Sie will einmal mit ihnen beerdigt werden

Halterin im Knast: Kaninchen vermehren sich ungehemmt

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Es sollen fürchterliche Zustände im Keller eines Brucker Hauses geherrscht haben: 50 verwahrloste, dreckige und durstige Kaninchen drängten sich auf engstem Raum. Vermehrt haben sie sich, als die Besitzerin im Gefängnis saß. 

Fürstenfeldbruck – Das Amtsgericht verurteilte die arbeitslose Rumänin (52) wegen Vergehens gegen das Tierschutzgesetz zu 1350 Euro Strafe. Die Frau aber weist jede Schuld von sich – und schiebt sie auf ihren Ex-Freund. Sie ging in Berufung.

Nun wurde vor dem Landgericht München II erneut verhandelt. Dort erzählte die Rumänin eine kuriose Geschichte. Sie habe drei Kaninchen vor der Entsorgung gerettet und im Keller gehegt und gepflegt – obwohl ihr bereits zuvor die Kaninchenhaltung untersagt worden war. Alle weiteren Tiere seien willkommen gewesen; schließlich waren es 24. „Es war, als ob ich selbst Mutter geworden wäre.“ Danach habe sie die Kaninchen nach Geschlecht getrennt, damit sie sich nicht weiter vermehrten.

„Ich bin die Geschädigte, nicht die Täterin.“

Doch dann geschah etwas Außergewöhnliches: Als die 52-Jährige einkaufen ging, wurde sie auf offener Straße festgenommen und ins Gefängnis gebracht. Sie sei nicht zum Haftantritt für eine frühere Strafe erschienen, sagt die Justiz. Sie habe nie eine Ladung zum Haftantritt erhalten, sagt die Frau.

Jedenfalls musste sie vom Fleck weg für sechs Monate hinter Gitter. Von dort will sie immer wieder versucht haben, ihren damaligen Lebensgefährtin zu instruieren. Sie habe ihm Briefe geschrieben und bei Besuchen erklärt, dass er sich um die Kaninchen kümmern solle. Der Ex-Freund habe zu Hause immer live miterlebt, wie die Tiere zu versorgen seien.

Doch stattdessen habe der Mann die Tiere verwahrlosen lassen. Er habe sogar versucht, ihre geliebten Kaninchen auf der Internet-Auktionsbörse Ebay zu verkaufen. Zudem hätte er fremde Frauen ins Haus gelassen, die die Tiere vermischt hätten, so dass sie sich erneut vermehrten. „Ich bin die Geschädigte, nicht die Täterin“, betonte die 52-Jährige am Rande der Hysterie. Sie will übrigens mit ihren drei geretteten Kaninchen beerdigt werden.

Verwahrloste Kaninchen hausen im Dunkeln und im Dreck

Als die Veterinäre des Landratsamtes im November 2015 die Tiere holten, befanden sich 50 davon in zwei Verschlägen. Sie hatten kein Licht, kein oder verunreinigtes Wasser und nur trockenes Hundefutter. Auch an Einstreu mangelte es. Alles war mit Kot und Urin verseucht. Wegen dieser Zustände verurteilte das Amtsgericht auch den Ex-Freund zu 600 Euro Strafe. Mit dem ist die Angeklagte längst zerstritten: „Die Polizei hat zu meinem Schutz die Lebensgemeinschaft beendet“, erklärte sie

Inzwischen gibt es schon wieder ein neues Verfahren gegen die Fürstenfeldbruckerin, bei dem ihr erneut 22 Kaninchen weggenommen wurden. In Hinblick darauf regte die Vorsitzende Richterin an, das Berufungsverfahren einzustellen – alle stimmten zu. Der Fall sei schwierig wegen der plötzlichen Inhaftierung der Angeklagten. Sollte das neue Verfahren mit einem Freispruch enden, werde das hiesige wieder aufgenommen. Am Ende lud die Angeklagte die Richterin ein, sich ihre Kaninchen doch mal anzuschauen.

Rubriklistenbild: © dpa

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