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Abgeschnitten von der Außenwelt: Fürstenfeldbruckerin arbeitet ein Jahr lang in der Antarktis

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Auf dem Globus zeigt Theresa Thoma die Antarktis. Dort wird die 26-Jährige ein Jahr auf einer Forschungsstation arbeiten. Derzeit befindet sie sich auf der Schiffsreise dorthin.
Auf dem Globus zeigt Theresa Thoma die Antarktis. Dort wird die 26-Jährige ein Jahr auf einer Forschungsstation arbeiten. Derzeit befindet sie sich auf der Schiffsreise dorthin. © tb

Keine Möglichkeit, die Außenwelt zu erreichen. Monatelang nur die selben neun Menschen um sich. Diese schwierigen Bedingungen wird eine Bruckerin bald erleben. Sie hat für ein Jahr auf einer Forschungsstation in der Antarktis angeheuert.

Fürstenfeldbruck – Einen einsameren Ort kann man sich kaum vorstellen. Die vom Alfred-Wegener-Institut betriebene Forschungsstation Neumayer III in der Antarktis ist 4400 Kilometer von der nächsten Stadt entfernt – Kapstadt in Südafrika. Die nächsten Nachbarn leben mehr als 200 Kilometer weit weg in der nächsten Forschungsstation. Im antarktischen Winter, von März bis November, ist die Station von außen gar nicht erreichbar. Schiffe können wegen des vielen Meereises nicht an sie heranfahren, und auch für Flugzeuge ist die Luft mit Temperaturen von bis zu minus 50 Grad zu kalt.

Fürstenfeldbruck: 26-Jährige arbeitet auf Forschungsstation in der Antarktis - bei bis zu minus 50 Grad

Genau dort wird die Fürstenfeldbruckerin Theresa Thoma nun über das nächste Jahr arbeiten. Die 26-Jährige hat bereits als Kind gerne an elektronischen Geräten gebastelt. Ab dem zwölften Lebensjahr war sie beim Elektronikbasteln im Brucker Ortsverband des Deutschen Amateur-Radio-Clubs aktiv, und erhielt letztlich nach ablegen der Amateurfunkprüfung auch ihr eigenes Rufzeichen, DC1TH.

„Ich dachte erst, dass das eine Schnapsidee ist, aber dann ließ mich der Gedanke einfach nicht mehr los“

Und es blieb nicht beim Hobby: An der Hochschule München machte Theresa Thoma noch den Bachelor in Elektrotechnik sowie ihren Master in Informatik. Mit den akademischen Auszeichnungen und dem Amateurfunkzeugnis war sie bestens vorbereitet für eine Stellenanzeige des Alfred-Wegener-Instituts. „Ich dachte erst, dass das eine Schnapsidee ist, aber dann ließ mich der Gedanke einfach nicht mehr los“, erzählt die 26-Jährige. Und sie wurde genommen.

Arbeiten in der Antarktis: Monatelange Trainingsphase - und mehrere Wochen Quarantäne

Auf die Bewerbung folgte eine monatelange Trainingsphase gemeinsam mit dem Rest des zehnköpfigen Überwinterungsteams. Das besteht aus fünf Forschern, drei Technikern, einem Koch und einem Arzt. „Wir haben zum Beispiel eine Woche auf einem Gletscher gecampt“, erzählt Thoma. Außerdem gab es viele Teambuilding-Maßnahmen und natürlich auch Einweisungen in die Technik auf der Station. Dann folgten mehrere Wochen Quarantäne.

Kurz vor Weihnachten ging es für die Fürstenfeldbruckerin nach einer mehrwöchigen Quarantäne mit dem Schiff „Polarstern“ in Richtung Antarktis los. Vier Wochen dauert es, bis das Schiff am Ekström-Schelfeis ankommt. Auf der Forschungsstation wird sich die Fürstenfeldbruckerin vor allem um die IT-Ausrüstung der Station kümmern und Computerprobleme lösen.

Forschungsstation in Antarktis: Fürstenfeldbruckerin kümmert sich um IT-Ausrüstung und Computer-Probleme

Das ist aber nur eine ihrer Aufgaben: Die Amateur-Funkerin wird auch die Windkraftanlage der Pinguinbeobachtungsstation schmieren und Daten der Unterwassermikrofone zur Beobachtung der Meeressäugetiere auslesen. „Außerdem sind wir im Überwinterungsteam natürlich alle in der Stationsfeuerwehr“, sagt die 26-Jährige. Denn es sei ja sonst niemand vor Ort, falls es mal brennen würde.

Der rote Schneeanzug gehört zur Schutzkleidung (oberes Foto). Darunter kommen mehrere Schichten wärmende Kleidung, um die kalte Polarnacht zu überstehen.
Der rote Schneeanzug gehört zur Schutzkleidung. Darunter kommen mehrere Schichten wärmende Kleidung, um die kalte Polarnacht zu überstehen. © tb

Mit die größte Herausforderung im antarktischen Winter ist die Kälte. Für die 60-tägige Polarnacht muss man sich sehr warm anziehen. „Wir haben lange Unterwäsche, dann noch eine Schicht lange Fleece-Unterwäsche, eine weitere Schicht Kleidung, darüber einen roten Schneeanzug“, zählt Theresa Thoma auf. Falls das noch nicht reiche, gebe es dann auch noch Daunenjacken zum Überziehen. Neben mehreren Schichten Handschuhe sei außerdem sehr wichtig, dass die Skibrillen dicht anliegen. „Sonst kommt es bei den Temperaturen leicht zu Erfrierungen,“ erklärt die 26-Jährige.

Arbeiten in der Antarktis: Größte Herausforderung ist die Kälte im antarktischen Winter

Aber selbst in der Polarnacht sind die Fürstenfeldbruckerin und der Rest des Überwinterungsteams nicht völlig isoliert. Es gibt einen Internetanschluss über Satellit. Dieser ist zwar mit nur einem Mbit, welches sich die zehn Personen auch noch mit den Forschungsdaten teilen müssen, nicht sonderlich schnell. Doch zum Telefonieren oder für E-Mails, um mit der Außenwelt in Kontakt zu bleiben, reicht es. Nach etwas über einem Jahr auf der Antarktischen Forschungsstation ist Thoma dann erst im Februar 2022 wieder zurück in der Heimat.

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(Von Sven Behrens)

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