie auf kostengünstigem Weg und schnell umsetzbar die Sicherheit an der Kreuzung zumindest übergangsweise verbessert werden kann. Denn wie Oberbürgermeister Erich Raff betonte: „Wir brauchen jetzt eine Lösung.“

72 Male hat´s gekracht

Dass an der Kreuzung dringender Handlungsbedarf besteht, belegen die Zahlen, die Frank Trebus (Ingenieurbüro Vössing) und Oliver Erhardt (Polizei Fürstenfeldbruck) dem Ausschuss präsentierten. Von 2016 bis 2018 – diesen Zeitraum untersuchte das Ingenieurbüro – gab es 34 Unfälle. Dabei wurden 20 Personen leicht und eine schwer verletzt. Zwölf der Unfälle ereigneten sich bei Abbiegevorgängen. Ganz ähnlich sind die Zahlen von 2018 bis 2020. 38 Mal hat es in dem Zeitraum gekracht, wie Oliver Erhardt berichtete. Und wieder sind Vorfahrtsmissachtungen die häufigste Ursache. 25 Mal war das der Unfallgrund.

Kurios: Trebus wäre selbst beinahe Zeuge eines solchen Unfalls geworden. Bei dem Ortsbesuch an der Kreuzung wäre fast ein Radfahrer mit einem Auto zusammengestoßen, erzählte Trebus dem Ausschuss. Grund war auch in dem Fall wieder ein Missverständnis zur Vorfahrtsregel beim Abbiegen. ben

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