Die beiden Windräder bei Mammendorf und Malching.
+
Die beiden Windräder bei Mammendorf und Malching.

Fürstenfeldbruck

Stadtwerke: Die Hürden für die Windkraft sind zu hoch

  • Andreas Daschner
    VonAndreas Daschner
    schließen

Acht Windräder im Landkreis: So viele sind nach Ansicht von Jan Hoppenstedt, Geschäftsführer der Stadtwerke Fürstenfeldbruck, nötig, um die Energiewende regional zu schaffen. Doch die politischen Hürden seien groß.

Fürstenfeldbruck – Katastrophale Fluten, riesige Waldbrände, immer öfter Dürresommer. Angesichts der Auswirkungen des Klimawandels werden die Rufe nach der Energiewende immer lauter. „Alle wollen doch das Gleiche“, sagt Hoppenstedt. „Also warum tun wir es nicht einfach?“ Der Willen, den der Geschäftsführer der Stadtwerke meint, ist der nach einer 100-prozentigen Versorgung des Landkreises mit Strom aus erneuerbaren Energien. Das sei ohne Windkraft aber nicht zu schaffen, meint Hoppenstedt.

An zwei Anlagen in Malching und Mammendorf sind die Stadtwerke im Landkreis beteiligt. Beide würden wirtschaftlich betrieben, wie Hoppenstedt betont. Weitere mögliche Standorte gebe es. Auch die dortigen Kommunen würden im Prinzip für die Windkraft offen sein. Weil aber noch nichts spruchreif ist, will der Stadtwerkechef auch nicht sagen, um welche Stellen es geht.

Die Windkraft und die zivile Luftfahrt

Dass sich die Realisierung so schwer gestaltet, liege an den hohen Hürden, die von der Politik errichtet würden. Eine davon ist die zivile Luftfahrt, wegen der in der Region die Höhe der Windräder auf nicht mehr wirtschaftliche 200 Meter begrenzt sei. Nötig wären 250 Meter. Markus Wäcker, Projektentwickler und Referent für erneuerbare Energien bei den Stadtwerken, hält die festgesetzten Abstandswerte nicht für realistisch: „Wir reden hier über Flughöhen von 500 Metern, die bei der zivilen Luftfahrt doch eher unüblich sind.“ Hoppenstedt fordert einen runden Tisch mit Politik und ziviler wie militärischer Luftfahrt, bei der die tatsächlich nötigen Höhen neu festgelegt werden.

Die Windkraft und gefährdete Arten

Sprechen müsse man auch über den Windenergieerlass, in dem der Artenschutz geregelt ist. Darin seien viele Vögel und Fledermäuse genannt, „die bei uns nicht zu den gefährdeten Arten zählen“, so Wäcker. Das liefere dem Verein für Landschaftspflege und Artenschutz (VLAB) viele Klagegründe. Hoppenstedt hält es für einen Skandal, „dass der VLAB den Windenergieerlass eigentlich missbräuchlich nutzt“. Hinweise, dass durch die Windräder in Malching und Mammendorf Tiere ums Leben gekommen seien, gebe es nicht.

Die Windkraft und der Widerstand

Und nicht zuletzt müsse man auch den bayerischen Sonderweg der 10H-Regel diskutieren. Diese besagt, dass Windkraftanlagen das zehnfache ihrer Höhe an Abstand zur Wohnbebauung einhalten müssen. Die Regel an sich sei dabei noch gar nicht das Problem, sagt Hoppenstedt. „Ich finde sie gar nicht so verkehrt, da sie die Planungshoheit an die Kommunen zurückgibt.“

Schwierig sei vielmehr, wie mit der Regel umgegangen werde. Sie würde als absoluter Wert verstanden, obwohl sie durch eine Bauleitplanung ausgehebelt werden kann. Viele Kommunen würden aber wegen des zu erwartenden Widerstands zögern, so Hoppenstedt. Die Hürden würden Windkraft zu einem langwierigen und teuren Projekt machen. Die Politik müsse daher mit den Energieversorgern an einem Strang ziehen. „Wir sind bereit zu investieren, aber es muss sich am Ende rechnen.“

Windkraft: Gegenwind für den Ministerpräsidenten

Ein wirtschaftlicher Betrieb von Windkraftanlagen in der Region ist möglich. Das betont Stadtwerke-Geschäftsführer Jan Hoppenstedt angesichts der jüngst von Ministerpräsident Markus Söder geäußerten Behauptung, es gebe nicht genügend Wind in Bayern. „Das ist nicht richtig, wir beweisen es jeden Tag.“

Hoppenstedt verweist auf die beiden Anlagen in Malching und Mammendorf. Beide lägen mit Erträgen von 6000 (Mammendorf) beziehungsweise 5700 (Malching) Megawattstunden zehn bis 18 Prozent über dem prognostizierten Jahresplan. Markus Wäcker von den Stadtwerken: „Es gab sogar Jahre, in denen wir mehr Wind hatten als im Norden.“

Auch interessant: Windräder ein Erfolg – doch der Ausbau stockt

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare