Im Modehaus Fuchsweber in der Fürstenfeldbrucker Innenstadt dürfen künftig nur noch 65 statt wie bisher 130 Kunden gleichzeitig einkaufen.
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Im Modehaus Fuchsweber in der Fürstenfeldbrucker Innenstadt dürfen künftig nur noch 65 statt wie bisher 130 Kunden gleichzeitig einkaufen.

Fürstenfeldbruck

Shopping-Sonntag soll Weihnachten retten

  • Kathrin Böhmer
    vonKathrin Böhmer
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Die neuen Corona-Regeln treffen große Geschäfte hart. Es wird befürchtet, dass sich vor Weihnachten Menschenmassen vor den Läden tummeln – und die Ansteckungsgefahr steigt. Aus Bruck kommt ein Vorstoß, um das zu verhindern: verkaufsoffene Sonntage. Supermärkte richten eine dringende Bitte an ihre Kunden.

Fürstenfeldbruck – Das Modehaus Fuchsweber in Fürstenfeldbruck hat 1600 Quadratmeter Verkaufsfläche. Bislang durften um die 130 Kunden hinein – also ein Kunde pro zehn Quadratmeter (plus Personal). Jetzt sind es nur noch die Hälfte und somit 65 Kunden.

Das Problem: Schon unter der alten Regelung und vor dem Advent gab es teils Engpässe, wie Geschäftsführer Frank Röhner berichtet. „Am Samstagmittag stoßen wir an unsere Grenzen.“ Dann drohen Warteschlangen, die ausdrücklich vermieden werden sollen, noch dazu in der Kälte. „Das ist genau das, was wir unseren Kunden in der jetzigen Situation nicht zumuten wollen.“

Kundenstrom entzerren

Für den Fuchsweber und alle anderen Geschäfte über 800 Quadratmeter Verkaufsfläche (in Bruck etwa 20 Prozent) gilt bis zum 20. Dezember: Nur noch die Hälfte darf rein. „Es ist ein Kompromiss, mit dem wir leben müssen“, sagt Modehaus-Chef Röhner. So ganz nachvollziehbar sei es für ihn dennoch nicht, warum nur die Läden mit viel Platz noch strengere Auflagen bekämen. „20 Quadratmeter pro Person sind viel.“

Natürlich habe es Priorität, den Inzidenzwert zu senken und Weihnachten zu retten. Aber gerade deshalb müsse man den Kundenstrom entzerren. Röhner hatte schon vergangene Woche einen dringenden Appell an die Politik angestoßen: Die Geschäfte sollen rund um die Feiertage sonntags aufmachen dürfen – quasi als Corona-Blitz-Hilfspaket jenseits des geltenden Ladenschlussgesetzes. Normalerweise darf nur im Rahmen eines kulturellen Anlasses sonntags geshoppt werden – etwa beim Altstadtfest.

Sonntag vor dem Fest Läden öffnen

Volle Zustimmung fand Röhner im Regionalausschuss der IHK, in dem er mit 16  Unternehmern aus dem Landkreis sitzt. Neben den Risiken für die Kunden spielen wirtschaftliche Interessen (auch nach Wegfall der eigentlichen Marktsonntage in diesem Jahr) eine Rolle. Der Vorsitzende Michael Steinbauer warnt: „Wir dürfen kein Ladensterben riskieren.“ Je unzumutbarer die Situation beim Einkaufen werde, desto eher bestellen die Menschen ihre Geschenke im Internet – wo es 24 Stunden an jedem Tag möglich ist.

Weitere Sorge der Einzelhandelsvertreter: Hamsterkäufe. Das betrifft vor allem die Supermärkte. Diese sollen ebenso sonntags öffnen dürfen.

Auch AEZ-Geschäftsführer Udo Klotz macht sich Gedanken. Im Ikarus-Center in Puchheim und in den anderen Märkten im Landkreis ist zu normalen Zeiten schon einiges geboten. Klotz meint: „Ich könnte mir vorstellen, zum Beispiel den Sonntag vor Weihnachten zu öffnen.“

Er setzt aber auch auf die Vernunft. „Es wäre hilfreich, wenn die Kunden kurz vor Heiligabend nur noch frische Lebensmittel kaufen und länger Haltbares schon die Wochen vorher.“ Die frischen Sachen gingen nämlich deutlich schneller. Die Kassen sollen in jeden Fall voll besetzt sein, dass keine langen Schlangen entstehen.

Schwere Zeiten fürs Personal

Bei der Diskussion dürfe man aber eines nicht vergessen: den Schutz der Mitarbeiter. „Das Personal hat eh schon schwere Zeiten.“ Und wenn die Hälfte der Supermarkt-Verkäufer ausfalle, laufe sowieso nichts mehr.

Ähnliches hört man vom Bürobedarfs-Geschäft Treffpunkt Wagner. „Es ist schon so ein sehr langer und anstrengender Tag, weil wir ja immer Maske tragen müssen“, erklärt Filialleiterin Brigitte Hannig. Und auch Verkäufer würden sich einmal eine „stade Zeit“ wünschen. „Außerdem ist es schwierig, den Leuten zu sagen, sie sollen daheim bleiben und zeitgleich einen verkaufsoffenen Sonntag zu veranstalten.“

Franz Höfelsauer, Sprecher des Brucker Gewerbeverbandes, spricht sogar von einem verfehlten Signal. Allerdings wäre er zumindest nicht abgeneigt, den letzten Adventssonntag zu öffnen. „Ich fürchte nur, dass das Interesse beim Brucker Einzelhandel zum größeren Teil nicht vorhanden ist.“ Das belege eine Umfrage vom August.

Vielleicht bringt ja ein Blick nach Olching Erkenntnisse: Am Sonntag sind die Geschäfte dort geöffnet. Allerdings mit obligatorischem Anlass: der Krippenwegseröffnung. Bürgermeister Andreas Magg sieht das als wichtige Maßnahme. Er ist überzeugt: „Die Innenstädte sind durch Corona wirtschaftlich gefährdeter denn je.“

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