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„Die Probleme Afrikas können nur in Afrika von Afrikanern gelöst werden – aber mit Unterstützung“, sagt Margret Kopp.

Wissen und Material

Togohilfe startet Anti-Corona-Programm

Gerade Länder mit weniger entwickelten Gesundheitssystemen leiden unter der Corona-Pandemie. Margret Kopp organisiert seit Jahrzehnten mit der Togohilfe Programme, um den Bewohnern des bitterarmen westafrikanischen Landes zu helfen. Auch jetzt kann sie die Menschen nicht allein lassen.

Fürstenfeldbruck – „In Togo herrscht Panik“, sagt Margret Kopp. Die Menschen dort hätten keine gesicherten Informationsquellen und es gebe viel Desinformation durch Fake News aus dem Internet. Aus Angst vor einer Infektion traue sich das medizinische Personal nicht, Patienten zu behandeln und die Patienten würden sich auch nicht trauen, zum Arzt zu gehen. Alles Umstände, die die Bekämpfung des Coronavirus erschweren.

Diese Probleme will der Verein Togohilfe jetzt angehen. Dafür nutzt er sein seit Jahrzehnten gewachsenes Partnernetzwerk „Aimes Afrique“. Dieses Netzwerk hilft schon lange den Menschen in Afrika – die Togolesen vertrauen der Gruppierung. Daher schenken die Menschen der Aufklärung, die das Netzwerk betreibt, auch Glauben.

Callcenter soll Corona-Beratung leisten

Zusätzlich möchte der Verein eine App und ein Callcenter einrichten, bei dem Togolesen Symptome telefonisch abklären können, und gegebenenfalls direkt zu einer Corona-Teststation verwiesen werden können.

Doch selbst wenn sie wollen, können die Menschen in Togo den Hygieneempfehlungen oft nicht folgen. Dafür fehlt schlicht das Material. Oft mangelt es an einfachen Dingen wie sauberem Wasser und Seife zum Händewaschen. Die Togohilfe unterstützt daher Brunnenbauprojekte. Außerdem liefert sie Basismaterialien in die Dörfer und Gemeinden, damit die Einwohner vor Ort selbst Seife, Desinfektionsmittel und Mundschutz herstellen können.

Die mehr als 2000 Buschkrankenstationen des Netzwerks sollen auf die selbe Art mit Hygienematerial versorgt werden, damit dort weiterhin Kranke behandelt werden können. Um die Folgen der coronabedingten Härten für die ärmsten Teile der Bevölkerung abzufedern, sollen zusätzlich lokal produzierte Lebensmittel angekauft werden. Dabei setzt die Organisation immer auf lokale Arbeit in den Landkreisen und Kommunen.

Projekt durch Spenden und staatliche Hilfen finanziert

Dieses neue Anti-Corona Programm in Togo landesweit einzuführen, kostet insgesamt 1,5 Millionen Euro. Dafür hat sich Kopp Zuschüsse vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) gesichert. Zehn Prozent der Summe muss der Verein aber selbst aufbringen. Andersrum heißt das, dass jeder Euro, der zu diesem Zweck an den Verein gespendet wird, vom Ministerium verzehnfacht wird. Ein landesweites Projekt für 1,5 Millionen Euro wäre in Deutschland unvorstellbar. „In Afrika bewirken relativ kleine Summen Riesiges“, so Landrat Thomas Karmasin, der als Schirmherr des Projektes fungiert.

Das Projekt will dadurch auch zukünftige Fluchtursachen bekämpfen. Das Leben der Menschen vor Ort soll so weit verbessert werden, dass sie nicht mehr fliehen müssen. Grundlage dafür sind nachhaltige regionale Strukturen. „Die Probleme Afrikas können nur in Afrika von Afrikanern gelöst werden – aber mit Unterstützung“, meint Margret Kopp. Es gebe dort gut ausgebildete Ärzte. Doch diesen fehlt das Material für ihre Arbeit. „Es hilft nicht, jemandem zu operieren, wenn man nachher keinen Faden hat, um ihn wieder zu zu machen“, sagt Kopp.

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Sven Behrens

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