Die Beamten wurden auf der B 11 auf einen Autofahrer, der mit seinem Van in Schlangenlinien fuhr, aufmerksam.
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Die Beamten wurden auf der B 11 auf einen Autofahrer, der mit seinem Van in Schlangenlinien fuhr, aufmerksam.

Westkreis FFB

Mercedes-Fahrer hängt Polizeistreife ab: Jetzt wird er dafür verurteilt

Nicht nur schneller als die Polizei erlaubt, sondern auch schneller als ein Polizist mit seinem Streifenwagen fahren konnte, war ein 23-Jähriger aus dem westlichen Landkreis Anfang Dezember vergangenen Jahres zwischen Türkenfeld und Kottgeisering unterwegs.

Fürstenfeldbruck - Am Brucker Amtsgericht hatte die Fahrt jetzt ein Nachspiel. Wegen eines illegalen Autorennens wurde der junge Mann dazu verurteilt 2000 Euro (50 Tagessätze zu je 40 Euro) zu bezahlen. Ab dem 9. Dezember galt in Bayern ab 21 Uhr eine Ausgangssperre. In der Nacht darauf wollte eine Polizeistreife deshalb in Türkenfeld den Angeklagten kontrollieren. Die Polizisten ließen das Anhaltesignal aufleuchten, der Fahrer des Wagens reagierte nicht – auch nicht als die Ordnungshüter zudem ein rotes Blinklicht und das Blaulicht einschalteten. Der Wagen fuhr einfach weiter und wurde immer schneller, erinnerten sich die beiden Beamten.

Kurven geschnitten

Selbst als der Tacho 150 Stundenkilometer anzeigte, entfernte sich der mehr als 200 PS starke Mercedes immer weiter. Zudem schnitt er Kurven, auch nicht einsehbare, und dies obwohl die Straße zwischen Türkenfeld und Kottgeisering teilweise glatt war, erinnerte sich der Fahrer des Polizeiautos.

Sogar im Türkenfelder Ortsteil Pleitmannswang habe der Mercedes nicht gebremst. Der Polizist aber reduzierte in dem Ort seine Geschwindigkeit. Nachdem er ins Schlittern gekommen war, war es ihm zu gefährlich geworden. Deshalb verloren die Beamten den Flüchtenden in Kottgeisering aus den Augen. Der Mercedes war weg. Die Beamten gingen davon aus, dass der Fahrer in eine Seitenstraße gefahren, stehen geblieben war und sein Licht ausgeschaltet hatte.

Nummernschild erkennbar

Die Polizisten hatten aber eine wichtige Information. Noch in Türkenfeld hatten sie das Nummernschild lesen können. Ein Anruf beim Halter des Wagens ergab, dass der Angeklagte in der Dezembernacht mit dem Mercedes unterwegs war. Zwei Stunden nach dem Telefonat tauchte der 23-Jährige dann informiert durch seine Mutter auch auf der Wache in Fürst-enfeldbruck auf.

Warum er in der Nacht so flott unterwegs war, erfuhren die Beamten aber nicht. Alkohol war jedenfalls nicht der Grund dafür, wie eine Kontrolle ergab. Der 23-Jährige bestritt zudem, zu schnell gefahren zu sein. Das wiederholte er auch am Amtsgericht. Er sei allenfalls 110 Stundenkilometer außerorts gefahren. Die Polizei habe er nicht gesehen. Er sei auf dem Heimweg von der Arbeit nach Hause gewesen, erklärte der Mann. Weil er aber seinen Geldbeutel samt Papieren vermisst habe, sei er zurück zu seiner Arbeitsstelle gefahren.

Illegales Autorennen

Sein Verteidiger beantragte dann auch einen Freispruch. Doch der Richter konnte sich nicht vorstellen, dass der 23-Jährige weder das rote Blinklicht noch das Blaulicht gesehen hatte. Der Jurist bezweifelte, dass der Angeklage „diese starken optischen Reize in der Nacht nicht bemerkt hatte“. Deshalb verurteilte der Richter den Mann wegen eines illegalen Autorennens.

Dazu braucht es nach der aktuellen Rechtssprechung keinen Kontrahenten. Es reicht, wenn der Fahrer mit „nicht angepasster Geschwindigkeit, grob verkehrswidrig und rücksichtslos fährt, um so schnell wie möglich voran zu kommen“. Der Angeklagte muss 2000 Euro bezahlen. Außerdem wurde ihm der Führerschein entzogen. Diesen kann er erst in neun Monaten wieder beantragen.

Zu schnell war der 23-Jährige bereits in der Vergangenheit unterwegs. 2018 wurde er mit 134 Stundenkilometern statt mit erlaubten 60 erwischt. Damals bekam er ein Bußgeld von 1200 Euro und ein dreimonatiges Fahrverbot.  sus


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