Digitalisierung

Stromzähler werden intelligenter: Das ändert sich für Kunden

Die Digitalisierung hält Einzug beim Stromablesen. Die Anbieter haben begonnen, die Geräte auszutauschen. Wer viel verbraucht, dessen Werte werden künftig automatisch als Baustein der Energiewende übermittelt. Die meisten müssen aber auch in Zukunft selbst an den Zähler – oder einen Ableser hereinlassen.

Fürstenfeldbruck – Gunnar Eckardt mag es gern gemütlich. Wenn der Germeringer mit seiner Frau am Tisch sitzt, wenn Mittagessen und Weißbier auf selbigem zum Verzehr bereit stehen, kommen Störungen ungelegen. Unerwarteter Besuch zählt zu solchen. Und der erschien jüngst in Form eines Stromablesers.

Weil Gunnar Eckardt ein höflicher Mensch ist, lässt er den Mann gewähren. Es geht runter in den Keller, räumt Sachen beiseite, macht den Stromkasten auf und liest mit seinem ungebetenen Gast den Zähler ab. Das Essen ist danach kalt. Und Eckardt sauer. „Das ist vorsintflutlich“, findet der Germeringer. Er verweist auf seine Gas- und Wasseranbieter. Die würden kleine Ablesekarterl verschicken, die man dann ausgefüllt zurücksende. Störungen oder Terminvereinbarungen brauche es so nicht. „Das funktioniert einwandfrei.“

Das Beispiel von Gunnar Eckardt zeigt, wie unterschiedlich Auffassungen sein können. Der Grundversorger Strom Germering sieht es nämlich als Service, den Zählerstand ablesen zu lassen. „So gibt es keine Falschablesungen“, sagt Geschäftsführer Anton Kottermair. Und folglich auch keinen Ärger mit falschen Rechnungen. „Wir haben sehr gute Erfahrungen mit diesem System gemacht“, sagt Kottermair.

Stromzähler werden intelligenter: Würden sich die Stadtwerke Geld sparen?

Die Ableser, die der für Germering zuständige Netzbetreiber Energienetze Bayern losschicke, würden sich stets mit einem Ausweis zu erkennen geben. Und sie kontrollierten die 17 000 Stromzähler in Germering auf Beschädigungen. Alles in allem gebe es also nur Vorteile.

Ganz so überzeugt scheinen die Stadtwerke Fürstenfeldbruck davon nicht zu sein – zumindest nicht mehr. Bisher waren auch in deren Netzgebiet, in dem es rund 55 000 Stromzähler gibt, Ableser unterwegs. Das sind sie auch momentan. Ein Teil der Zählerstände wird seit heuer mit den kleinen Karten zum Selbstablesen ermittelt. „Damit kommen die Stadtwerke dem zunehmenden Wunsch der Kunden nach, die Zähler flexibel selbst ablesen zu können und nicht für die externe Ablesung zur Verfügung stehen zu müssen“, teilt eine Sprecherin auf Nachfrage mit. Die Stadtwerke würden sich zudem Geld sparen.

Komplett vom System der Ableser verabschiedet hat sich die KommEnergie in Eichenau. Das Unternehmen fungiert als Grundversorger in Puchheim, Gröbenzell und in der Starzelbach-Gemeinde selbst. Die rund 30 000 Haushalte werden mit Ablesekarten aufgefordert, ihre Zählerstände zu übermitteln – das gehe auch telefonisch, per Fax oder online, erklärt Geschäftsführer Matthias Morche. Nur wenn ein Kunde gar keine Werte übermittle, komme noch ein Ableser.

Beim Thema Stromablesen sind für das Eichenauer Unternehmen aber bereits neue Zeiten angebrochen. Der Netzbetreiber hat schon rund 150 moderne digitale Stromzähler installiert. Damit sollen Kunden ihren Verbrauch analysieren können. Die Geräte sollen in den nächsten Jahren alle Kunden mit einem Verbrauch von bis zu 6000 Kilowattstunden pro Jahr bekommen. Wer mehr Strom zapft, bekommt wohl ab 2019 einen intelligenten Zähler. Der übermittelt den Verbrauch im Vergleich zu den modernen Geräten automatisch in Echtzeit und ist Teil der Energiewende.

Noch können die Netzbetreiber damit aber nicht loslegen. Es fehlt noch die Zertifizierung des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik. Dann ist das Thema Stromablesen – zumindest für Großabnehmer – vom Tisch.

Die Energiewende

Bisher musste das Stromnetz Energie von großen zentralen Kraftwerken aus auf die einzelnen Verbraucher verteilen. Der gesetzlich geforderte Ausbau der Erneuerbaren Energien bringt jedoch eine starke Veränderung mit sich: Nun speisen Betreiber von stromproduzierenden Anlagen ihre Energie dezentral an unterschiedlichen Stellen und in sich verändernden Mengen in das Netz ein. Waren die Stromleitungen bisher quasi Einbahnstraßen, so gibt es jetzt auch Gegenverkehr. Dadurch ändern sich die Anforderungen an das Stromnetz und seinen Betrieb grundlegend. Alle Beteiligten – also Erzeuger, Verbraucher aber auch Energiespeicher – werden in dem neuen Stromnetz miteinander verbunden sein. Dabei kommen die so genannten intelligenten Stromzähler ins Spiel. Sie können sowohl bei Einspeisern als auch Verbrauchern die Energieströme zeitgleich erfassen und steuern. Sie fungieren somit als eine Schnittstelle im intelligenten Energienetz

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