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Sie weiß, wie es geht: Monika Mihm-Zimmermann schneiderte vor 30 Jahren ihr erstes Amperland-Gwand

Brauchtum

Das Amperland-Gwand: Sechs Monate nähen für die eigene Tracht

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Eine selbstgenähte Tracht ist etwas Besonderes, aber auch eine richtige Herausforderung. Die Bruckerin Monika Mihm-Zimmermann hat zum 60. Jubiläum ihres Handarbeitsladens einen Nähzirkel organisiert, in dem ihre Kundinnen unter Anleitung ihr eigenes Amperland-Gwand schneidern können.

Fürstenfeldbruck – Nach und nach trudeln sie ein, die Damen, die sich seit Herbst einmal wöchentlich zu ihrem kleinen Nähzirkel treffen. Acht Frauen unterschiedlichen Alters sind es, die sich angemeldet haben, um unter Anleitung ihr eigenes Trachtengewand herzustellen. Ihr eigenes Amperland-G’wand.

Das sei eine Abwandlung einer alten Tracht, die man in der erneuerten Form etwa seit den 1950er-Jahren zwischen Dachau und Starnberg gerne trägt, erklärt Monika Mihm-Zimmermann, Betreiberin des Handarbeitsladens Mummert in der Pucher Straße. Sie hat zu dem Nähzirkel eingeladen.

Vor 30 Jahren hatte sie in einem Kurs für sich so ein Amperland-Gwand genäht. Und zum 60. Bestehen ihres Ladens – eröffnet hatte ihn 1959 ihre Großmutter – wollte sie selbst einen Trachten-Nährkurs anbieten. Also stellte sie eine Modepuppe mit ihrer Tracht im Laden aus.

„Das hat mir sofort gefallen, und ich bin immer um die Figur rumgeschlichen“, erzählt Margit, eine Teilnehmerin, und breitet ihre Sachen auf dem langen Tisch aus, der in dem Raum im ersten Stock über dem Laden steht. Beim ersten Treffen im Oktober wurde Maß genommen. Seitdem werkeln die Damen unter der fachkundigen Anleitung und Aufsicht von Schneidermeisterin Ulrike Ücker vor sich hin.

Man muss sich richtig reinhängen

Der Schnitt war vorgegeben, die Farben durften frei gewählt werden. An der Nähmaschine wurde erstmal noch nicht gearbeitet. Zeitaufwendig war das Zuschneiden, vor allem für die Blusen. „Man muss sich richtig reinhängen und mit Ruhe und Konzentration arbeiten“, sagt Monika Mihm-Zimmermann. „Es ist nicht so wie beim Stricken, das man oft so nebenbei machen kann.“ Aber wenn im Januar die Stickerei-Arbeiten anstehen, gibt es auch „wieder mehr Raum für Gespräche zwischendurch“, sagt sie.

Hausaufgaben gibt es natürlich auch für die Teilnehmerinnen des Nähzirkels. Sonst schafft man das Ganze nicht, denn die wöchentlich knapp drei Stunden Arbeit im Nähzirkel reichen nicht aus. Rock, Unterrock, Bluse, Schürze und ein schnürbares Mieder mit Goldstickerei auf dem austauschbaren Mittelstück fertigen die Teilnehmerinnen selbst.

„Die Damen wagen sich hier an etwas ran, was ein Lehrling im dritten Lehrjahr macht“, betont Ulrike Ücker und wirft einen prüfenden Blick in die Runde. Und schon ist sie bei der nächsten Dame, hilft mit dem Schürzenband. Einige nähen sich zum ersten Mal ein Trachtengewand, manche haben das schon etliche Male gemacht.

Die neue Kreisheimatpflegerin ist mit dabei

So wie Ingeborg Heining. Auch die neue Kreisheimatpflegerin gehört zum Nähzirkel „So ein Dirndl braucht man schon für mein Amt“, sagt sie. Und sie will es „recht genau“. Ein Fehler, meint sie, „würde mich immer stören“. Die Arbeit hat für sie durchaus etwas Meditatives. „Aber das Licht muss gut sein, sonst wird das nichts.“

Derweil bindet sich Ulrike Ücker eine Schütze um und zeigt, wie der perfekte Dirndlknoten geht. Ihre Finger wirbeln schnell um den Stoff und der Knoten sitzt perfekt. Und auf mehrfachen Wunsch zeigt sie es auch noch einmal. „Ohne sie ginge es hier wirklich nicht“, sagt Monika Mihm-Zimmermann. Die Schneidermeisterin ist jetzt in Rente, deswegen „hat sie jetzt auch Zeit für uns“, sagt die Mummert-Chefin.

Ein knappes Vierteljahr hat sie eingeplant für den Kurs. „Wir müssen halt auch schauen, wie wir vorankommen.“ Sie selbst arbeitet derzeit an den Mustern für die Goldstickerei. „Ich kann mir ja auch nichts einfach aus dem Ärmel schütteln“, sagt sie und lacht. Das Besondere an der Tracht, an der hier beim Nähzirkel gearbeitet wird: „Es ist besonders änderungsfreundlich.“ Nach einer Schwangerschaft drei, vier Zentimeter herauszuholen, „das geht schon. Das fällt gar nicht auf“, sagt Mihm-Zimmermann.

Überhaupt ist es das Praktische und Pragmatische, was das Amperland-Gwand ausmacht. Mit kleinen Änderungen lässt sich das Amperland-Gwand zu vielen Anlässen tragen. Eine schwarze Schürze und ein schwarzes Mittelstück, statt dem goldbestickten, schon wird aus einem festlichen Gewand eine angemessene Trauerkleidung.

Und eine Rohrversteifung im Mieder, wie etwa bei der traditionellen Miesbacher Tracht, gibt es nicht. Bei einer Hochzeit kann man es zum Beispiel im Laufe der Feier etwas lockerer schnüren, sagt Mihm-Zimmermann und schmunzelt. „Man kann es auch alleine anziehen, braucht kein Zofe dafür.“

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