Löschfahrzeug aus der Nachkriegszeit: Ein Magirus
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Löschfahrzeug aus der Nachkriegszeit: Ein Magirus

Fursty-Firefighter

Zur Geschichte der Fliegerhorst-Feuerwehr: 80 Jahre im Löscheinsatz

  • vonMax-Joseph Kronenbitter
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Mehr als 15 Jahre arbeitete Martin Zacherl als Feuerwehrmann am Fliegerhorst. Nach dem Aus für die Fursty-Feuerwache befasste sich der Oberbrandmeister mit der rund 80-jährigen Geschichte der etwas anderen Brandretter.

Fürstenfeldbruck – Fahrzeug- und Gebäudebrände, Hochwasser und technische Hilfeleistungen gehören zum üblichen Aufgabenspektrum einer Feuerwehr. Bei einer Flugplatz-Feuerwehr kommt eine spezielle Aufgabe dazu: Brennende Flugzeuge oder, wie beim schlimmsten Einsatz in der Geschichte der Fliegerhorst-Feuerwehr, brennende Hubschrauber.

Ein Bild aus Zeiten der Amerikaner: Später zog die Feuerwache in ein neues Gebäude.

Bei der versuchten Geiselbefreiung nach dem Olympiaattentat im September 1972 war nach der Detonation einer Handgranate ein Hubschrauber des Bundesgrenzschutzes in Flammen aufgegangen. Martin Zacherl war damals nicht dabei. Dennoch beschäftigt das Ereignis den 49- jährigen Oberbrandmeister, der zur letzten Besatzung der Fursty-Feuerwache gehörte, die vor fünf Jahren aufhörte zu existieren. Heute ist er bei der Fliegerhorst-Feuerwehr in Kaufbeuren. Doch seine alte Dienststelle, in der er ab 1999 arbeitete, hat ihn nie losgelassen. Zacherl engagierte sich im Fliegerhorst-Museum und befasst sich vor allem mit der Geschichte der Feuerwehr auf dem Brucker Fliegerhorst.

Die Gründung der Brucker Fliegerhorstfeuerwehr sei nicht exakt zu datieren, weiß er inzwischen. „Es muss im Herbst 1937 gewesen sein, als Fürstenfeldbruck zum Standort der Luftkriegsschule 4 unter ihrem Kommandeur Oberst Ritter von Mann bestimmt wurde.“ Der Reichswehrsoldat Karl Million ging nach dem Ersten Weltkrieg zur Berufsfeuerwehr München und wurde dann als Oberbrandmeister Leiter der Fliegerhorst-Feuerwehr.

Hauptaufgaben damals waren der Bereitschaftsdienst während des Flugdienstes am Rand des Rasenrollfeldes, Prüfung sowie Wartung der Feuerlöschgeräte und Kontrollgänge in den Flugzeughallen. „In jeder der beiden Schichten zu je 14 Mann gab es täglich eine Stunde Ausbildung und Unterricht“, so Zacherl. Zusätzlich sollten die Brandbekämpfer ziviles Standortpersonal in Brandschutzdingen unterweisen. Zwei Henschel-Feuerlöschkraftfahrzeuge mit 2400 Liter Wasser und 300 Liter Schaum standen zur Verfügung, dazu ein Anhänger mit Kohlendioxid und ein Schlauchtender, der die Wasserversorgung über längere Schlauchstrecken sicherstellen sollte.

Moderner Nachfolger: Der Faun 8000 mit Schaumkanone.

Ein weißes Blatt in den Recherchen sind zu Zacherls Bedauern die Einsätze der Fliegerhorst-Feuerwehr während des Krieges. Flugunfälle und Materialverluste sollten, selbst wenn sie außerhalb der Kaserne stattfanden, möglichst vor der Bevölkerung geheim gehalten werden. Ein Neubeginn erfolgte im Jahr 1949, als die Amerikaner zwei Geschwader, die 36th Fighter Bomber Wing und ab Ende 1953 die 7330th Flying Training Wing, in „Fursty“ aufstellten. Der Fuhrpark bestand aus US-Crash-Trucks, die mit zwei deutschen Magirus-Tanklöschfahrzeugen und einem VW-Pritschenwagen als Vorausfahrzeug ergänzt wurden. Zu den anfangs rein amerikanischen Brandschutzsoldaten kam später auch deutsches Personal, das aber nach amerikanischen Maßstäben ausgebildet wurde. Nach Übernahme des Fliegerhorstes durch die Luftwaffe 1957 stellten ausschließlich Zivilbedienstete die Fliegerhorst-Feuerwehr.

Sie waren es, die 1972 bei der versuchten Befreiung der israelischen Sportler aus der Hand der Geiselnehmer „noch während des Schusswechsels zwischen Polizei und Entführern“ den Einsatzbefehl zum Löschen erhielten, berichtet Zacherl. Und sie seien es gewesen, die die Toten zu bergen hatten – eine psychische Belastung, über die manche Beteiligte bis heute nicht sprechen wollen.

1985 bezogen die Feuerwehrler, die bis dahin im Towergebäude untergebracht waren, ihre neue Feuerwache. Der Einsatzbereich endete nicht am Kasernenzaun, sondern umfasste das Gebiet bis nach Dachau, München, Mittenwald und Landsberg. Auch wenn die militärischen Brandbekämpfer nicht immer die ersten an der Einsatzstelle waren, verfügten sie doch über Spezialgerät wie ein Pilotenrettungsfahrzeug mit Bühne oder über das notwendige Spezialwissen im Umgang mit Waffen und Treibstoffen bei Flugzeugunglücken. Zu den größten gehörten die Kollision einer Fiat G91 mit einer T-33 bei Zankenhausen (1966) und der Absturz einer Phantom F-4 nach dem Start in Malching (1971). „Freilich verpflichtet die Feuerwehrkameradschaft auch dazu, bei zivilen Einsätzen nachbarliche Löschhilfe zu leisten“, sagt Martin Zacherl. So zum Beispiel beim Brand der Aumühle (1989), im Fuhrpark der Stadtwerke (1994), bei einem Bauernhof in Lindach (1996) oder 1999 beim Pfingsthochwasser.

Martin Zacherl

Schon vor der Einstellung des Flugbetriebs im Jahr 2003 ging die Anzahl der Einsätze und Schadenshöhen durch verbesserte Brandschutzausbildung, moderne Brandmeldeanlagen und Feuerwehrtechnik merklich zurück. Die „Antretestärke“ der Fliegerhorst-Feuerwehr betrug nurmehr sieben Mann, die sich in 24-Stunden-Schichten ausschließlich auf das Kasernengelände konzentrierten. Zum letzten Startdienst rückte die Feuerwehr im November 2015 aus, als ein Transporthubschrauber die Do 27 der Bundeswehr-Sportflieger in Fursty abholte. Ende März 2016 endete die Geschichte der Brucker Fliegerhorstfeuerwehr endgültig.

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