Mussten Leute heimschicken, die schon den Ärmel für die Spritze hochgekrempelt hatten: Der ärztliche Leiter des Impfzentrums, Dr. Matthias Skrzypczak, und Verwaltungsleiterin Lena Deininger. 	foto: weber
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Mussten Leute heimschicken, die schon den Ärmel für die Spritze hochgekrempelt hatten: Der ärztliche Leiter des Impfzentrums, Dr. Matthias Skrzypczak, und Verwaltungsleiterin Lena Deininger.

Spritze fast schon im Arm

Astrazeneca-Moratorium: Von einer Sekunde auf die andere war im Impfzentrum Schluss

  • Thomas Benedikt
    vonThomas Benedikt
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  • Tobias Gehre
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Die Nachricht über das Aussetzen der Impfungen mit dem Wirkstoff von Astrazeneca am Montagnachmittag schlug im Brucker Impfzentrum ein wie eine Bombe. „Das ist ein schwerer Schlag für die Impfkampagne im Landkreis“, sagte der Kreisgeschäftsführer des Roten Kreuzes, Rainer Bertram.

Fürstenfeldbruck - Pro Tag würden rund 300 Menschen mit dem Vakzin des britisch-schwedischen Herstellers geimpft. Insgesamt impfen die Mitarbeiter im Impfzentrum 600 bis 700 Menschen pro Tag. Die Zahl der Impfungen geht also um rund die Hälfte zurück.

Bertram eilte kurz nach Erhalt der Nachricht über das Aussetzen ins Impfzentrum. Er geht davon aus, dass es mindestens „ein paar Tage“ dauern werde, bis man Klarheit über die weiteren Impfungen mit Astrazeneca habe. Durch andere Impfstoffe könne man den Wegfall des Serums nicht kompensieren. Davon sei einfach nicht genug da.

Wie Bertram betont, sei der Impfstoff von Astrazeneca bisher sehr gut angenommen worden. Rund 90 bis 95 Prozent der Impf-Kandidaten hätten sich damit immunisieren lassen. Berichte über mögliche Nebenwirkungen hatten in den vergangenen Tagen für Debatten über die Sicherheit des Vakzins gesorgt. Die Impfungen mit den Seren von Biontech und Moderna laufen wie bisher normal weiter.

Astrazeneca-Moratorium: So lief der plötzliche Impfstopp ab

Teilweise standen Menschen nur Sekunden vor der Impfung, saßen schon in der Kabine. „Sie mussten dann unverrichteter Dinge abziehen“, sagt Dr. Matthias Skrzypczak, ärztlicher Leiter des Impfzentrums.

Gegen 15.30 Uhr hatte ihn die Nachricht erreicht, dass Astrazeneca nicht mehr verimpft wird. Etwa 50 Menschen warteten zu diesem Zeitpunkt auf den Piks. Bis Skrzypczak die Neuigkeit allerdings verifiziert hatte, dauerte es noch etwa eine halbe Stunde. Dann aber wurden alle Impfungen sofort gestoppt. „Es gab keine Auslaufzeit“, erklärt der Mediziner. Von einem Moment auf den anderen war der Impf-Betrieb eingestellt – auch für jene Menschen, die quasi schon den Arm für die Spritze freigemacht hatten.

Astrazeneca-Moratorium: Telefone laufen heiß - 150 Termine abgesagt

Die waren im ersten Moment zwar verdutzt, warum sie nun doch nicht das Vakzin erhalten sollten. Aber auch weil die Ärzte vor Ort sich die Zeit nahmen, die Umstände zu erklären, blieb alles ruhig. „Es gab durchweg großes Verständnis“, so der ärztliche Leiter.

Ab da liefen dann auch die Drähte der Telefonleitungen heiß. Etwa 150 Termine mussten abgesagt werden, ebenso die Termine vom Folgetag. Für wen die Nachricht zu spät kam, der wurde noch am Impfzentrum im Auto abgefangen und über die Situation aufgeklärt.

Alle Betroffenen haben nun die Möglichkeit, einen neuen Termin zu vereinbaren. Wer dies über die Telefon-Hotline gemacht hat, wird von den Mitarbeitern des Impfzentrums angerufen. Wer sich online angemeldet hat, kann sich auf diesem Weg für einen neuen Termin anmelden.  

So ist die Corona-Lage im Landkreis insgesamt.

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