+
Nach der Eier-Rückruf-Aktion 

Direktvermarkter in Angst

Nach Eier-Rückruf: Bauernmarkt extrem hart getroffen - Landwirt zieht Konsequenzen

  • schließen

Nach der Rückruf-Aktion von Unser-Land-Eiern herrscht bei vielen Landwirten Verunsicherung. Der Landwirt, der Eier zurückrufen musste, zieht unterdessen Konsequenzen. 

  • Nach einem Eier-Rückruf sind viele Landwirte verunsichert. 
  • Den Bauernmarkt in Fürstenfeldbruck hat es extrem hart getroffen.
  • Ein vom Rückruf betroffener Landwirt zieht Konsequenzen. 

Fürstenfeldbruck – „Die Landwirte werden in die Defensive gedrückt. Was da passiert ist, das war ein Dammbruch“, sagt Max Keil über die Eier-Rückruf-Aktion in der vorletzten Woche. Als Vertreter der Bauernquelle ist Keil in ständigem Kontakt mit den Direktvermarktern, die auf dem von dem Verein organisierten Brucker Bauernmarkt ihre Waren verkaufen. Keil berichtet von einer großen Verunsicherung unter den Landwirten. „Keiner weiß so recht wie es weitergeht.“

Nach Eier-Rückruf - Landwirt gibt Stand am Bauernmarkt in Fürstenfeldbruck auf

Was den Bauernmarkt extrem hart trifft: Der Dinkel-Hof, der Eier wegen eines Bakteriums auf der Schale zurückrufen musste, hat angekündigt, seinen Stand auf dem Markt auf dem Areal des Klosters Fürstenfeld aufzugeben.

„Die Turbulenzen der letzten Wochen haben uns zu der Erkenntnis kommen lassen, dass es für uns nicht mehr möglich ist, so ohne weiteres in den normalen Alltag überzugehen.“ So heißt es in einem Flyer des Dinkel-Hofes, der am Markt verteilt wurde. Und weiter: „Wir haben uns daher entschieden, unseren Stand mit sofortiger Wirkung aufzugeben.“ Das hinge einerseits mit der Rückrufaktion zusammen, die die Landwirts-Familie in ihrer Wucht total überrascht habe und dem damit verbundenen behördlichen Auflagen. Aber auch gesundheitliche Gründe spielten eine Rolle.

Die Eier-Produktion am Hof wird nach Rückruf halbiert: Verkauf nur mehr am Hofladen

Wie Michael Dinkel auf Tagblatt-Nachfrage erklärt, werde die Eier-Produktion nach der Eier-Rückruf-Aktion am Hof halbiert. Die Eier soll es künftig nur noch im eigenen Hofladen zu kaufen geben. Auch die Zusammenarbeit mit der Solidargemeinschaft Unser Land werde enden. Damit gibt es die Dinkel-Eier auch nicht mehr in den diversen Supermärkten, mit denen Unser Land zusammenarbeitet. „Wir wollen unsere Eier nicht mehr so weit streuen.“

Damit verknüpft sich die Hoffnung, nicht sofort wieder ins Visier der Kontrolleure zu kommen. Denn Dinkel ist überzeugt: Dass bei Kontrollen etwas gefunden werde, könne man nie ganz vermeiden. Durch die Reduzierung der Produktion könne auch der Bauernmarkt nicht mehr bedient werden.

Insgesamt ist Michael Dinkel davon überzeugt, dass die vielen Rückrufaktionen schädlich sind. „Wenn ich wegen jedem Schmarrn einen Rückruf mache, dann vermittelt das den falschen Eindruck, dass die Lebensmittel immer mehr verunreinigt sind.“ Insgesamt ist Dinkel überzeugt, dass sich viele Leute mit Lebensmitteln zu wenig auskennen. Ein Anrufer, der die von der Rückrufaktion betroffenen Eier zuhause hatte, beispielsweise habe wissen wollen, ob er Sagrotan darauf sprühen soll.

Zermürbende Lage der Bauern: „Soll ich mir diesen Wahnsinn antun?“

Eine ähnliche Sicht wie Dinkel vertritt Max Keil von der Bauernquelle. Er will den Dialog zwischen Erzeuger und Verbraucher stärken, wobei er auch berichtet, dass es viel positiven Zuspruch für die Direktvermarkter gebe. „Diesen Geist muss man auch wieder in die Köpfe der Bauern bringen“, sagt Keil. Sonst sei die Situation für viele Landwirte geradezu zermürbend.

