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Das Foto zeigt den Moment, als die beiden Bürgermeister Alfred-Marcel Vincent und Willy Buchauer (l.) unter den Augen von Lorenz Lampl die Städtepartnerschaft vor 50 Jahren besiegeln.

Fürstenfeldbruck und Livry-Gargan 

Wie Bruck und Livry vor 50 Jahren zu Freunden wurden

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Die Partnerschaft zwischen Bruck und der französischen Gemeinde Livry-Gargan wird 50 Jahre alt. Freundschaften zwischen Einwohnern bestehen schon länger. Zwischen den Kommunen hat es von Anfang an gefunkt.

Fürstenfeldbruck – Alfred-Marcel Vincent und Willy Buchauer haben sich ihre Amtsketten umgeworfen. Die Bürgermeister treffen sich bei einem Festakt in der Jahnhalle. Sie sitzen nebeneinander an einem Tisch, den zwei riesige Urkunden bedecken. Es ist der 28. Juni 1967, 22 Jahre nach Kriegsende. Der Franzose und der Deutsche besiegeln die Partnerschaft zwischen Bruck und Livry-Gargan. Es folgen große Worte: „In der Erkenntnis, dass die Freundschaft zwischen dem deutschen und dem französischen Volke nicht allein auf der Bühne der internationalen Politik geschaffen und erhalten werden kann, sondern, dass diese nur dann von Dauer sein wird, wenn die Bürger beider Länder sich im Bewusstsein ihrer Verpflichtung, in persönlicher Wertschätzung und tiefer Verbundenheit zusammenfinden.“

Das Foto zeigt die Leonhardifahrt im November 1982 (15 Jahre Partnerschaft) durch Bruck. Vorne auf der Kutsche grinst Ridha Djebali in die Kamera. Hinten sitzen unter anderem Stadtrat Helmut Geys (l.) und Josef Kosimi (Stadtrat Livry-Gargan)

Ein halbes Jahrhundert ist seitdem vergangen. Zu diesem Anlass geht am Sonntag, 25. Juni, ein Bürgerfest am Niederbronnerplatz über die Bühne. Ridha Djebali kramt zuhause aus alten Ordnern die Geschichte dieser Freundschaft hervor: Fotos von Festen und Konzerten, Briefe, Urkunden, Zeitungsartikel. Der 68-Jährige engagiert sich seit 33 Jahren ehrenamtlich für die Beziehungen zwischen Bruck und Livry-Gargan. Er holte zum Beispiel die Franzosen vom Flughafen ab, wenn sie nach Bruck reisten, oder dolmetschte bei Empfängen. Er sagt: „Städtepartnerschaften bauen Vorurteile ab. Sie sind gegen Hass und gegen Krieg.“

Es wäre etwas zu kitschig, würde man behaupten, die Geschichte über Bruck und Livry-Gargan sei eine Liebesgeschichte. Aber gefunkt hat es zwischen den Kommunen von Anfang an. Den Grundstein legten der frühere Bundeskanzler Konrad Adenauer und Staatspräsident Charles de Gaulle mit ihrer Politik der Versöhnung. Sie unterzeichneten 1963 den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag. Bereits ein Jahr später trat der Evangelische Jugendchor aus Bruck in Frankreich auf. In Livry-Gargan seien die Sänger „überaus herzlich“ aufgenommen worden, schreibt der damalige Leiter des Bach-Chores Horst Stegemann am 6. November 1987 an Bürgermeister Max Steer. Das seien die „ersten Linien einer langjährigen Freundschaft zwischen uns und Livry-Gargan“ gewesen. Der französische Bürgermeister Alfred-Marcel Vincent soll so begeistert von den Musikern aus Bayern gewesen sein, dass er fortan eine Städtefreundschaft anstrebte.

Bürgermeisterin Eva-Maria Schumacher und Ridha Djebali in Livry-Gargan.

Auch der damalige Brucker Rathaus-Chef Willy Buchauer und der Kulturreferent Lorenz Lampl unterstützen die Verschwisterung. Der Stadtrat befasste sich 1967 mit dem Thema „Partnerschaft mit einer französischen Stadt“. Das Gremium war sich einig, die Völkerverständigung nicht nur Politikern zu überlassen. Es sollten sich auch Freundschaften zwischen den Menschen entwickeln. Es entstanden Kontakte zwischen Sportvereinen und Organisationen aus beiden Städten. Einwohner aus Bruck und der Gemeinde südöstlich von Paris besuchten sich immer wieder gegenseitig. Als einmal Mitglieder des Roten Kreuzes aus Livry-Gargan mit dem Zug am Münchner Hauptbahnhof ankamen, standen die Brucker mit einem Willkommensgeschenk bereit.

„Wir empfingen sie mit einem Leberkäs-Essen – ein ungewohnter Genuss für den französischen Gaumen“, berichtet Stegemann. Anschließend habe man im Gemeindesaal der evangelischen Kirche Fasching gefeiert. Im Gegenzug veranstaltet das Rote Kreuz (Croix Rouge) seit Jahrzehnten ein „Taverne Bavaroise“ – ein Bayernfest, bei dem Kaltenberg-Bier aus den Zapfhähnen quillt. „Wir sind einander keine Fremden mehr, wir sind Geschwister geworden, Geschwister in einem gemeinsamen Europa“, beschreibt es Horst Stegemann. Heute, 30 Jahre später, haben die Franzosen mit Emmanuel Macron einen Europäer zum Präsidenten gewählt. Dennoch bestimmen mitunter Populisten die Schlagzeilen, die am liebsten zwischen beiden Ländern eine Mauer bauen würden. Djebali sagt, Deutsche und Franzosen seien sich dank Schüleraustauschen und Förderprogrammen „näher als jemals zuvor“. Doch es sei unheimlich wichtig, dass man untereinander Kontakt pflege, um sich nicht zu entfremden. „Früher ging es um Deutschland und Frankreich. Jetzt geht es um Europa.“ Dass der Stadt die Freundschaft zu Livry-Gargan wichtig ist, zeigt sich daran, dass man zuletzt den Etat für die Jubiläumsfeier am Wochenende um 10 000 Euro auf 40 000 Euro erhöht hat. Die Entscheidung im Stadtrat fiel einstimmig. Gleichwohl munkeln manche, dass die Kontakte nach Frankreich zuletzt etwas eingeschlafen seien. Diese wolle man nun wieder auffrischen. Auch Djebali ist gekränkt. Er hat sich Jahrzehnte lang ehrenamtlich engagiert. Doch auf die Einladung der Stadt zu den Feierlichkeiten am Wochenende wartet er noch immer.

Das Bürgerfest

Anlässlich der 50-jährigen Städtepartnerschaft reist am heutigen Freitag extra eine Delegation aus Livry-Gargan an. Es gibt einen Festakt im Veranstaltungsforum. Am Sonntag, 25. Juni, spielt die Stadtkapelle um 10 Uhr im Rathaus-Innenhof. Anschließend gibt es einen Zug durch die Innenstadt zum Niederbronnerplatz. Um 10.30 Uhr ist der Auftakt des Stadtradelns. OB Erich Raff eröffnet das Bürgerfest offiziell um 11 Uhr. Französische Köstlichkeiten treffen auf bayerische Schmankerl. Unter anderem treten die Stadtkapelle, die Old School Big Band, der Kinderchor, die Faschingsfreunde und die Heimatgilde auf. Organisator des Festes ist das Bayerische Rote Kreuz in Kooperation mit der Volkshochschule.

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