Veranstaltungen locken Menschen in die Innenstadt. Doch die Händler wissen das nicht zu nutzen, sagen Experten.
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Veranstaltungen locken Menschen in die Innenstadt. Doch die Händler wissen das nicht zu nutzen, sagen Experten.

Stadtmarketing

Fürstenfeldbruck: Die Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit

  • Ingrid Zeilinger
    vonIngrid Zeilinger
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Brucks Stadtmarketing soll auf stabilere Füße gestellt werden. Aus einem Nebeneinander diverser Akteure soll ein Miteinander werden. Dafür holte sich die Stadt Hilfe von außen. Nun steht das Konzept. Mit Leben füllen müssen es die Gewerbetreibenden.

Fürstenfeldbruck – Leerstehende Geschäfte, verschlossene Türen beim Altstadtfest, wenig Beteiligung bei städtischen Aktionen und kaum Resonanz auf Umfragen: In der Brucker Unternehmergemeinschaft hat es in den vergangenen Jahren geknirscht. Abhilfe schaffen soll ein Stadtmarketingmodell. Angeregt wurde es von den Gewerbetreibenden, berichtet Sabine Wildmann, die das Projekt bei der Stadtverwaltung leitet. „So viele tun was, aber es gibt keinen roten Faden.“

Daher hatte der Kultur- und Werkausschuss des Stadtrates im vergangenen März beschlossen, das Marketing-Büro Imakomm ins Boot zu holen – für einen Blick von außen, der den Ist-Stand analysiert und Verbesserungsvorschläge aufzeigt. Eine Projektgruppe, in der auch Gewerbetreibende saßen, beschäftigte sich in Workshops mit dem Stadtmarketing. Denn: „Die Brucker wissen am besten, was den Bruckern gut tut“, erklärte Peter Markert von Imakomm im Stadtrat.

Sind die Parkplätze das Problem?

Das Ergebnis: Die viel gescholtenen Parkplätze sind nicht das Problem. „Es fehlt an Kommunikation untereinander“, erklärt Wildmann. „Und es gibt keine koordinierende Stelle.“ Die Folge: Aktionen wie das Foodtruck-Festival oder Altstadtfest locken viele Menschen nach Fürstenfeldbruck. Doch die umliegenden Geschäfte sind nicht eingebunden und profitieren so nicht von der Kaufkraft der Besucher. Man wolle erreichen, dass die Veranstaltungen für alle einen Vorteil bringen. „Dafür müssen wir ein Wir-Gefühl entwickeln“, sagt Wildmann.

Schaffen soll das ein Stadtmarketing-Forum. Ein Lenkungskreis übernimmt die übergeordnete Koordination. Den braucht es auch, um Fördermittel von der Regierung von Oberbayern zu bekommen. Darunter arbeiten drei Initiativkreise. Einer kümmert sich um Kommunikation, Aktionen und Veranstaltungen, ein zweiter um Gestaltung und Erreichbarkeit – etwa die Verkehrsführung in der Stadt. Der dritte Kreis betreut Handel und Dienstleistungen. Sie alle sollen konkrete Projekte entwickeln – mit der Maßgabe, dass alle Gewerbetreibenden davon profitieren und eine Co-Finanzierung sichergestellt ist. „Etliche Unternehmer haben sich gemeldet und wollen mitarbeiten“, berichtet Sabine Wildmann. Dazu gehören größere Unternehmen wie die Mahavi-Gruppe, der Gewerbeverband aber auch einzelne Betriebe. „Einige haben auch schon konkrete Ideen.“

Initiative von Unternehmern

Wichtig ist: Nicht die Stadt stellt etwas auf die Beine, sondern die Initiative soll von den Unternehmern kommen. Daher hat die Stadt in der Lenkungsgruppe auch nur einen Sitz. Sie kann aber im Hintergrund vieles leichter organisieren. Wichtig sei die Wertschätzung des Miteinanders und das gemeinsame Tun, betont Peter Markert von Imakomm. Das Büro wird das Projekt begleiten.

Der Stadtrat segnete das Vorhaben ab und genehmigte die Kosten von 15 000 Euro. Insgesamt kostet das Projekt das Doppelte, wobei 60 Prozent gefördert werden. „Es war ein schwerer Weg“, sagte OB Erich Raff im Stadtrat. Die städtische Wirtschaftsförderung habe viel Überzeugungsarbeit geleistet. Nun sei man auf einem guten Weg. „Wir haben sehr viele Kräfte in der Stadt, unter denen wir uns eine engere Zusammenarbeit vorstellen können“, sagte Franz Höfelsauer, Gewerbereferent (CSU) und Chef des Gewerbeverbandes. Bruck müsse attraktiver werden, Leerstände müsse man vermeiden. Bislang seien die Ideen nach unten zu den Gewerbetreibenden getragen worden. „Jetzt sollen sie aus der Mitte der Betriebe kommen.“

Der eine Strang, an dem alle ziehen, habe gefehlt, denn es gebe viele engagierte Unternehmer, sagte Philipp Heimerl (SPD), Referent für Wirtschaftsförderung. „Ein gutes Stadtmarketingforum kann der Stadt nur gut tun.“

Der Zeitplan

Bereits am 28. Januar formiert sich der Lenkungskreis, coronabedingt in einer digitalen Sitzung. Im Februar sollen die Auftaktsitzungen der drei Initiativkreise folgen. Projekte sind noch nicht spruchreif, betont Sabine Wildmann von der Stadtverwaltung. Doch man plane, den im Herbst abgesagten Aktionstag „Kauf in deiner Stadt“ nachzuholen. Dieses Jahr wird zeigen, ob die Initiativkreise ins Laufen kommen. Im Dezember wird Bilanz gezogen und entschieden, wie es weitergeht. Läuft das Projekt, sollen 2022 die Strukturen gefestigt werden. Ein Jahr darauf wolle man Bilanz ziehen, erklärt Peter Markert von der imakomm. Die Akademie will die Brucker Unternehmer zunächst begleiten, sich aber Mitte des Jahres aus dem Prozess zurückziehen und den Bruckern das Feld überlassen. Dann ist deren Engagement gefordert.

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