Gerade die jüngeren fragten sich: „Soll ich mir diesen Wahnsinn antun?“ Keil will dem aber mit Optimismus begegnen. Die Gemeinschaften Bauernquelle und Brucker Land seien der richtige Weg gewesen. Beides dümpele aber auch nur noch so vor sich hin und müsse aufgefrischt werden. „Wir müssen den alten Geist wieder aufleben lassen.“

Besonders bitter sei es, dass ein so renommierter Hof den Markt verlasse. „Die haben überhaupt nichts verbrochen. Die haben nur frische Eier zum Kontrolleur gegeben.“ Und der müsse halt auch was finden, sonst bräuchte es ihn ja nicht. Außerdem lässt Keil durchblicken, dass im Landkreis halt sehr genau hingeschaut werde.

Nudeln und Eierlikör vom Dinkel-Hof wird es indes weiter am Stand am Bauernmarkt geben. Den Eierverkauf am Stand wird die Familie Holzmüller aus Grunertshofen übernehmen.

Fragen und Antworten: Das sagt das Landratsamt

Viele empfinden die Rückruf-Aktion als komplett überzogen. Warum musste das Landratsamt einschreiten?

Bei allen lebensmittelrechtlichen Maßnahmen steht der Schutz des Verbrauchers vor gesundheitlichen Schäden an erster Stelle. Campylobacter ist bei uns der häufigste bakterielle Erreger von Darminfektionen. Neben Durchfall treten in seltenen Fällen Spätfolgen wie Arthritis und das Guillain-Barré Syndrom auf, eine autoimmune Erkrankung des peripheren Nervensystems, welche zu Lähmungserscheinungen führen kann. Eine Gesundheitsgefahr für den Verbraucher besteht insbesondere bei der Zubereitung von Speisen, die vor dem Verzehr nicht mehr auf Kerntemperaturen erhitzt werden, die Keime sicher abtötet. Deshalb wurden die Eier nach dem Nachweises dieses Zoonoseerregers auf den Eiern durch das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit als gesundheitsschädlich und nicht sicher beurteilt. Der Landwirt musste die Charge mit den betroffenen Eiern zurückrufen und öffentlich vor dem Verzehr der rohen Eier beziehungsweise roheihaltiger Speisen warnen. 

Hatte die Behörde einen Spielraum oder war der Rückruf unabwendlich

Bei der Einstufung eines Lebensmittels als gesundheitsschädlich bleibt für den Lebensmittelunternehmer keine Alternative zu einem Rückruf und zur Warnung der Verbraucher. Wenn ein Lebensmittelunternehmer dieser Pflicht nicht nachkommt, erfolgt die öffentliche Warnung durch den Staat. 

Viele andere Landwirte haben jetzt die Sorge: Wann erwischt es mich? Was antwortet das Landratsamt denen?

Der Nachweis von Campylobacter auf Eiern ist sehr selten. Nach unserer Information ist es der erste Fall in diesem Jahr in ganz Südbayern. Für die Erzeuger ist wichtig, dass sie größten Wert auf ein Hygienemanagement in ihrer Eierpackstelle legen, damit es dort zu keiner Kontamination durch verschmutzte Eier kommt. 

Haben sich die Vorschriften in Bezug auf Lebensmittel in vergangener Zeit signifikant verschärft? 

Nein. Die einschlägigen Vorschriften stammen aus dem Jahr 2002.

Zur Vorgeschichte: 

Nach der Rückruf-Aktion von Eiern von Unser Land wurden Eier zurückgegeben - doch weniger als erwartet. 

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Landwirte protestieren bei Grünen-Veranstaltung
Während die Grünen-Politikerin Claudia Roth im Hotel Paintner in Germering sprach, versammelten sich vor der Tür einige Landwirte um zu protestieren.
Landwirte protestieren bei Grünen-Veranstaltung
Radfahrerin prallt gegen Auto
Zu einem Unfall zwischen einer Radfahrerin und einer Autofahrerin ist es am Freitagvormittag auf der Daxerstraße gekommen. Die Radlerin prallte gegen das …
Radfahrerin prallt gegen Auto
Anrufer ergaunert 1100 Euro
Weil er leichtgläubig einem ihm unbekannten Anrufer vertraut und die Zugangsdaten zu seinem Konto verraten hat, ist ein Germeringer um 1100 Euro erleichtert worden. Die …
Anrufer ergaunert 1100 Euro
100 Jahre Liedertafel: Messe als Geschenk
Wenn jemand seinen 100. Geburtstag feiert, gibt es besondere Geschenke. Das erleben nun die Mitglieder der Liedertafel Günzlhofen. Zum Jubiläumsfest bekommen sie eine …
100 Jahre Liedertafel: Messe als Geschenk

Kommentare