Externes Gutachten vorgestellt

Fusion: Sparkasse hofft auf höhere Erträge

Die denkbare Fusion der Sparkassen Bruck, Dachau und Landsberg/Dießen brächte für alle Häuser Vorteile mit sich. Das ist das Ergebnis eines externen Gutachtens, das jetzt vorgestellt wurde. Im Frühjahr 2018 könnten die Weichen gestellt werden.

Fürstenfeldbruck– Steigende Regulatorik, niedrige Zinsen und die fortschreitende Digitalisierung sind die Grundlage für die Fusionsüberlegungen. Aus dem Gutachten des Büros zeb geht hervor, dass die geplante Fusion nicht alternativlos ist, wie Brucks Sparkassen-Chef Klaus Knörr am Mittwoch betonte. Jedes der Häuser sei solide aufgestellt, hieß es. Allerdings wäre der Weg in die Zukunft alleine weitaus beschwerlicher als bei einem Zusammenschluss, sagte Knörr.

Zum Hintergrund der Fusionspläne gehört auch die Erkenntnis, dass sich die Erwartungen der Kunden geändert hätten. Kurz gesagt: Einfaches erledigen viele selbst, nachgefragt dagegen werden komplexe Themen. Dementsprechend werde der Wettbewerb mit anderen Unternehmen um qualifizierte Mitarbeiter und Führungskräfte zunehmen. Ziel sei es, neben den Sparkassen in München und München-Land eine dritte Kraft im Westen und Nordwesten Münchens zu schaffen.

Ein Großteil des Mehrwerts einer Fusion (75 Prozent) käme, anders als bislang angenommen, aus dem größer werdenden Geschäftspotential. So könnte ein fusioniertes Institut – es soll Sparkasse Amper-Lech heißen – höhere Kreditsummen vergeben als es den einzelnen Häusern jetzt möglich und erlaubt ist. Rund 25 Prozent des Mehrwerts würden aus Kostensynergien entstehen, wobei es keine betriebsbedingten Kündigungen geben werde, wie Knörr sagte. Allerdings werde man die natürliche Fluktuation für den Personalabbau nutzen.

Für Mitarbeiter – aktuell hat die Brucker Sparkasse 750 – ergäben sich sogar andere Karrierechancen. Die Qualifzierungsmöglichkeiten sollen steigen, die Einsatzmöglichkeiten flexibler werden. Die Zahl der Vorstände würde von insgesamt aktuell acht auf drei bis vier abschmelzen. Die Kosten für die Fusion werden auf rund 4,5 Millionen Euro taxiert. Alle drei Geldhäuser zusammen könnten insgesamt 33 Millionen Euro mehr einnehmen als bisher. Auf Bruck heruntergerechnet würde das rund zehn Millionen Euro mehr bedeuten.

Für den Kunden werde sich wenig ändern. So kündigte Knörr an, dass es – soweit im Moment absehbar – in den nächsten Jahren keine weiteren Filialschließungen gebe. Die regionale Nähe bleibe erhalten. Ihr werde sogar alles andere untergeordnet, sagte Landrat Thomas Karmasin.

Mehrwert für den Kunden sei der Aufbau zusätzlicher Geschäftsfelder sowie Investitionen in digitale Angebote und die Ausweitung der möglichen Kredithöhen. Außerdem soll es möglich werden, die Bedürfnisse aktuell eher kleiner Kundengruppen (Unternehmen) durch verbesserte Angebote und den Einsatz von Spezialisten zu erfüllen. Vermehrt geschaffen werden sollen auch Angebote für vermögende Privatkunden.

Juristisch betrachtet wäre die Sparkasse Dachau das Geldhaus, das die beiden anderen aufnimmt. Daraus folgt aufgrund geltenden Rechts, dass etwa in Dachau zwar die auch aus der Politik besetzten Sparkassen-Gremien über die Fusion entscheiden müssten, nicht aber die politischen. In Bruck hingegen müssten Stadtrat und Kreistag über die Auflösung des bestehenden Zwecksverbands entscheiden. Dass Dachau das aufnehmende Haus wäre, liegt auch daran, dass diese Sparkasse das größte Immobilien-Vermögen aller Partner hat, was bei einer anderen Lösung Auswirkungen auf die Grunderwerbsteuer hätte.

