Die Gräber auf dem Alten Friedhof in St. Magdalena stehen eng bei-einander. Oft zu eng, um noch Särge in die Gräber zu setzen. Das musste auch Willi Dräxler erfahren, als er seine Mutter bestatten wollte. 
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Die Gräber auf dem Alten Friedhof in St. Magdalena stehen eng bei-einander. Oft zu eng, um noch Särge in die Gräber zu setzen. Das musste auch Willi Dräxler erfahren, als er seine Mutter bestatten wollte. 

Fürstenfeldbruck

Wenn die Erdbestattung zum Problem wird

  • vonStefan Reich
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Die Gräber am Alten Friedhof bei St. Magdalena stehen eng. Teilweise so eng, dass Erdbestattungen nicht mehr möglich sind. Ein generelles Verbot will die Stadt nicht erlassen. Daher wurde geprüft, in welchen Gräbern nur noch Urnen, und in welchen noch Särge beigesetzt werden dürfen.

Fürstenfeldbruck – Erst wenige Wochen ist es her, da mussten Willi Dräxler und seine Geschwister ihre Mutter beerdigen. Mit dem städtischen Bestattungsdienst wollte die Familie die Trauerfeier planen und einen Sarg aussuchen. Dass dabei die Frage aufkam, ob die Mutter überhaupt nach ihren Wünschen im Familiengrab beigesetzt werden könne – damit hatten die Geschwister nicht gerechnet.

Seit hundert Jahren, sagt Willi Dräxler, habe die Familie das Grab auf dem Alten Friedhof an der Kirchstraße. Sein Großvater sei dort bestattet worden und sein Vater. Im Sarg, so wie es auch seine Mutter gewollt habe. „Im Gespräch beim Bestattungsdienst haben wir dann erfahren, dass Erdbestattungen auf dem Alten Friedhof nicht mehr möglich wären“, sagt Dräxler. „Wir sind in dieser emotionalen Situation aus allen Wolken gefallen.“

Zumindest diesen Schreckmoment in der Trauerphase will die Stadt weiteren Familien ersparen. Und ganz abgeschafft werden Erdbestattungen auf dem Friedhof neben St. Magdalena auch nicht. Doch per Post werden nun alle Inhaber von Grabnutzungsrechten informiert, ob ihr Grab für eine Erdbestattung noch infrage kommt. In vielen Fällen wird der Bescheid negativ ausfallen.

Die Reihen sind schmal

Kürzlich hatte Dräxler seine Geschichte als Gast im für Friedhofssachen zuständigen Kultur- und Werkausschuss erzählt. Er machte so die menschliche Ebene eines verwaltungsrechtlichen Problems greifbar.

Das Problem: Im Alten Friedhof sind die Grabreihen schmal, die einzeln Gräber liegen oft auch noch eng nebeneinander. Lässt es die Grabbreite zu, werden Särge deshalb bisweilen quer in die Erde gesetzt. Ging das nicht, wurden sie auch schon mal schräg abgelassen und zum Teil unter eigens dafür unterhöhlte Grabwände und Grabstein-Fundamente geschoben. Doch das Unterhöhlen widerspricht der Unfallverhütungsvorschrift der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft. Als Unfallversicherungsträger für die Friedhofsmitarbeiter pocht sie inzwischen vehement auf die Einhaltung der Vorschriften. Die besagen auch, dass Ausschachtungen für eine Erdbestattung eine Mindestlänge von 2,30 Metern haben müssen. In vielen Grabreihen ist das eine Unmöglichkeit.

Schon länger wurden auf dem Alten Friedhof aufgelassene Gräber aufgrund des Platzproblems nur noch für Urnenbeisetzungen neu vergeben. Dass Erdbestattungen theoretisch auch für bereits vergebene Gräber untersagt werden können, steht in der Friedhofssatzung. Das bekam in der Praxis aber offenbar erst dieses Jahr Relevanz.

Im Februar kam aus dem Stadtrat ein Vorstoß, der die Möglichkeiten zur Erdbestattung eigentlich erweitern sollte. Man wollte sie auch in aufgelassenen und danach erneut vergebenen Gräbern wieder erlauben. Man sah trotz der steigenden Zahl der Urnenbegräbnisse immer noch eine Nachfrage nach traditionellen Bestattungen neben der Kirche. Die Stadtverwaltung sollte also untersuchen, in welchen Bereichen des Friedhofs bei St. Magdalena das machbar sei.

Im Zuge der Untersuchung wurde die Berufsgenossenschaft angehört. Und die machte im Sommer nach einem Ortstermin klar: Was die Sicherheit der Friedhofsmitarbeiter gefährdet, hat zu unterbleiben. Bedenken gab es wohl zuvor in der Stadtverwaltung, die ein dauerhaftes Verbot aller Erdbestattungen auf dem Alten Friedhof ernsthaft erwogen hatte.

Begutachtung ist erfolgt

Um das zu vermeiden, sollte die Friedhofsverwaltung jeden Grabplatz einzeln in Augenschein nehmen und einer von drei Kategorien zuteilen: erstens Gräber ausschließlich für Urnenbestattungen, zweitens Gräber, in denen auch Erdbestattungen erlaubt sind, und drittens solche, in denen die Möglichkeit einer Erdbestattung zumindest geprüft werden kann.

Die Begutachtung der Gräber ist mittlerweile erfolgt. Das Ergebnis: Bei etwa drei Vierteln besteht eine Platzproblematik, die eine Erdbestattung in Konflikt mit der Unfallverhütungsvorschrift brächte. Beim Großteil davon wird die Erdbestattung schon vor der Einzelfallprüfung ausgeschlossen. In anderen Fällen müssen Inhaber von Nachbargräbern gegebenenfalls vorab erlauben, dass Grabsteine – auf Kosten der Antragsteller – samt Fundament zeitweise entfernt werden. Um das Platzproblem wenigstens etwas zu entschärfen, sollen aufgegebene Gräber künftig vermehrt ungenutzt bleiben.

Willi Dräxlers Mutter konnte letztlich so bestattet werden, wie sie es sich gewünscht hatte. Als langjähriger Stadtrat wusste er, an welchen Stellen in der Verwaltung er Druck machen musste. „Wir haben intensiv interveniert“, sagt er und fordert für die Zukunft, technische Lösungen zu finden, die sichere Erdbestattungen gewährleisten. Doch vorerst werden wohl die heute gültigen Vorschriften der Berufsgenossenschaft darüber entscheiden, wo auf dem Alten Friedhof der Wunsch nach einer Erdbestattung erfüllt werden kann und wo nicht.

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