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Megaprojekt Fliegerhorst: Bis die Konversion des Areals abgeschlossen ist, werden noch viele Jahre ins Land gehen.

Fliegerhorst Fürstenfeldbruck

Fursty-Zukunft: Die Gräben sind noch tief

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Es ist das Mammutprojekt der nächsten Jahre und Jahrzehnte: Am Fliegerhorst soll aus der Kaserne ein Stadtviertel entstehen. Dafür wollen Fürstenfeldbruck, Maisach, Emmering und Olching in einem Zweckverband zusammenarbeiten. Hehre Pläne, doch der Weg dorthin ist steinig.

Fürstenfeldbruck – Gemeinsam haben die Bürgermeister der vier Fursty-Anrainerkommunen einen Masterplan geschmiedet, wie sie das Areal für den ganzen Landkreis gestalten können. Unter der Moderation von Landrat Thomas Karmasin haben sie einen Zweckverband als Konstrukt ins Spiel gebracht. In den Stadt- und Gemeinderäten wurde darüber bereits beraten. Bei einem interkommunalen Workshop wollten die Bürgermeister und ausgewählte Räte den weiteren Weg ausloten. Doch dort offenbarte sich, dass noch recht unterschiedliche Meinungen herrschen – vor allem was die Ziele für das neue Stadtviertel angeht.

Fürstenfeldbruck beharrt auf seinen Fursty-Vorstellungen

Der Hintergrund: Im Jahr 2015 hatte der Brucker Stadtrat sich auf Leitlinien verständigt, wie er den Fliegerhorst mit Leben füllen möchte. Es soll ein Viertel der kurzen Wege werden, ein Mix aus Wohnen und Arbeiten. Auch die Themen Kultur, Sport, Freizeit und Natur sollen berücksichtigt werden. Auf diesen beharren die Mitglieder des Konversionsausschusses – auch zur Überraschung von OB Erich Raff. „Das ist vier Jahre her, es hat sich anders entwickelt.“ Damals habe man für Fürstenfeldbruck alleine geplant. Inzwischen sind die Nachbarn mit im Boot, das zu überplanende Gelände ist über 500 Hektar groß – weit mehr als die Bundeswehrfläche auf Brucker Flur.

Fursty-Leitlinien sorgen für Irritationen

Dass die Brucker auf ihren Leitlinien bestehen, habe für Irritationen gesorgt, berichtet Maisachs Bürgermeister Hans Seidl. Denn man sei davon ausgegangen, über den Zweckverband zu sprechen, zumal die Stadt ihren Rechtsanwalt mit einer Satzung beauftragt hat. Hier habe der Informationsfluss in den Stadtrat wohl nicht funktioniert. Die Bürgermeister hätten über zwei Jahre Ideen unter seiner Moderation entwickelt, berichtet Karmasin, der ebenfalls zum Workshop geladen war. Doch das kam beim Konversionsausschuss offenbar nicht an. „Sie erweckten den Eindruck, völlig erstaunt zu sein, was da entstanden ist.“

Offenbar gab es Vorbehalte in Fürstenfeldbruck, dass andere der Stadt in ihre Vorstellungen reinreden wollen. Bruck habe sich lange intensiv Gedanken gemacht, sagt Olchings Rathauschef Andreas Magg. „Wir hätten gerne die Chance gehabt, das eine oder andere im Zweckverband noch einmal auf den Prüfstand zu stellen.“ Vielleicht gebe es andere Möglichkeiten, um Themen wie Bildung, Forschung oder Entwicklung auf Fursty anzusiedeln. Diese Dinge könnten den Landkreis deutlich weiter bringen.

Auch Raff betont: „Wir sollten uns in dieser Phase nicht auf Zahlen festlegen.“ Ob am Ende 1000 oder 5000 Einwohner oder Arbeitsplätze herauskommen, werde sich weisen. Zumal auch Denkmalschutz, FFH-Gebiete und Themen wie Altlasten zu berücksichtigen seien. Jetzt zu planen, sei realitätsfremd, findet auch Seidl. Man müsse analysieren, was der Markt und der Landkreis brauche. „Das Schlimmste wäre eine Retortenstadt.“

Gegen den Willen der Stadt geht nichts in Fursty

Karmasin war erstaunt, wie groß der Graben noch ist. „Da ist noch ein großer Überzeugungsprozess bei den Brucker Stadträten nötig.“ Zumal niemand der Kreisstadt etwas wegnehmen möchte, wenn sie ihre Planungshoheit abgibt. Denn in der Satzung des Zweckverbandes ist ein Veto-Recht enthalten. Das heißt: Zu allen Plänen auf Brucker Flur kann der Stadtrat Nein sagen. „Wir könnten nichts gegen den Willen der Stadt machen“, sagt Seidl.

Trotz erster Ernüchterung nach dem Workshop sind alle Beteiligten zuversichtlich, dass das Kind noch nicht in den Brunnen gefallen ist. Es gehe darum, die Ziele in einem bis zwei Sätzen zusammen zu fassen, sagt Raff. Im Ergebnis sei man nicht weit auseinander, meint Magg. Die drei Bürgermeister und Karmasin haben ein Schreiben an OB Raff und die Stadträte geschickt, mit der Bitte, Stellung zu beziehen. „Man muss ja nicht interkommunal zusammenarbeiten“, sagt Karmasin. „Aber ich wünsche mir eine zeitnahe Entscheidung.“

Fursty gemeinsam gestalten

Raff hat inzwischen mehrere Varianten von Gesellschaftsformen an die Stadträte weitergeleitet. Im September soll darüber beraten werden. Seine Kollegen hoffen auf ein positives Signal. „Es ist unsere gemeinsame Verantwortung, das Projekt Fliegerhorst plus Umfeld gemeinsam zu gestalten“, sagt Emmerings Bürgermeister Michael Schanderl. „Wir brauchen die Vernunft von vier Kommunen, um dieses Planungsgeschenk für die Region optimal zu gestalten“, ergänzt Seidl. Dafür werde er kämpfen. Karmasin glaubt nicht, dass eine Kommune es alleine schultern kann. „Wenn es jeder für sich macht, könnte es ein Gegeneinander werden“, fürchtet der Landrat. „Dann wäre eine große Chance vertan.“

Darum geht es: Der Fliegerhorst Fürstenfeldbruck auf dem Weg in die zivile Zukunft

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