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Fürstenfeldbruck

Wohngemeinschaft der Caritas droht die Obdachlosigkeit

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Händeringend sucht die Brucker Caritas ein neues Zuhause für die Therapeutische Wohngemeinschaft ihres sozialpsychiatrischen Dienstes. Der Mietvertrag läuft aus – im September droht der Gruppe die Obdachlosigkeit.

Fürstenfeldbruck – In der Therapeutischen Wohngemeinschaft (TWG) leben Menschen mit psychischen Erkrankungen zusammen. Begleitet von zwei Pädagoginnen meistern sie ihren Alltag selbstständig. Von den sechs Plätzen sind aktuell vier belegt. Die Bewohner – zwei Männer und zwei Frauen – sind zwischen Anfang 20 und 50 Jahre alt. Sie haben in ihrem Leben zum Beispiel Traumatisierungen oder extreme Vernachlässigung erfahren und leiden nun unter Zwangserkrankungen oder Persönlichkeitsstörungen. Nicht in die TWG aufgenommen werden Menschen mit Suchterkrankungen oder Pflegebedarf.

Einrichtung gilt als sehr wertvoll

„Die Einrichtung hat sich als sehr, sehr wertvoll herausgestellt“, sagt Monika Fußeder, die Leiterin des sozial-therapeutischen Dienstes der Caritas im Landkreis. Seit 24 Jahren gibt es die Wohngemeinschaft schon, ein Bewohner bleibt durchschnittlich sechs Jahre dort. Über 20 Jahre war die TWG in Olching untergebracht – bis das Haus dort abgerissen wurde.

Es folgte ein Umzug in die Brucker Innenstadt, doch hier läuft in wenigen Monaten der Mietvertrag aus. Nun wird die Lage immer drängender. „Wir suchen mit allem, was möglich ist“, sagt Fußeder. Überall, wo sie hinkommt – in jedem Gremium, im ganzen Landkreis – spricht sie das Thema an. Das Ergebnis ist bisher gleich null. „Dass psychisch kranke Menschen so am Rande stehen, das finde ich nicht nur traurig, das finde ich entsetzlich“, sagt die Fachdienstleiterin. Denn treffen kann ein psychisches Leiden jeden. „Das ist gar nicht so abstrakt.“

Vermieter mit Herz

Gesucht wird zum 1. September ein „Vermieter mit Herz“, der ein kleines Haus mit sechs bis acht Zimmern oder zwei Drei- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen zur Verfügung stellen kann. Als Mieter tritt die Caritas auf. Wichtig ist eine zentrale Lage mit Anschluss an den Öffentlichen Personennahverkehr und fußläufig erreichbaren Einkaufsmöglichkeiten. „Für Menschen, die so herausgefallen sind, ist es wichtig, zentral zu wohnen“, erklärt Annette Speer. Die Diplom-Sozialpädagogin ist eine von zwei Betreuerinnen, die die Bewohner bei der Alltagsbewältigung und dem Umgang mit ihrer Erkrankung unterstützen.

Strukturierter Alltag

Nachts und an den Wochenenden kommen sie allein zurecht. Die Menschen sind stabil und selbstständig genug, um für sich selber einzukaufen oder ihre Freizeit zu gestalten. Dass sie den Belastungen in bestimmten Lebensbereichen nicht gewachsen sind, heißt nicht, dass sie keinen strukturierten Alltag haben. Dazu kann die Arbeit in einer Werkstätte für Menschen mit Behinderung gehören, der Besuch der Caritas-Tagesstätte oder eine Beschäftigung im Brucker Fenster.

Wohngemeinschaft bedeutet ein Stück Normalität

Das Leben in der WG bedeutet für die Bewohner ein wichtiges Stück Normalität. „Sie hängen sehr aneinander und geben sich gegenseitig Verständnis und Halt“, sagt Annette Speer. Umso größer ist nun die Sorge, auseinandergerissen zu werden. Angst vor Problemen müsse ein Vermieter nicht haben, betont die Diplom-Sozialpädagogin. „Eigentlich sind die Bewohner diejenigen, die Angst vor der Außenwelt haben.“ Außerdem seien die beiden Betreuerinnen „so nah an den Menschen dran, dass wir alles abfangen“. Auch für den Vermieter sind Speer und ihre Kollegin Ansprechpartnerinnen in allen Fragen.

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