+
Jahrelang hat ein Messebauer (56) in Fürstenfeldbruck den Lärm seiner Nachbarn ertragen. Doch dann wurde es ihm zu viel. 

Gericht 

Wegen Lärm: Hammer-Attacke auf Nachbar

  • schließen

Jahrelang hat ein Messebauer (56) in Fürstenfeldbruck den Lärm seiner Nachbarn ertragen. In einer Augustnacht 2019 wurde ihm alles zu viel. Er drehte durch.

Fürstenfeldbruck – Der Mann schlug mit einem Hammer auf den Sohn (18) einer Nachbarsfamilie und dessen gleichaltrige Freunde ein. Seit Montag muss er sich wegen versuchten Totschlags vor dem Landgericht München II verantworten.

Wäre da bloß nicht der Hammer im Flur gelegen. Mit ihm hatte Peter F. (Name geändert) tags zuvor die Nägel einer Pin-Wand eingeschlagen und die Kabel-Verkleidung installiert. Und so lag der Hammer in besagter Augustnacht griffbereit, als die Nachbarsburschen wieder einmal grölend vor dem Haus standen. So jedenfalls schilderte der Angeklagte die explosive Situation, die ihn völlig ausrasten ließ.

Jahrelang hatte er sich angeblich zurückgehalten, hatte versucht, mit den aus seiner Sicht nicht nachvollziehbaren, nächtlichen Lärmattacken zurechtzukommen. Doch in dieser Nacht geriet alles aus den Fugen. Peter F. schnappte sich den Hammer, erwartete die Truppe im ersten Stock, um sie abzufangen. „Schluss jetzt, raus jetzt“, schrie er die Burschen an. Doch die blieben nicht stehen, wie er es sich erhofft hatte. Der junge Nachbar ging vorbei, der Angeklagte verspürte einen Schlag in der rechten Seite. Dann folgte sein Freund, der mit einer Flasche in der Hand auf den 55-Jährigen zukam.

Der interpretierte daraus eine Bedrohung. „Ich wollte den Arm treffen und habe den Kopf bekommen“, sagte der Familienvater sichtlich betrübt. Der 19-Jährige erlitt eine stark blutende Kopfverletzung. Das Trio flüchtete aus dem Haus, der Nachbar soll dem Angeklagten noch einen massiven Tritt gegen die Hand verpasst haben, so dass der Hammer in die Wand krachte. Trotzdem verfolgte der 55-Jährige das Trio.

Doch dann fasste er angeblich den Entschluss, zur Polizei zu gehen. Auf dem Rückweg wurden ihm erstmals die Blutspuren bewusst. Kurz darauf setzte er sich ins Auto, bog aber nicht zur Polizei ab, sondern in die entgegengesetzte Richtung, wo die Burschen saßen. Er wollte angeblich nur schauen, wie es den Männern ging. Das am meisten getroffene Opfer sei da gesessen, habe Arme und Beine bewegt, daraufhin wollte er zur Polizei, die längst alarmierten Beamten kamen ihm aber bereits entgegen.

Der Prozess an sich war mit großer Verzögerung gestartet. Ein Nebenklage-Anwalt hatte versucht, das Verfahren zu stoppen, weil die Öffentlichkeit nicht gewährleistet sei. Hintergrund sind Sicherheitsvorkehrungen wegen des Coronavirus, wonach nur noch fünf Zuschauer zum Prozess dürfen.

Richter Thomas Bott wies den Antrag zurück. Haftangelegenheiten, wo Verfristungen drohten, müssten verhandelt werden, erklärte er. Der Prozess dauert an.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kinder malen für die Bewohner des Theresianums
Viele Senioren in den Altenheimen sind jetzt während der Corona-Krise quasi von der Außenwelt abgeschnitten. Um sie ein wenig aufzumuntern, hat sich eine Mitarbeiterin …
Kinder malen für die Bewohner des Theresianums
Razorbacks müssen ohne US-Spieler auskommen
Noch steht nicht fest, wie es bei den Footballern der Fursty Razorbacks nach Corona weitergeht. Weiteres Problem: Viele US-Spieler sind mittlerweile wieder zurück in der …
Razorbacks müssen ohne US-Spieler auskommen
Bestatter decken sich mit Särgen ein - Würdiger Abschied derzeit eine Herausforderung
Die Corona-Krise wirbelt den Alltag der Bestatter auch in Bayern durcheinander. Grund sind Beschränkungen bei Beerdigungsablauf - und steigende Sargpreise.
Bestatter decken sich mit Särgen ein - Würdiger Abschied derzeit eine Herausforderung
Diese Zweige passen in den Strauch
Dekogeschäfte und Blumenläden haben derzeit geschlossen. Doch blühenden Osterschmuck selbst gestalten, ist gar nicht so schwer.
Diese Zweige passen in den Strauch

Kommentare