Trotz Hochwasser: Vater fährt mit zwei jungen Töchtern mit Schlauchboot auf Isar - es geht böse aus

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Carla J. büßte Schmuckstücke ein, an denen sie sehr hing – nicht aber ihre Hilfsbereitschaft.

Fürstenfeldbruck

Unglaubliche Dreistigkeit: Helferin wird selbst zum Opfer

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Sie wollte zwei Mädchen in einer Situation helfen, als viele andere Passanten wegschauten. Dabei geriet eine Fürstenfeldbruckerin ins Visier eines Diebes und Trickbetrügers. Er nutzte ihre Unaufmerksamkeit und ihre Gutgläubigkeit aus. Die Chronik einer unglaublichen Dreistigkeit.

Fürstenfeldbruck – An einem späten Nachmittag im April 2019 beobachtet Carla J. mitten in Fürstenfeldbruck eine schockierende Szene. Sie wartete gerade an einer Bushaltestelle an der Hauptstraße, als gegenüber vor dem Hotel Post ein Mann überwältigt wird. Drei Polizisten ringen ihn zu Boden. Der Mann soll kurz zuvor ein Mädchen sexuell belästigt haben.

Die etwa 15-Jährige steht mit ihrer Freundin ebenfalls an der Haltestelle, ein paar Meter neben Carla J. „Die beiden waren total aufgelöst“, erinnert sich die 56-Jährige. Sie ist besorgt, geht hin und versucht, die beiden zu trösten. Auf ihre am Boden stehende Handtasche achtet Carla J. in diesen aufwühlenden Minuten nicht.

Als sie sich wieder umdreht, fährt der Bus gerade ab und ihre Tasche ist weg – samt Geldbörse, Bankkarte, Papieren, Handy und Hausschlüssel. Die zierliche 56-Jährige bekommt einen Riesenschreck. Sie läuft zur Polizei, erstattet Anzeige. Die Beamten verständigen einen Schlüsseldienst. Der wird – untypischerweise – Stunden brauchen, um das Haustürschloss der Bruckerin zu knacken. Als sie endlich wieder in ihrer Wohnung ist, ist es mitten in der Nacht.

100 Euro Finderlohn

An Schlafen ist nicht zu denken. Immer wieder ruft Carla J. vom Festnetz aus ihr Handy an, das in der Handtasche war. Um vier Uhr nimmt tatsächlich jemand ab, ein junger Mann. Er gibt sich als ehrlicher Finder aus, will gedacht haben, dass die Tasche an der Haltestelle vergessen worden war. Noch in der Nacht bringt er Carla J. ihr Eigentum zurück.

Total erleichtert gibt sie ihm 100 Euro Finderlohn. Warum er sich nicht von selber gemeldet hat, fragt sie nicht. „Ich war völlig neben der Spur“, erklärt sie heute. Außerdem ist sie nach der ganzen Aufregung einfach nur froh, ihre Sachen wieder zu haben. Und der junge Mann ist ihr sympathisch. „Er war im Alter meines Sohnes. Und er wirkte, als könnte er kein Wässerchen trüben.“ Man unterhält sich, er erzählt von Problemen – er hat keine Arbeit und sucht für sich und seine Freundin eine Wohnung.

Carla J. versucht den beiden zu helfen. Den Mann lässt sie bald darauf eine kleine Arbeit in ihrer Wohnung erledigen. Als er einen Anruf auf dem Handy bekommt, zieht sie sich diskret zurück – sie will ja nicht lauschen. Kurze Zeit später macht Carla J. eine erschreckende Entdeckung: Ihr Schmuck ist weg – Ringe und Ketten im Wert von rund 2000 Euro.

Diebstahl von Schmuck

Noch schlimmer als der materielle ist der emotionale Verlust. Die Stücke waren Geschenke von ihren Söhnen und deren Vater, darunter ein Anhänger in Form einer Libelle – weil Carla J. Libellen so mag. Es stellt sich heraus, dass der angebliche Handtaschen-Finder bei der Polizei kein Unbekannter ist. Aus einer Reihe von Fotos kann die 56-Jährige ihn eindeutig identifizieren.

Er bestreitet alles. Doch Carla J. sagt, dass sonst kein Fremder in ihrer Wohnung war. Kurz bevor sie den Diebstahl des Schmucks bemerkt, meldet sich der junge Mann sogar noch einmal bei ihr und bittet um Geld. „Absolut dreist“ findet Klaus Frank von der Opferschutzorganisation Weißer Ring das Vorgehen des mutmaßlichen Täters. Schließlich habe der nicht wissen können, wann das Fehlen des Schmucks auffallen würde.

Gefunden wurden die Stücke nicht. „Er wird sie versetzt haben“, vermutet Frank. Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft. Was aber das Schlimmste ist: Carla J. wurde Opfer, als sie selbst einem Opfer helfen wollte – dem Mädchen an der Bushaltestelle. Klaus Frank lobt ihr vorbildliches Verhalten. „Sie hat nicht weggeschaut, wie viele andere es tun.“ Die Bruckerin selbst sagt, dass sie durch das Erlebte zwar ein bisschen misstrauischer geworden ist – dass sie aber jederzeit wieder so handeln würde. „Ich bin ein Mensch, der immer helfen will. In dem Moment siehst du nur die Not.“

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