Landrat Karmasin betonte, dass die Fusion nicht aus einer Notlage heraus betrieben werde, dass sie in Hinblick auf künftige Herausforderungen aber sinnvoll sei. Und auch Brucks OB Raff, der aktuell den Vorsitz im Verwaltungsrat innehat, begrüßte die Fusionspläne. Noch zu klären ist nun die Frage der Gewerbesteuer. Ziel sei es, dass keine Gemeinde weniger bekommt als ohne Fusion, sagte Knörr. Die notwendigen Beschlüsse sollen im ersten oder spätestens zweiten Quartal 2018 fallen. Die Umstellung könnte dann im Mai 2019 beginnen.

Bei der Gelegenheit verteidigte Karmasin den Verzicht auf Ausschüttungen an Kreis und Stadt in den vergangenen Jahren. Er ließ durchblicken, dass sich das auch nicht ändern solle. Knörr dazu: Wäre man mit dem Thema anders umgegangen, hätte die Bank jetzt ein Problem mit dem Eigenkapital. 

Der handelsrechtliche Sitz des vereinigten Geldhauses könnte in Fürstenfeldbruck sein

Die Bilanzsumme der drei Sparkassen Bruck, Dachau und Landsberg/Dießen liegt bei rund 8,3 Milliarden Euro. Das Kundenvolumen wird mit 14,5 Milliarden Euro angegeben, die Zahl der Kunden mit knapp 199 000. Insgesamt sind 1515 Mitarbeiter beschäftigt.

 Es gibt 67 Filialen und 28 Selbstbedienungsstellen. Juristisch wäre Dachau das aufnehmende Institut. Technisch aufnehmend dagegen wäre Fürstenfeldbruck. Die Anteilsverhältnisse lägen bei 40,5 Prozent für Dachau, 37,5 Prozent für Bruck und 22 Prozent für Landsberg/Dießen. Die Drei-Säulen-Sparkasse hätte seinen handelsrechtlichen Sitz in Fürstenfeldbruck sowie Niederlassungen in Dachau, Landsberg und natürlich Bruck.

 Die Dezentralität soll erhalten bleiben durch eine starke Präsenz in den Gebieten mit bekannten Gesichtern und Entscheidungsträgern vor Ort. Der Vorstand soll aus drei bis vier Mitgliedern inklusive Chef bestehen – an der Spitze werde also gespart, sagte der Landrat. Der Verwaltungsrat und die Verbandsversammlung – jetzt ja dreifach vorhanden – sollen langfristig personell abgeschmolzen werden. 

Das heißt, dass weniger Brucker Stadt- und Kreisräte in den Genuss von Sitzen kommen werden, wobei es aufgrund der hohen inhaltlichen Anforderung schon jetzt schwierig sei, geeignete Leute zu finden. Der Verwaltungsrat werde damit professioneller, sagte Knörr, der selbst am Ende des Jahres in Ruhestand geht und damit einen ersten Verschlankungsbeitrag leistet, wie er witzelte.

OB Raff fürchtet sich nicht vor dem in Bruck immer wieder ins Feld geführten drohenden Machtverlust. Der Sparkasse müsse es gut gehen. Raff erwartet positive Auswirkungen auf die Gewerbesteuer. (st) 

Kommentar: 

Die Sparkasse Bruck muss mit den Nachbarn aus Dachau und Landsberg nicht fusioneren, sie sollte es aber: Das ist kurz gesagt die Quintessenz, die sich aus den vorliegenden Argumenten und aus dem Blick ins Banken-Umfeld ergibt. 

Ein Haus wie Bruck ist langfristig betrachtet einfach zu klein, um überleben zu können und um damit dem ihm auferlegten öffentlichen Auftrag gerecht werden zu können. Der beschrittene Weg mit vielen Informationsgesprächen ist zweifellos der richtige – und zweifellos werden weitere Gespräche notwendig sein, um am Ende die Mehrheit in den politischen Gremien zu bekommen. 

Gerade der Brucker Stadtrat mit seinem bunten Meinungs- und Mehrheitsgefüge dürfte hier eine gewisse Hürde darstellen. Neben der Einsicht in Zahlen und Pläne wird am Ende aber auch das Vertrauen in die agierenden Personen wichtig sein. Nicht vergessen sollte man dabei, dass es nicht die Sparkassen waren, die das Vertrauen ins Bankwesen zerstört haben. (Thomas Steinhardt)

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