Wollen die geplante Bebauung nicht einfach hinnehmen: Reinhold Schmidl (vordere Reihe mit offener blauer Jacke) und über 100 Anwohner beklagen in einem offenen Brief den Umgang der Stadt mit den Plänen des Bauwerbers.	Foto: Weber
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Wollen die geplante Bebauung nicht einfach hinnehmen: Reinhold Schmidl (vordere Reihe mit offener blauer Jacke) und über 100 Anwohner beklagen in einem offenen Brief den Umgang der Stadt mit den Plänen des Bauwerbers.

Fürstenfeldbruck

Neue Wohnhäuser geplant: Unmut über Baupolitik im Westen der Stadt

  • Thomas Benedikt
    vonThomas Benedikt
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  • Stefan Reich
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Gegen neue Wohnhäuser an der Hubertusstraße regt sich breiter Widerstand in der Nachbarschaft. Was die Stadt in dem Gebiet plant, betrifft aber nicht nur die Anwohner.

Fürstenfeldbruck – Lange habe er nicht gebraucht, sagt Reinhold Schmidl. „In wenigen Stunden“ habe er die 117 Unterschriften von Nachbarn für seinen offenen Brief an Oberbürgermeister Erich Raff und den Stadtrat zusammengehabt. Aus dem Schreiben spricht viel Unmut über ein Bauvorhaben an der Hubertusstraße. Zu groß, zu viel zusätzlicher Verkehr, so die Ansicht der Anwohner.

Einst war für das ganze Areal bis auf den grünen Streifen Wohnbau angedacht.

Gegenüber der Einmündung der Falkenstraße sollen in drei Wohnhäusern mit bis zu fünf Geschossen 51 Wohnungen auf einer Brache entstehen (wir berichteten). Das Grundstück zwischen Hubertusstraße und Rothschwaiger Feldweg ist Teil eines Areals, über das immer wieder diskutiert wurde. Im Flächennutzungsplan ist der unbebaute Bereich nördlich der Rothschwaiger Straße zwischen Cerveteri- und Hubertusstraße seit 1983 für Wohnen vorgesehen. Es wurde aber nie ein verbindlicher Bebauungsplan aufgestellt.

Über die Jahre wuchs dann auf großen Teilen der Fläche ein Wäldchen. Ein schmaler Streifen entlang der Cerveteristraße ist schon länger als Biotop kartiert und das Wäldchen ist im Waldfunktionsplan des Freistaates als erhaltenswert beschrieben. Um es zu erhalten, will man jetzt doch einen Bebauungsplan aufstellen, um festzulegen, wo nicht gebaut werden darf.

Dass aber genau das Dreiecksgrundstück nicht Teil des Bebauungsplans sein soll, stößt Schmidl sauer auf. „Hier will man einem Bauwerber maximales Baurecht ermöglichen“, sagt er.

Gibt es für ein Grundstück keinen Bebauungsplan, darf meist so gebaut werden wie in der näheren Umgebung auch. Doch was nähere Umgebung ist, ist wie in so vielen Fällen (s. unten) unklar. Direkt an den Baugrund grenzen nur kleinere Häuser. Doch in der nächsten Reihe stehen fünfstöckige Häuser. Die dürften in einem Rechtsstreit der Maßstab sein, nimmt man in der Stadtverwaltung an. Die Stadt könnte über einen Bebauungsplan Vorgaben machen, das aber würde mehr Arbeit für die Verwaltung bedeuten. Konkretes Baurecht zu definieren ist aufwendiger als nur festzulegen, wo nicht gebaut wird. Zudem hieße das Zeitverzug, den man dem Bauwerber nicht zumuten will.

Schmidl nimmt an, dass die Eigentumsverhältnisse eine Rolle spielen. Das bis heute unbewaldete Dreiecksgrundstück gehörte der Hans-Kiener-Stiftung, die sich in der Stadt sozial engagiert. Die Stiftung hat den Grund zwar vor einiger Zeit verkauft. Das Geschäft ist aber daran geknüpft, dass der neue Eigentümer auch bauen darf. „Wir profitieren, wenn dort gebaut wird“, sagt Alexander Fink, Geschäftsführer der Stiftung. „Aber besonderes Entgegenkommen haben wir nicht gespürt.“ Verkauft habe man auch, weil die Stadt sich bei Plänen, die die Stiftung dort gehabt habe, quergestellt habe.

„Die Menschen rufen nach neuen Wohnungen, aber niemand will sie bei sich“, sagt Grünen-Stadtrat und Baubürgermeister Christian Stangl. Bevorzugung gebe es nicht. Dem Bauwerber habe man Zusagen wie einen Anteil Sozialwohnungen abverlangt. „Das Vorhaben ist städtebaulich vertretbar, besonders in Kombination mit Walderhalt.“ Das sieht auch Stadtrat Christian Götz (BBV) so, ist sich aber bewusst, dass „einige nicht amüsiert sind“.

Das ist geplant: Für den Großteil der Fläche (blau) soll es einen Bebauungsplan geben. Aber nicht für den Teil (rot), auf dem gebaut werden soll.

Gemeint sind auch die Eigentümer. Ein Teil der Flächen gehört Privatleuten, ein großer Bereich aber der „Oberbayerischen Heimstätte“, einer gemeinnützigen Wohnbaugesellschaft des Bezirks Oberbayern. Jan Halbauer, Grünen-Stadtrat, Mitglied im Bezirkstag und Aufsichtsrat der Heimstätte, sagt: „Man sollte der Heimstätte entgegenkommen, vielleicht mit einem Grundstückstausch.“ Die einzig funktionierende öffentliche Wohnbaugesellschaft, die in Bruck tätig sei, dürfe man nicht vergraulen. Gegen das aktuelle Bauvorhaben und den Walderhalt ist er nicht.

Auf die Einwände der Anwohner hat der Oberbürgermeister noch nicht reagiert. Seine CSU-Fraktion hat vorgeschlagen, einen Anwohnervertreter in den Gestaltungsbeirat zu holen, der das Bauvorhaben begleiten soll. Schmidls Reaktion: „Das ist nur ein Versuch, uns über den Tisch zu ziehen.“

Widerstand gegen weitere Bauprojekte – Stadträte wollen weitsichtigere Planung

Auf einem Grundstück zwischen Wernher-von-Braun-Straße und Landsberger Straße wird bald groß gebaut. Wo derzeit nur zwei Einfamilienhäuser stehen, werden 13 Reihenhäuser entstehen. Dazu sieben Carports und 19 Stellplätze. Das Vorhaben löste bei den Mitgliedern des Planungs- und Bauausschusses (PBA) Entsetzen aus. Dagegen tun können sie allerdings nichts. Für den Bauantrag, der die Vorgaben des aus den 1970er Jahren stammenden Bebauungsplans erfüllt, wurde von der Verwaltung bereits der Vorbescheid erteilt. Die Stadträte können nur noch mit Vorschlägen und Wünschen an den Bauwerber herantreten und darauf hoffen, dass er diese berücksichtigt. „Viel können wir nicht machen, außer für die Zukunft daraus lernen“, sagte Christian Götz (BBV).

Es ist nicht das erste Mal in den vergangenen Monaten, dass ein großer Bau und die damit verbundene Nachverdichtung zu Protesten führen. Auch bei Vorhaben in Aich und in der Hubertusstraße hat sich der Widerstand der Anwohner und einiger Stadträte geregt. Im PBA diskutierte man deshalb nun zwei Fragen: Wie soll in Zukunft in Fürstenfeldbruck gebaut werden? Und mit welchen rechtlichen Werkzeugen sollen die Regeln durchgesetzt werden?

„Es ist uns allen bewusst, dass wir Wohnraum brauchen“, sagte Andreas Lohde (CSU). Aber: „Nachverdichtung muss verträglich sein.“ Er plädierte dafür – so wie alle anderen Fraktionen – dass die Stadträte möglichst bald in eine gemeinsame Klausur gehen sollten, um genau über dieses Thema zu diskutieren und die Rahmenbedingungen für das weitere Wachstum in Fürstenfeldbruck festzuzurren. „Denn es zeigt sich, dass wir mit den alten Bebauungsplänen nicht den neuen Anforderungen gerecht werden.“

Was das geeignete Werkzeug dafür ist, darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Georg Stockinger (FW)

forderte, endlich den Flächennutzungsplan der Stadt zu überarbeiten. Christian Götz widersprach. Ein Flächennutzungsplan würde nur grobe Vorgaben machen und beim Thema Nachverdichtung kaum helfen. Vielmehr bräuchte es ein Stadtentwicklungskonzept. Das sei feingliedriger und könne präzisere Vorgaben enthalten.

Der dritte Vorschlag: Eine Freiflächengestaltungssatzung. Die wurde von Alexa Zierl ebenso wie von Andreas Lohde und Christian Götz ins Spiel gebracht. „Die würde uns zumindest etwas Handhabe erlauben“, erklärte Götz. Dass die Zeit dafür drängt, betonte Hans Schilling (CSU). „Jeder freie Fleck wird in Zukunft bebaut werden“, so der CSU-Mann. „Deshalb müssen wir uns im Klaren sein, was wir wollen.“ ben

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